Dem Spaß auf der Piste folgt die "häusliche Absonderung" - so wird die empfohlene Quarantäne nach Heimkehr aus einem Risikogebiet genannt.
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Dem Spaß auf der Piste folgt die "häusliche Absonderung" - so wird die empfohlene Quarantäne nach Heimkehr aus einem Risikogebiet genannt.

Corona-Verdacht

Coronavirus: 90 Schüler und Begleiter in häuslicher Quarantäne - Deutliche Auswirkung auf Schule im Lahn-Dill-Kreis

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Zahlreiche Lahntal-Schüler müssen nach einer Skifreizeit in Südtirol zu Hause bleiben. Doch der Lahn-Dill-Kreis hat auch gute Nachrichten.

Lahnau - Die gute Nachricht zuerst: Die Achtklässler der Lahntalschule in Atzbach, die am Freitag von einer Skifreizeit im Ahrntal in Südtirol zurückgekehrt sind, haben mutmaßlich kein Coronavirus mit nach Hause gebracht.

Die weniger gute Nachricht: In der Schule bedarf es jetzt zusätzlicher Anstrengungen, um den Ausfall von zehn Lehrern in den kommenden Tagen zu kompensieren, weil diese (wie auch die Schüler) vorsorglich Zuhause bleiben müssen, bis feststeht, dass wirklich alle gesund sind.

52 der 74 Schülerinnen und Schüler wurden negativ auf das Coronavirus SARS-CoV-2 getestet. Gleich nach der Ankunft am Freitag wurde bei allen Schülern und den 16 Begleitpersonen, die Erkältungssymptome zeigten, ein Abstrich gemacht. Der Befund war negativ. Wer keine Symptome hatte, der wurde auch nicht getestet. Das teilte das Gesundheitsamt des Lahn-Dill-Kreises am Montag mit.

Alle 90 Teilnehmer der Fahrt bleiben vorsorglich in häuslicher Quarantäne. Angehörigen der Schüler und Lehrer, die in sensiblen Bereichen arbeiten, empfiehlt das Gesundheitsamt, ebenfalls zu Hause zu bleiben. Ihnen wird im weiteren geraten, sich mit dem Arbeitgeber in Verbindung zu setzen, um das weitere Vorgehen abzustimmen.

Wie geht eine Schule damit um, wenn plötzlich zehn der 67 Lehrerinnen und Lehrer nicht zum Unterricht erscheinen können, weil sie sich nach Rückkehr aus einem Corona-Risikogebiet in "häuslicher Absonderung" befinden?

Schulleiterin Evelin Hedrich versichert auf Anfrage, mit ihrem Team alles zu tun, um die Ausfälle zu kompensieren. Die Achtklässler bekommen in den nächsten zwei Wochen ihr Unterrichtsmaterial über den Schulserver "IServ" nach Hause geschickt.

Auch die zehn Lehrerinnen und Lehrer, die die Skifreizeit begleitet hatten, sollen von zu Hause aus arbeiten und Materialien vorbereiten und versenden. Zudem, so Hedrich, hat sich das Kollegium umgehend bereit erklärt, Mehrarbeit zu übernehmen. Darüber hinaus wird versucht, ergänzende Kräfte aus dem Personalpool "Verlässliche Schule" zu rekrutieren.

Im Vorfeld der Fahrt hatte Schulleiterin Hedrich das Gesundheitsamt, das Staatliche Schulamt und das Kultusministerium zurate gezogen und um eine Einschätzung respektive eine Empfehlung gebeten. Doch die Auskunft von vor 14 Tagen, unmittelbar vor Beginn der Reise nach Südtirol: Es ist eine Entscheidung der Schule und der Eltern. Dies wohlgemerkt noch zu einem Zeitpunkt, in dem das Virus zwar in Italien angekommen war - jedoch acht Tage bevor Südtirol zum Risikogebiet erklärt wurde. Eine Empfehlung des Schulamtes und des Kultusministeriums, Fahrten und Freizeiten zu unterlassen, gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Die sind erst seit wenigen Tagen publik.

Die Lahntalschule hatte daraufhin kurzfristig alle Eltern zu einem Elternabend eingeladen und ausführlich informiert - laut Hedrich ausdrücklich auch über Unwägbarkeiten wie die Frage von etwaigen Einschränkungen wie einer möglichen Quarantäne oder gar Behinderungen bei der Reise, wenn es zu Grenzschließungen käme.

Alle Eltern haben die Informationen der Schule und Empfehlungen des Kreisgesundheitsamts daraufhin unterschrieben, waren sich ihrer Entscheidung also bewusst. Nur einige wenige Eltern haben laut Schulleiterin von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, ihre Kinder nicht mitreisen zu lassen. Hedrich betont rückblickend: "So oder so: Es war die freie Entscheidung der Eltern, ob ihre Kinder mitfahren oder nicht. Jedem stand die Entscheidung frei, bis der Bus bestiegen wurde."

Wer nicht mitfuhr, musste allerdings Stornokosten für die mit 410 Euro je Teilnehmer veranschlagte Reise tragen. Denn eine Reiserücktrittsversicherung greift erst bei konkretrem Anlass, nicht aber bei der Befürchtung, es könne etwas passieren.

Im Nachgang hat die Skifreizeit in den sozialen Medien nochmals für Diskussionen gesorgt - auch mit Blick auf den Umgang mit der häuslichen Quarantäne: So wird Unverständnis darüber geäußert, dass die Teilnehmer der Freizeit 14 Tage zu Hause bleiben müssen, die Eltern und Familienmitglieder aber nicht zwingend. "Warum ist der Lahn-Dill-Kreis nicht konsequent und erlegt eine verpflichtende Quarantäne auch für die Familienmitglieder auf und übernimmt hier die Kosten für den Verdienstausfall?", fragt etwa eine Mutter auf Facebook. Ihr Kommentar: "Genau: Wie bei allem geht es ja letztlich wieder nur ums Geld."

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