Gleich nach Erhalt der iPads und Laptops probieren die Anne-Frank-Schüler die neuen Geräte aus. FOTO: GECK
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Gleich nach Erhalt der iPads und Laptops probieren die Anne-Frank-Schüler die neuen Geräte aus. FOTO: GECK

Damit jeder mitmachen kann

  • Alexander Geck
    vonAlexander Geck
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Nicht jeder Schüler im Landkreis hat einen Laptop, nicht alle Eltern können sich eine solche Investition leisten. Welch großer Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung herrscht, wurde in den Hochzeiten der Corona-Krise deutlich. Gestern nun wurden die ersten 65 von 1800 vom Kreis bestellten Geräte an Schüler in Linden verteilt.

In der letzten Schulwoche, so möge man meinen, ist die Zeugnisausgabe das weitaus Spannendste. 65 Schüler der Anne-Frank-Schule in Linden aber dürften diesmal etwas ganz anderes ihr Wochen-Highlight nennen. Sie erhielten gestern als erste im Landkreis die vom Kreis beschafften Laptops und iPads.

Die Jugendlichen machten zwar kein lautstarkes Aufheben um ihre neuen Lehrmittel, doch die Geräte wurden noch gleich auf dem Schulhof sorgsam ausgepackt, begutachtet, für überaus gut befunden und in Betrieb genommen. Endlich, mag da so manch einer gedacht haben.

Wie notwendig jene Anschaffung ist, ist in den vergangenen Wochen und Monaten deutlich geworden. Wie ein Brennglas hat die Corona-Pandemie gezeigt, dass in Sachen Digitalisierung noch vieles im Argen liegt. Einige Kinder konnten dem digitalen Unterricht nur bedingt folgen, weil sie weder über ein Laptop noch über ein iPad verfügten und ihre Eltern eben nicht über die nötigen finanziellen Mittel.

Kurz nach den Osterferien hatte man seitens des Landkreises die ersten 1000 Geräte bestellt. Eine erste Bedarfsabfrage im April gab es bei drei Gesamtschulen, flächendeckend erfolgte sie an allen Schulen dann Anfang Mai. Mitte Juni standen nach einigen Diskussionen im Schulausschluss und dem Vorwurf der Opposition, zu spät gehandelt zu haben, die ersten Geräte für den Einsatz bereit. Allein bis die erste Lieferung ankam, waren vier Wochen vergangen, zwei Fachkräfte brauchten dann noch 14 Tage für das Aufspielen der Software.

Insgesamt werden nun nach und nach 1800 iPads und Laptops an die Schüler im Landkreis verteilt, sagte Schuldezernentin Dr. Christiane Schmahl beim gestrigen Übergabetermin in Linden. Man habe nach der ersten Bedarfsermittlung teilweise noch einmal nachgefragt, sodass es noch mehr oder weniger große Korrekturen gegeben habe.

Auch die Finanzierung sei inzwischen eine andere als die ursprünglich geplante. Zunächst waren vom Landkreis 460 000 Euro für diese Anschaffung vorgesehen gewesen, um bei der Teilhabe am Unterricht niemanden zu benachteiligen. Nun gibt der Bund 800 000 Euro, das Land 312 000 Euro. Damit werden mehr als nur die ersten Ausgaben des Landkreises beglichen. "Das haben wir vorher nicht gewusst", sagte Schmahl.

Der Verteilungsschlüssel sei extrem gut, man habe viele Bildungs- und Teilhabeberechtigte. Überdies sei eine konkrete Nachprüfung des Bedarfs nicht nötig, andere Ämter müssten nicht eigens eingeschaltet werden. Das freut die Dezernentin: "Hauptsache, die Kinder bekommen ein Gerät."

Der Kreis, auch das verkündete Schmahl gestern, könne aufgrund der Zuschüsse sogar für ein Jahr eine Fachkraft einstellen, die die Geräte warten wird. Auch das ist sicherlich eine gute Investition. Die Erfahrung zeigt, dass immer wieder mal etwas zu Bruch gehen kann, auch wenn es noch so gut behandelt wird wie am gestrigen Mittwoch in Linden.

31 iPads und 34 Laptops hatte Schmahl an die AFS mitgebracht. Mit den Eltern seien entsprechende Leihverträge vereinbart worden, berichtete der kommissarische Schulleiter Andreas Irle.

Die Geräte sind nun einsatzbereit für den digitalen Unterricht, der an der AFS größtenteils über iServ läuft. Eine Plattform, auf die Lehrer wie Schüler gleichermaßen Zugriff haben, inklusive E-Mail- und Videokonferenz-Programm. Dass ab Freitagnachmittag bereits Sommerferien sind, mag da das einzige Manko sein.

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