ti_rsv_1a_240821_4c
+
Den Rollstuhl bewegen und gleichzeitig werfen oder fangen - vor dieser koordinativen Herausforderung standen am Montagmorgen Fernwalds Ferienspielkinder und ihre Betreuer.

»Das macht ja total Spaß«

  • VonChristina Jung
    schließen

Rollstühle, Basketbälle, eine Halle und ein wenig Anleitung. Mehr brauchte es am Montagvormittag in Fernwald nicht, um sechs Ferienspielkindern und ihren Betreuern jede Menge Spaß zu bereiten. Michael Krayl vom RSV Lahn-Dill und Katharina Nägler, Jahrespraktikantin des Vereins, machten dies möglich.

Montagmorgen, kurz vor zehn in Steinbach. Auf den Parkplatz hinter der Fernwaldhalle rollt ein ausrangiertes Fahrzeug der Feuerwehr. Sechs Kinder und drei Betreuer steigen aus. Gleich beginnt die erste Aktion der zweiten Ferienspielwoche der Gemeinde und es wird sportlich werden - so viel steht fest. Am Eingang wartet Michael Krayl vom RSV Lahn-Dill zusammen mit Jahrespraktikantin Katharina Nägler. Rollstuhlbasketball steht für die Sieben- bis Zwölfjährigen an diesem Vormittag auf dem Programm.

Doch bevor der Bewegungsspaß starten kann, müssen die Rollstühle vom Vereinsbus in die Halle gebracht werden. Alle packen mit an, und kaum sind die Geräte einsatzbereit, sitzen die ersten Kinder auch schon drin. »Hey, das macht ja total Spaß«, findet nicht nur der elfjährige Johannes.

Bevor es richtig zur Sache geht, gibt es aber erst noch ein paar theoretische Informationenen. Krayl bittet zum Sitzkreis in die Hallenmitte und erzählt vom RSV, seinen Erfolgen, den Spielregeln, verschiedenen Handicaps und von den Anfängen der Sportart nach dem Zweiten Weltkrieg in Amerika. »Ist das schwierig«, will die achtjährige Lotta wissen? »Das wirst Du gleich erleben«, entgegnet Krayl. Und kurz darauf geht es in die Stühle. »Die Halle ist groß, fahrt einfach ein bisschen«, so der 65-Jährige.

»Die brauchen jetzt erst mal Zeit, um zu merken, dass das Ding auch rollt«, erklärt er. Seit zehn Jahren zieht der pensionierte Polizist - bis zum Ausbruch der Pandemie immer gemeinsam mit einem der Spieler - durch Kindergärten und Schulen, um für die Sportart und den Verein zu werben. Aber auch für den Umgang der Menschen miteinander. Es sei wichtig für Kinder zu begreifen, dass das Leben mit einem Rollstuhl nicht vorbei sei. Knapp 5000 Mädchen und Jungen hat er das bereits vermittelt. Inklusion pur, wie Krayl sagt. Denn »im Rollstuhl begegnet man sich auf Augenhöhe«.

Nach der Probierphase heißt es dann: In zwei Reihen aufstellen. Team A fährt gegen Team B um ein Hindernis und wieder zurück - erst mehrmals vorwärts, dann rückwärts und am Ende im Slalom. Fahren, fahren, fahren lautet die Devise. Denn: »Wer nicht fahren kann, kann auch nicht spielen. Vor dem Ball kommt der Stuhl«, so Krayl. Dabei legt er Wert darauf, den Leistungsgedanken bei den Kindern so niedrig wie möglich zu halten. Es gehe vor allem darum, Spaß zu haben.

Und den hatten nicht nur die Jungen und Mädchen. »Es macht viel mehr Freude, als ich erwartet hatte. Dabei haben wir noch gar nicht gespielt«, so Patrick Thienelt, der die Ferienspiele für die Gemeinde federführend organisiert hat und als einer von drei Betreuern am Montagmorgen mit von der Partie ist. Offenbar einer der Höhepunkte auf dem abgespeckten Ferienspielprogramm

11.14 Uhr. Michael Krayl wirft eine große Tasche in die Hallenmitte. Die Kinder jubeln, sausen mit den Rollis darauf zu und bedienen sich am Inhalt. Gleich darauf fliegen die ersten Basketbälle durch die Luft. Und selbst wenn mancher spätestens da erkennen muss, dass er den Korb aus sitzender Position an diesem Tag nicht treffen wird und auch im folgenden Spiel mit Blick auf die Koordination von Stuhl und Ball alles etwas anders läuft, als beim »normalen« Basketball, ist das Fazit der Teilnehmer am Ende eindeutig: Das war total klasse.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare