+
Nach den bisherigen Zahlen sei das Coronavirus tödlicher als die Grippe, sagt Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts. 

Coronavirus

Coronavirus: Was passiert, wenn im Kreis Gießen der erste Fall auftritt?

  • schließen

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der erste Corona-Fall im Kreis Gießen gemeldet wird. Wie gut ist der Landkreis dafür gewappnet? Ist es möglich, dass auch hier ganze Orte unter Quarantäne gestellt werden? Antworten des Sozialministeriums und des Gesundheitsdezernenten Hans-Peter Stock.

Auf Teneriffa ist ein Hotel unter Quarantäne gestellt worden, ebenso im österreichischen Innsbruck. In Norditalien sind ganze Orte abgeriegelt worden. Kann das hier auch passieren?

Auszuschließen ist das nicht, es liegt im Bereich des Möglichen, dass einzelne Orte abgeriegelt oder unter Quarantäne gestellt werden können. "Dies ist jeweils im Einzelfall zu entscheiden, aber nicht vom Kreis Gießen allein. Das könnte als Katastrophenfall nur in Abstimmung mit dem Land vollzogen werden", sagt der Gesundheitsdezernent des Landkreises Gießen, Hans-Peter Stock.

Gibt es die Möglichkeit, Versammlungen einer größeren Zahl von Menschen einzuschränken?

Derzeit gibt es im Landkreis Gießen keinen Anlass für eine Einschränkung. Grundsätzlich besteht laut Stock dafür nach dem Infektionsschutzgesetz aber die Möglichkeit, um so das Ansteckungsrisiko zu reduzieren.

Coronavirus: Möglichkeiten, um Ansteckungsrisiko im Kreis Gießen zu reduzieren

Gibt es einen Landkreis-Plan für den Fall einer Pandemie?

Ein Pandemieplan für den Landkreis liegt seit 2009 vor. Aktuell befindet sich der Plan in einer Überarbeitung. Das hängt nicht mit dem Coronavirus zusammen, sondern ist auf einen Erlass des Landes zur Influenzaplanung in den Landkreisen zurückzuführen. Der Pandemieplan des Kreises orientiert sich an den Vorgaben des 100 Seiten starken Pandemieplans des Landes Hessen. Der ist für jedermann auf der Internetseite des Hessischen Sozialministeriums einzusehen.

Update: Coronavirus! Erster Fall in Mittelhessen bestätigt - Patient im Lahn-Dill-Kreis

Wie ist es um die Zahl der Betten auf Isolierstationen in den Krankenhäusern bestellt, die für den Fall einer Pandemie zur Verfügung stehen?

Der Landkreis Gießen macht zu den verfügbaren Betten keine Angaben; sagt, dass dies "nichtöffentliche Informationen" seien. Hessens Gesundheitsminister Kai Klose spricht von 5 bis 10 Prozent der Betten in hessischen Krankenhäusern, die zur Verfügung stehen. Dazu sagt das Sozialministerium: Grundsätzlich sind alle Krankenhäuser in Hessen darauf vorbereitet, Erkrankte mit neuen Infektionskrankheiten versorgen zu können. Hierfür gibt es Planungen in den Krankenhausalarmplänen und den Hygieneplänen. Die Krankenhäuser halten Schutzkleidung vor, um auch sehr infektiöse Patienten behandeln zu können und trainieren ihr Personal regelmäßig für solche Situationen. Auch Räumlichkeiten zur Behandlung von Infektionspatienten sind an jedem Krankenhaus ausgewiesen.

Coronavirus: Gesundheitsämter in Hessen sind in Rufbereitschaft

Was passiert konkret bei einem Corona-Verdachtsfall im Kreis Gießen?

Als erstes sollten die erkrankten Personen bzw. die behandelnden Ärzte klären, ob ein Verdacht überhaupt wahrscheinlich ist. Das heißt, es ist zu klären, ob die erkrankte Person überhaupt in betroffenen Gebieten war oder Kontakt zu einem bestätigten Erkrankungsfall hatte. Die Gesundheitsämter in Hessen sind in Rufbereitschaft und können von den Ärzten entweder direkt oder über die Leitstellen erreicht werden. Eine Infektion mit dem neuen Coronavirus ist meldepflichtig.

Lesenswert: Coronavirus: Diese Symptome sind typisch nach einer Covid19-Infektion

Gibt es dafür im Kreis einen Krisenstab?

Der Landkreis Gießen verfügt sowohl über einen Katastrophenschutzstab als auch einen Verwaltungsstab zur Koordinierung administrativer Aufgaben. Zudem wurde kürzlich eine "Koordinierungsrunde Influenza" ins Leben gerufen. Dazu gehören das Gesundheitsamt, die Landrätin, der Gesundheitsdezernent, der Rettungsdienst, der Fachdienst Gefahrenabwehr, die örtlichen Krankenhäuser sowie die Kassenärztliche Vereinigung als Träger des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes.

Coronavirus: Umgang mit Kindergärten im Kreis Gießen einzelfallabhängig

An wen muss eine Erkrankung gemeldet werden?

Das ist landesweit einheitlich geregelt. Zu den zu klärenden Punkten gehören zunächst unter anderem die Frage nach einem Aufenthalt in den vom Robert-Koch-Institut definierten Risikogebieten oder der Kontakt mit Personen, die sich dort aufgehalten haben, sowie Untersuchungen und gegebenenfalls Schnelltests. Erst wenn durch die ärztliche Anamnese ein Verdachtsfall besteht, ist dies dem örtlichen Gesundheitsamt zu melden.

Gibt es einen Plan, wie dann mit Kindergärten, Schulen/Hochschulen umgegangen wird? Wären da Betriebseinschränkungen denkbar?

"Dies ist immer im Einzelfall von der jeweiligen Institution und/oder dem Gesundheitsamt zu entscheiden", sagt Gesundheitsdezernent Stock.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare