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Das Herzstück von Buseck

  • vonSiglinde Wagner
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Einem alten Adelssitz in Buseck wurde im März 1981 neues Leben eingehaucht: Vor 40 Jahren zog die Gemeindeverwaltung ins Schloss. Den Anstoß gab Ernst-Ludwig Müller.

Es war eine gute und richtige Entscheidung: Dieser Meinung sind heute selbst die größten Skeptiker. Wo können Heiratswillige schon sagen: »Wir gehen heute ins Schloss, um das Aufgebot zu bestellen?« Bis am 6. März 1981 der offizielle Einzug der Verwaltung in das historische Gemäuer und am gleichen Tag die erste Trauung in der Schlosskapelle vollzogen werden konnten, war es ein langer Weg. Auch die Geburt der Großgemeinde war nicht leicht. Hatten sich Trohe und Oppenrod freiwillig zum 1. Oktober 1971 der Gemeinde Großen-Buseck angeschlossen, taten sich Alten-Buseck und Beuern mit dieser Entscheidung äußerst schwer. Im Zuge der Gebietsreform wurden sie schließlich durch Order aus der Staatskanzlei am 1. Januar 1977 der Gemeinde Großen-Buseck zugewiesen. Damit war die Großgemeinde Buseck mit fünf Ortsteilen gebildet.

Die Verwaltung im Thal’schen Rathaus auf dem Anger platzte längst aus allen Nähten, auch die Nutzung des Obergeschosses in einem gemeindeeigenen Nachbarhaus durch die Bauabteilung erwies sich auf Dauer als keine gute Lösung. Der Gedanke zum Umbau des alten Schulhauses an der Oberpforte (heute Ärztehaus) zur Mitnutzung durch die Verwaltung wurde verworfen. Drei Standorte waren wirklich nicht optimal.

Noch vor dem Zusammenschluss zur Großgemeinde hatte das Großen-Busecker Parlament unter Bürgermeister Werner Jost (SPD) den Beschluss gefasst, das Schloss samt Park aus dem Besitz der Hessischen Landgesellschaft (HLG) zu erwerben. Die HLG wollte das Schloss, dessen Ursprungsbau erstmals 1458 in einer Urkunde erwähnt wurde, abreißen. Gemäß der noch vorliegenden Pläne war das gesamte Areal mit dem 4,5 Hektar großen Park für eine Wohnbebauung vorgesehen. Aus heutiger Sicht, wo man sich um den Erhalt historischer Bauwerke stark bemüht, ist dieses Ansinnen unvorstellbar. Nachdem der Landeskonservator (heute Landesdenkmalamt) mit Schreiben vom 31. Mai 1974 Einspruch gegen den Abbruch eingelegt hatte, wurde das Areal für die HLG uninteressant. Die Gemeinde Großen-Buseck kaufte es am 10. März 1976.

Bei einer zufälligen Begegnung sprach Helmut Hofmann (Freie Wähler), zu diesem Zeitpunkt Bürgermeister in Alten-Buseck, den langjährigen Leiter der Haupt- und Finanzabteilung Ernst-Ludwig Müller (SPD) an: »Sag mal, jetzt habt ihr das Schloss für 1,2 Millionen gekauft, was wollt ihr denn mit dem Ding nun machen?« - »Wenn es nach mir geht, kommt da die Verwaltung rein«, antwortete Müller. Das war Ende 1976.

Die nächste Kommunalwahl brachte neue Mehrheitsverhältnisse: CDU und Freie Wähler erzielten einen Sitz mehr als die SPD, Anfang 1977 wurde Hofmann Bürgermeister der Gesamtgemeinde. Den Vorschlag von »Elu« Müller hielt er nicht für abwegig, zumal dem Schloss inzwischen durch einen Architekten eine überraschend gute Bausubstanz bescheinigt wurde. Er fragte Müller: »Stehst du noch dazu? Dann kümmerst du dich darum, wo das Geld herkommt und ich mich um die Mehrheit im Parlament.« Und so wurde es gemacht.

Mit zwei Millionen D-Mark waren die Renovierungskosten veranschlagt worden, weitere 1,3 Millionen würde die Angliederung des Bauhofs mit Zehntscheune kosten. Für eine Gemeinde, die damals zu den finanzschwächsten im Landkreis gehörte, eine stolze Summe. Um an Landeszuschüsse zu kommen, schaltete Müller den damaligen Ministerpräsident Holger Börner ein.

An Zuschüssen wurden jeweils 100 000 D-Mark von der Landesdenkmalpflege und dem einstigen Lahn-Dill-Großkreis gewährt, der Landkreis Gießen legte 10 000 D-Mark dazu, vom Hessischen Umweltministerium gab es 140 000 und vom Sozialministerium 20 000 D-Mark. Das Land stellte für die Jahre 1979 bis 1981 jeweils ein zinsfreies Darlehen über 500 000 D-Mark bereit. Die Sanierung begann 1979.

Die Einweihung des bis dahin für 4,3 Mio. D-Mark restaurierten Schlosses mit dem neuen Bauhof wurde durch den Posaunenchor Oppenrod und den Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr musikalisch umrahmt. Bürgermeister Hofmann unterstrich die Berechtigung dieses Großprojektes anhand zweier Gesichtspunkte, dem denkmalpflegerischen und dem verwaltungstechnischen. Er sagte: »Wir wollten keinen Betonklotz und seelenloses Bürosilo auf der grünen Wiese.« Die Feier fand in der Mehrzweckhalle statt, wo sämtliche Redner dem Bürgermeister »Kraft, Verstand und Wille, dies durchzuziehen«, attestierten. Allgemein wurde bedauert, dass die Gemeinde ein Projekt von solcher Tragweite weitgehend alleine finanzieren muss.

Der Tag der offenen Tür am 7. März 1981 wurde rege genutzt. Elke Noppes, die Archivarin der Gemeinde, hätte gerne eine Ausstellung zu diesem Jubiläum vorbereitet. Wegen Corona macht das allerdings derzeit keinen Sinn.

Das Busecker Schloss ist seit 40 Jahren Sitz der Gemeindeverwaltung. - März 1981: Bürgermeister Helmut Hofmann (M.) durchschneidet, flankiert von Parlamentschef Gerhard Weber und Architekt Werner Beuermann (r.), die symbolische Bandabsperrung. FOTOS. BILDARCHIV BUSECK, SIW

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