Ortstermin an der Orgel mit (v. l.) Peter Wolf (Sparkasse Gießen), Matthias Haupt (Geschäftsführer Sparkassen-Kulturstiftung), Rainer Geitl (Sachverständiger), Thomas Wilhelm, Markus Harzenetter, Bernhard Buchstab (alle LfDH) und Pfarrer Bert Schaaf.
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Ortstermin an der Orgel mit (v. l.) Peter Wolf (Sparkasse Gießen), Matthias Haupt (Geschäftsführer Sparkassen-Kulturstiftung), Rainer Geitl (Sachverständiger), Thomas Wilhelm, Markus Harzenetter, Bernhard Buchstab (alle LfDH) und Pfarrer Bert Schaaf.

"Denkmal einer Epoche"

  • vonConstantin Hoppe
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Die Orgel in der evangelischen Kirche Reiskirchen wurde 1899 gebaut. Mittlerweile braucht das gewaltige Instrument dringend eine Sanierung.

Ein "wahres Denkmal aus einer Epoche des Orgelbaus" bekommt nun eine Verjüngungskur: Die Orgel in der evangelischen Kirche Reiskirchen wird saniert.

Das Instrument hat wahrlich schon bessere Zeiten gesehen. Die Lederteile sind abgenutzt, es gibt Verschleiß am Holz und pneumatische Teile sind nur provisorisch geflickt. Deshalb wird es im kommenden Jahr Zeit für eine umfassende Orgelsanierung des 121 Jahre alten Instruments.

Solch eine Sanierung ist nicht billig: Auf rund 35 000 Euro werden die Kosten geschätzt. Jedoch winken Fördergelder: Die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen sowie das Landesamt für Denkmalpflege Hessen (LfDH) unterstützen gemeinsam die Restaurierung der Reiskirchener Kirchenorgel mit jeweils zehn Prozent der Gesamtkosten.

Gebaut von Förster & Nicolaus

Insgesamt wurden durch das gemeinsame Förderprogramm mittlerweile 145 Orgelsanierungen unterstützt, wie Matthias Haupt, Geschäftsführer der Sparkassen-Kulturstiftung berichtete: "Unser Programm ist ein kleiner Beitrag, um diesen Kulturschatz zu hegen und zu pflegen." Am Freitag konnten Haupt und Dr. Markus Harzenetter, Präsident des LfDH, sowie Dr. Bernhard Buchstab (LfDH) die Bewilligungsbescheide für die Förderung an Pfarrer Bert Schaaf übergeben. Weitere zehn Prozent Förderung erhält die Kirchengemeinde von der evangelischen Kirche Hessen und Nassau. Die restlichen Kosten muss die Kirchengemeinde tragen.

Eine Orgel ist in der Kirche nicht irgendein Möbelstück oder Instrument, wie man an der meist prominenten Position erkennen kann. Jede Orgel ist ein wahres Unikat: Die Klangfarbe der Instrumente hängt von vielen Faktoren ab, sodass kaum eine Orgel wie eine andere klingt.

Das Reiskirchener Orgelwerk in dem älteren, frühklassizistisch gestalteten Gehäuse wurde 1899 von der Werkstatt Förster & Nicolaus aus Lich gebaut. Damals war sie eines der ersten Instrumente, das von dem Unternehmen als Pneumatische Orgel gebaut wurde. Diese Technik wurde ab 1894 verwendet. Ebenso werden auch die baldigen Sanierungsmaßnahmen von dem Traditionsunternehmen durchgeführt.

Das Instrument besitzt zwei Manuale und Pedale mit neun Registern. Sie ist zeittypisch als pneumatische Kegellade konzipiert. Ihre 120-jährige Geschichte hat die Orgel ohne wesentliche Veränderungen überstanden, lediglich die Prospektpfeifen wurden während des Ersten Weltkriegs 1917 entfernt. Aus diesem Grunde ist das Instrument für die hessische Orgellandschaft von großer Bedeutung und ein "wahres Denkmal aus einer Epoche des Orgelbaus", wie Harzenetter vom Landesdenkmalamt betonte.

Wann genau die Arbeiten im kommenden Jahr starten werden, kann derzeit noch nicht gesagt werden. "Die Orgelbaubetriebe haben derzeit volle Auftragsbücher", sagte der Orgelsachverständige der Landeskirche Rainer Geitl. Auch ob die für die Arbeiten veranschlagte Zeit von fünf bis sechs Wochen ausreichen wird, steht noch nicht absolut fest: "Was alles zu tun ist, kann man erst dann sehen, wenn die Arbeit begonnen hat." FOTO: CON

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