Der Chor und die Lücken

  • VonKlaus Moos
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Die Freude auf diesen Termin war riesig, denn die Durststrecke war lang: Der Biebertaler Männerchor konnte nach 18 Monaten erstmals wieder proben.

Die Stühle im Bürgerhaus Biebertal-Rodheim waren auf Lücke gestellt - schließlich galt es, den Hygieneabstand einzuhalten. »Musik wird oft als Gefahr empfunden, ist singen doch mit Aerosol verbunden...« - um mal ein Zitat von Wilhelm Busch abzuwandeln.

Der Hygieneabstand könnte jedoch auch als Symbol verstanden werden. Denn in einigen Gesangvereinen und Ensembles sind durch die Pandemie große Lücken aufgebrochen. »Die Situation der Chöre war schon vorher schwierig und hat sich weiter verschlechtert«, sagt Oswald Lepper, Vorsitzender des Biebertaler Männerchores. »Durch Überalterung, das Fehlen von fördernden Mitgliedern und Einnahmeausfälle stehen viele Chöre vor dem Aus.« Die Folgen beschreibt Lepper so: Weniger Konzerte, weniger Gesang bei kirchlichen und kommunalen Veranstaltungen, privaten Feiern und Vereinsjubiläen. »Viel Zeit bleibt nicht mehr, um das zu verhindern«, warnt er.

Der Biebertaler Männerchor selbst ist 1996 mit Mitgliedern aller Biebertaler Chöre gegründet worden. Den 25. Geburtstag wird man wohl nicht groß feiern können - dazu haben 18 Monate ohne Proben doch zu große Spuren hinterlassen. Und wer will derzeit auch das Risiko eingehen, ein großes Fest zu feiern?

Leise geworden ist man dennoch nicht: Mit 28 der 39 Mitglieder erfolgte der Neustart. Auch Chorleiter Volker Purdak war die Freude über den Neubeginn anzumerken. Allgemeine Aufbruchstimmung und Wiedersehensfreude prägten das Treffen. Gezielte Stimmübungen und bekannte Chorlieder machten neue Freude. Der Chor trifft sich in der Regel alle vier Wochen - und hofft, dass es keinen weiteren Lockdown gibt. mo/F.: MO

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