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Kleine Könige beim Sommerfest: Steffi Specht (r.) trifft mit ihren Isländern »Konjur« und »Snaedis« den Geschmack der Kinder.

Daheim in fremder Heimat

  • Gabriele Krämer
    VonGabriele Krämer
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Wiedersehensfreude pur herrschte am Samstag in Steinbach: Das Sommerfest, zu dem die ehrenamtlichen Helfer des Lerncafés eingeladen hatten, lockte mehr als 100 Besucher an - sowohl Geflüchtete als auch Alteingesessene. Ein gelungener Auftakt für das weitere Miteinander.

Sie kannten noch kaum ein deutsches Wort, als sie im Herbst 2015 und in den Folgemonaten auf ihrer Odyssee in Fernwald gestrandet waren. Auf dem Höhepunkt der damaligen Flüchtlingswelle waren zahlreiche Familien und Einzelpersonen aus Syrien, Afghanistan, dem Irak, aus Äthiopien, dem Iran und aus dem Sudan in Steinbach untergebracht worden. Inzwischen fühlen sich viele von ihnen in der einst so fremden Umgebung heimisch, haben die hiesige Sprache und - je nach Alter - bisweilen sogar schon einen Beruf erlernt oder eine feste Anstellung gefunden.

Hilfestellung beim Lernen und Zurechtfinden im Alltag, etwa beim Behördengang, erfahren die Neubürger auch durch die Ehrenamtlichen-Initiative »Willkommen in Steinbach«, etwa im Rahmen des wöchentlichen Lerncafés im Foyer der Fernwaldhalle. Pandemiebedingt war das Miteinander seit Anfang 2020 allerdings nur sehr eingeschränkt möglich. Umso größer war am Samstag die Freude über die bevorstehende Wiederaufnahme der Aktivitäten. Den passenden Rahmen für den »Re-Start« bot ein Sommerfest auf der weitläufigen Obstbaumwiese, die der örtliche Obst- und Gartenbauverein neben seinem Lehrgarten zur Verfügung gestellt hatte.

So gab es bei idealen Witterungsbedingungen ein großes Hallo - mittlerweile kennen sich alle gut, Berührungsängste sind passé. Jung und Alt der unterschiedlichsten Nationalitäten gehen vertraut miteinander um - doch nur selten gab es in den vergangenen Monaten die Gelegenheit zum Miteinander. Nun sorgte ein umfangreiches Angebot für unbeschwerte Stunden: Die Kinder tobten sich beim Torwandschießen, Fußballspielen oder beim Balancieren auf einer Slackline aus.

Trommeln und Pferde

Mit Hilfe der »Schminkdamen« Ina und Antje verwandelten sich Mädchen und Jungen in bunte Kätzchen, zahme Tiger oder kecke Teufelchen - und sahen sich unversehens einem Blitzlichtgewitter der stolzen Eltern ausgesetzt. Für eine im Wortsinne ganz besondere Note dieses Festes sorgte eine Delegation der Gießener Trommlergruppe »Bloco Baiano«, die sich uneigennützig in den Dienst der Sache gestellt hatte und mit heißen Trommelrhythmen zum Klatschen und Tanzen animierte.

Den sprichwörtlichen Vogel schossen zweifellos die gutmütigen Islandpferde »Konjur« (König) und »Snaedis« (Schneemädchen) ab: Steffi und Joachim Specht hatten den Wallach und die Stute gesattelt, um kurze Reitrunden mit den vierbeinigen Überraschungsgästen anzubieten. Hier und da flossen sogar Tränen: Einigen Kindern ging es nicht schnell genug, bis endlich auch sie an der Reihe waren. Zwischendurch konnten sie sich ebenso wie ihre Eltern gut versorgen mit kulinarischen Spezialitäten aus Syrien, dem Iran und Afghanistan, die neben Gegrilltem und Salaten bereitstanden. Dank galt Michael Simon (Rewe), der die Getränke spendiert hatte.

Schon am Mittwoch, 15. September, 15 Uhr, ist das nächste Treffen angesagt - im Lerncafé im Foyer der Fernwaldhalle. Interessierte und helfende Hände sind willkommen - die Sprache jedenfalls stellt keine große Hürde mehr dar. FOTO: IK

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