Das Holzerlebnishaus

  • Rüdiger Soßdorf
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Das Holz- und Technikmuseum in Wißmar ist ein lebendiges Haus. Nicht nur, weil es ein Museum zum Anfassen ist, sondern weil es sich als außerschulischer Lernort positioniert und sich seit Jahren mit wachsender Resonanz in der Bildung für nachhaltige Entwicklung engagiert.

Der Begriff »Museum« muss weg, lautete vor ein paar Jahren der Rat eines Schülers, als Prof. Eberhard Seidel in einer Klasse das Holz- und Technikmuseum in Wißmar vorstellte. Weil das leicht verstaubt klingt, eher damit verbunden, Vergangenheit zu bewahren. Deshalb spricht Seidel, Mitbegründer und langjähriger Museumsleiter, seitdem lieber vom »Holzerlebnishaus«. Denn es ist nicht nur ein Museum zum Anschauen, sondern in vielen Bereichen zum Anfassen, zum Fühlen, Hören, Riechen, Bauen.

Vor allem aber: Seit einigen Jahren schon profiliert sich das HTM zunehmend und vielfältig als außerschulischer Lernort mit dem Schwerpunkt auf Waldpädagogik und als Regionales Umweltbildungszentrum. Das Stichwort hier vor allen Dingen: Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Bildung für nachhaltige Entwicklung steht für eine Bildung, die Menschen zu zukunftsfähigem Denken und Handeln befähigt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat dazu 2015 ein BNE-Kompetenzzentrum ins Leben gerufen.

Ein Jahr zuvor schon, im April 2014, wurde auf Initiative des Holztechnikmuseums das seitdem stetig wachsende BNE-Netzwerk Mittelhessen gegründet. Jüngstes Mitglied ist vor wenigen Wochen der Lahn-Dill-Kreis geworden, Der wurde nämlich zur BNE-Modellregion ausgewählt.

Drei Säulen

Was konkret aber leistet das in Wißmar beheimatete »Holzerlebnishaus« dabei neben seiner »klassischen« Museumsarbeit mit Dampfmaschine, Sägegatter und der museumspädagogischen Arbeit?

Die zweite Säule und ein besonderer Baustein ist die von Rita Kotschenreuther verantwortete Waldpädagogik, dies in Kooperation mit Hessen Forst. Försterin Kotschenreuther, eine zertifizierte Waldpädagogin, unterbreitet mittlerweile 17 unterschiedliche Angebote für die Arbeit mit Vorschulkindern, Grundschülern und auch in den Sekundarstufen I und II. Das Spektrum reicht vom Umgang mit Energie über Berufe rund um Wald und Holz, Waldwanderungen und Ökologie des Waldes bis hin zu Fragestellungen des nachhaltigen Handelns (»Heute für morgen denken«). Neben diesen Halbtages- und Tagesprogrammen für Schulklassen, mit Besuchen im Wald und im Museum, gibt es die entsprechenden Angebote zur Fortbildung von Lehrkräften und nicht zuletzt die Kooperation mit Studienseminaren: Referendare und Lehrer in Fortbildung für Grund- und Hauptschulen kommen vom Studienseminar Gießen im Rahmen ihrer Ausbildung nach Wißmar, um Kenntnisse zu erwerben, wie sie Schülern Aspekte nachhaltiger Entwicklung vermitteln können. Mittlerweile sind darüber hinaus Kontakte zum Studienseminar Frankfurt angebahnt, und auch die gymnasiale Lehrerausbildung soll einbezogen werden, Zur Seite stehen in dieser Sparte seit Jahren junge Leute, die dort ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr leisten.

Die dritte Säule, die Arbeit des HTM als eines von elf Regionalen Umweltbildungszentren in Hessen, läuft im Dialog mit den Hessischen Kultusministerium respektive dem Umweltministerium. Umweltbildungszentrum ist das HTM bereits seit dem Jahr 2007.

Durch die Waldpädagogik werden ständig Themen zum Umweltschutz und zur Nachhaltigkeit behandelt. Just in diesem Bereich ist die Umweltschule angedockt und eben das 2014 gegründete BNE-Netzwerk. Konkret werden hier im Auftrag des Hessischen Umweltministeriums auch mit externen Netzwerkpartnern auf Honorarbasis diverse Programme koordiniert und abgewickelt.

Ob Seminare, offene Museumstage oder lehrreiche Angebote für Kinder im Wald - das Spektrum des Holz- und Technikmuseums wird immer vielfältiger. FOTOS: PM

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