Wohnmobile

Darum gibt es immer mehr Wohnmobile im Landkreis

Wohnmobile werden immer beliebter. In den vergangenen acht Jahren ist die Zahl im Kreis Gießen um gut 45 Prozent gestiegen. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Die Zahlen sind überaus beeindruckend. Jährlich 20 Prozent Zuwachsraten verzeichne er, sagt Sven Gaidies. Gaidies ist Wohnmobilhändler und -vermieter aus Biebertal, und sein gestiegener Absatz wahrlich kein Einzelfall. Die Branche boomt und zwar deutschlandweit. Ein Blick in die Statistik macht das deutlich.

Insgesamt 486 893 Campingmobile waren bei der letzten Bestandsaufnahme des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) im Januar 2018 gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Anzahl damit um 36 726 gestiegen, seit 2010 gar um 161 792.

Eine Tendenz, die sich auch auf den Kreis Gießen übertragen lässt: Im gesamten Kreis ist ein Zuwachs von gut 45 Prozent in den vergangenen acht Jahren zu verzeichnen. In absoluten Zahlen heißt das: Im Jahr 2010 waren noch 1027 Wohnmobile gemeldet, mittlerweile sind es 1495.

Immer mehr Menschen setzen auf Individualurlaube

Es ist das Gefühl von Freiheit und Abenteuer, das seit jeher mit dem Traum vom Wohnmobil verbunden ist. Und dennoch gibt es durchaus Gründe für den Zuwachs. Sie reichen von der Sicherheitslage im Ausland bis hin zum niedrigen Zins beim Kauf eines Wohnmobils und dem hohen Wiederverkaufswert.

Ein Hauptgrund, sagt Gaidies, sei, dass mehr Menschen auf Individualurlaube setzten. Diese Erfahrung teilt auch Johanna Eckel von Reisemobile Hessen in Gießen: Es ist der Wunsch nach unabhängigem Reisen, die Abkehr von Massentourismus im Hotel. Ob Streiks oder Verspätungen am Flughafen oder Bahnhof, den Wohnmobilisten ist das egal, und das macht diese Form des Reisens für viele attraktiv, sagt die Automobilkauffrau.

68 000 Euro kostet neues Wohnmobil im Durchschnitt

Und trotzdem bleibt das Wohnmobil ein Nischenprodukt, auch das machen die absoluten Zahlen deutlich. Ein Zweit- oder Drittauto, Denn noch immer ist ordentlich Finanzkraft bei all jenen gefragt, die sich ein neues Wohnmobil zulegen wollen. Durchschnittlich kostet es 68 000 Euro, so die deutschlandweiten Erhebungen. Händler Gaidies sagt: Im Schnitt würden seine Kunden zwischen 50 000 und 60 000 Euro ausgeben.

"Reisemobile sind ein Luxusgut." Und: "Die Käufer sind tendenziell wohlhabender und damit auch konjunkturresistenter als die Kunden von Caravans", hieß es vor fünf Jahren beim Caravaning Industrie Verband (CIVD), als die Freizeitindustrie von der Schuldenkrise verstärkt getroffen wurde und die Wohnwagenzahlen bröckelten. Aber wenigstens die Reisemobilisten waren ein Lichtblick.

Inzwischen wird gar mit Blick auf die Ausstattung zwischen "unter 100 000 Euro" und "über 100 000 Euro" eingeteilt, was den üppigen Durchschnittspreis erklärt.

Kreis Gießen belegt Platz 220

Im Kreis Gießen kommen rund 5,7 Wohnmobile auf 1000 Einwohner, das macht in der Wohnmobil-Bundesliga Platz 220 von 400 ausgewerteten kreisfreien Städten und Kommunen. Der bundesweite Spitzenreiter ist mit gut 16 Wohnmobilen pro 1000 Einwohner erneut der Kreis Schleswig-Flensburg.

Das liegt hauptsächlich daran, dass die Kreisstadt Schleswig Sitz eines großen Wohnmobilvermieters ist. Was nicht nur für den kleineren Geldbeutel ein guter Tipp ist, sondern auch für Paare: Denn einige Tage auf engstem Raum als Test für den Wohnmobil-Traum sichert bei Neulingen die Investition am besten ab.

Kein Wohnmobil ohne Diesel

Wenn man sich fragt, wie es um die Zukunft bestellt ist, steckt der Teufel im Detail beziehungsweise unter der Haube: Sparsam und durchzugsstark muss der Motor sein, sonst wäre es schwierig, bei dem hohen Luftwiderstand ein annehmbares Tempo zu erreichen. Die meisten Wohnmobile fahren mit einem Fiat-Dieselmotor.

Ist das nun ein Problem angesichts der aktuellen Diesel-Diskussion? "Unsere Kunden haben zwar Bedenken, was Dieselmotoren angeht", sagt Händler Gaidies, "aber es gibt leider keine Alternative, weil diese einfach nicht wirtschaftlich wären."

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