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Das Lehrerzimmer ist mit Computer-Tischen zugestellt. FOTO/REPRO: GECK

Der Abriss rückt näher

  • Alexander Geck
    VonAlexander Geck
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Die alte Grundschule in Krofdorf-Gleiberg steht seit zwei Jahren leer und soll im Herbst abgerissen werden. Am Kastanienweg soll so mehr Freifläche für die Schüler entstehen.

Wenn man die alte Grundschule am Kastanienweg in Krofdorf-Gleiberg betritt, sieht man sofort, dass diese Schule verlassen ist. Seit mehr als zwei Jahren ist das so. Schon der Eingang ist zweckentfremdet. Schüler parken dort ihre Roller und Fahrräder, weil sonst wenig Platz ist auf dem übrigen Schulgelände. Die Eingangstüren sind allesamt zerstört, die zersplitterten Glasscheiben durch Sperrholzbretter ersetzt - seit Anfang des Jahres sind hier Vandalen am Werk.

Das ehemalige Schulgebäude ist ein typischer 60er-Jahre-Bau - schlicht und funktionell gestaltet, die Proportionen zurückhaltender als heute. Auffallend sind die deutlich größeren Unterrichtsräume. Heute gilt ein etwas anderer Raum-Schüler-Schlüssel, und damals waren Klassen einfach noch größer. Jedenfalls ist das Gebäude klar strukturiert. Auf einem altem Foto, das im Flur vor dem jetzigen Büro der Schulleiterin an der Wand hängt, wird diese Schlichtheit besonders deutlich.

Bemerkenswert ist auch die unscheinbare Aula, die doch immerhin Platz für die 180 Schüler bei den unterschiedlichsten Zusammenkünften bot; das Klavier steht etwas vergessen an einer Wand. Auch der Materialraum versprüht einen besonderen Flair, denn dort ist ebenfalls noch die über 50-jährige Originalmöblierung zu finden. Die Tafeln dagegen sehen noch ziemlich neu aus. Doch auch sie gibt es in dieser Form in den neuen Räumen nicht mehr, erklärt Schulleiterin Conny Anthes an einem der letzten Tage vor ihrem Ruhestand.

Hohe Sanierungskosten

Wandgemälde in den Treppenhäusern gab es zu seiner Schulzeit noch nicht. Auch keine Markisen. Die orange-gelben Faltelemente wurden erst in späteren Jahren in den nach Westen gerichteten Räumen installiert und tauchen sie in ein eigentümliches Licht. Das Lehrerzimmer ist heute vollgestellt mit rund 40 Computer-Tischen. Die habe es einst äußerst günstig bei Ikea gegeben, würden aber seit dem Umzug nicht mehr gebraucht, erklärt Anthes. Ausgedient hat auch die Teeküche mit den für die 60er-Jahre typischen hellgelben Fliesen.

Funktionstüchtig dagegen sind noch die Feuermelde- und die Lautsprecheranlage. Als vermutlich jüngstes Dokument der ehemaligen Nutzung prangt ein Plakat eines Schülerjahrgangs an der Wand im Erdgeschoss. Im benachbarten ehemaligen Klassenzimmer der Schulleiterin sind heute moderne Dreiräder abgestellt, ebenfalls aus Platzmangel. Eines aber vermisst man in dem Gebäude; etwas, was man eigentlich erwartet hätte: den typischen Geruch einer alten Schule. Und auch daran merkt man, das diese alte Schule wahrlich nicht unmodern ist und es in der Anmutung mit dem direkt daneben gesetzten Neubau aufnehmen kann. Deshalb kann man es durchaus bedauern, dass eine Sanierung des Gebäudes nur mit immensen Kosten verbunden gewesen wäre.

Erste Überlegungen dazu gab es um das Jahr 2010. Vor allem die Erneuerung der großen Fenster und die Isolierung der Fassade hätten zuviel Geld gebunden, so die Bewertung der Baufachleute beim Kreis. Denn die Substanz steht mehr oder weniger noch so da wie Mitte der 1960er Jahre errichtet. Nur das Dach war und ist in Ordnung. Das war bei einem Unwetter Anfang Februar 1997 abgehoben und umgehend erneuert worden.

Dennoch kamen die Entscheidungsträger zu dem Schluss, dass man die benachbarte ehemalige Volksschule herrichtet und um einen modernen Anbau ergänzt.

Seit 2019 steht sie also leer, die alte Grundschule. Der Abriss hat sich seitdem immer wieder verzögert und ist nun für den Herbst geplant. Dann werden die Grundschüler ihre dringend benötigte Freifläche haben. Warum aber das Gebäude in der Zwischenzeit nicht übergangsweise anderweitig genutzt wurde, das bleibt das Geheimnis des Kreises als Eigentümer.

Am Ende des Rundgangs steht die scheidende Schulleiterin Conny Anthes noch einmal direkt an ihrem alten Arbeitsplatz und lugt durch die Jalousie. Den Blick auf Burg Vetzberg wird sie vermissen, Den hatte sie seit 1999, als sie zusammen mit Konrektor Georg Braun an die Schule kam, zu allen Tages- und Jahreszeiten. Der Burgblick allerdings ist auch im neuen alten Gebäude gegeben. Dort hat man aus dem Rektorenzimmer freie Sicht auf Burg Gleiberg.

Als die alte Grundschule noch nicht alt war.

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