Viele Unternehmen im Kreis Gießen bieten ihren Mitarbeitenden schon seit März regelmäßige Corona-Schnelltests an. (Symbolbild)
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Viele Unternehmen im Kreis Gießen bieten ihren Mitarbeitenden schon seit März regelmäßige Corona-Schnelltests an. (Symbolbild)

Wirtschaft

Corona-Testangebote: Wie gehen die Arbeitgeber im Kreis Gießen mit dem Thema um?

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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Ab dieser Woche sind Unternehmen verpflichtet, ihren Mitarbeitern Corona-Tests anzubieten. Einige Firmen im Kreis gehen schon jetzt diesen Weg - teils nutzen sie auch Kooperationen mit Apotheken.

Aus Sicht der Bundesregierung hat die deutsche Wirtschaft die freiwillige Selbstverpflichtung nicht ausreichend umgesetzt, daher wird nun nachgesteuert: Ab dieser Woche müssen Firmen Mitarbeitern, die nicht im Homeoffice arbeiten, mindestens einmal pro Woche einen Corona-Test anbieten.

Während Gewerkschaften die Pflicht zu Testangeboten teils schon länger gefordert haben, äußern sich Spitzenverbände der Wirtschaft wenig begeistert. Einige Unternehmen bieten bereits Corona-Tests im nun geforderten Umfang an, für sie bringt die neue Pflicht insofern keine Änderung. Das gilt auch für manch größeren Arbeitgeber im Kreis, wie eine Umfrage zeigt: Schon seit Anfang März biete man allen Mitarbeitern Selbsttests an, in Grünberg und an allen deutschen Standorten, äußert sich ein Sprecher der Firma Bender, Spezialist für Sicherheitstechnik. »Am Anfang waren wöchentliche Tests vor Schichtanfang angedacht, mittlerweile verteilen wir 20-er Packungen zur freien Verfügung«, teilt das Unternehmen weiter mit. 10 000 Selbsttests habe man bisher gekauft, mehr als 60 Prozent seien an die Belegschaft verteilt worden. »Bender kontrolliert die Nutzung nicht, sondern vertraut den Mitarbeitern, dass sie im eigenen Interesse, zum Schutz ihrer Familien und ihrer Kollegen diese auch nutzen«, heißt es weiter. Nur durch die »kontinuierliche Einhaltung aller Regeln« könne die Belegschaft geschützt, die Pandemie besiegt werden - und dazu gehöre neben Impfen, Kontaktnachverfolgung und Maskenschutz eben auch das Testen.

Kreis Gießen: „Überwiegende Inanspruchnahme“ von Corona-Tests erwartet

Ähnlich wird bei Bosch Thermotechnik verfahren: »Jeder Mitarbeiter kann sich in der Werkarzt-Abteilung in Lollar einen Selbsttest abholen, der dann zuhause morgens vor der Arbeit durchgeführt wird«, teilt Pressesprecherin Silke Bartels mit. »Seit 7. April haben wir knapp 500 Selbsttests ausgegeben, davon war ein Test positiv. Unter Berücksichtigung der Mitarbeiter, die den Test schon zum zweiten Mal genutzt haben, haben wir eine Teilnahmequote von 35 bis 40 Prozent.« Die nun neuen Vorgaben erfülle man schon länger. Mitarbeiter an deutschen Standorten, deren Präsenz am Arbeitsplatz erforderlich ist, könnten mindestens einmal pro Woche einen Antigen-Selbsttest nutzen. Auch verfüge man seit September in Lollar über ein von Bosch entwickeltes Gerät für PCR-Tests, etwa vor Dienstreisen. Alle bisherigen 35 Tests dieser Art seien negativ ausgefallen.

Der Busecker Schweißtechnik-Produzent Binzel bietet Mitarbeitern nach eigenen Angaben bislang an, sich »bei Bedarf« zu testen oder testen zu lassen. Auch bei »Verdachtsfällen« werde im Betrieb getestet.

Die Schunk-Gruppe macht laut Pressesprecher Neill Busse seit vergangener Woche jedem Mitarbeiter in Deutschland ein Selbsttest-Angebot pro Woche, so auch in Heuchelheim. »Die Beschaffung der Tests hat einige Zeit beansprucht, aber jetzt können wir loslegen«, so Busse. 4000 Tests pro Woche seien deutschlandweit vorgesehen, man rechne »dauerhaft mit einer überwiegenden Inanspruchnahme«.

Kreis Gießen: „Es stößt teils auf, dass jetzt auf Zwang umgestellt wird“

Auch etliche Handwerksbetriebe im Kreis bieten ihren Beschäftigten aktuell schon Corona-Tests an, sagt Björn Hendrischke, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Eine konkrete Zahl könne er nicht nennen, »aber ich weiß von mehreren, die es schon aus Eigeninteresse heraus gemacht haben«. Die Kreishandwerkerschaft helfe auch bei der Vermittlung von Bestellmöglichkeiten. Es gebe auch Beispiele, bei denen Mitarbeiter während der Arbeitszeit kommunale Testcenter aufsuchen können, so Hendrischke. Laut der neuen Regel reicht das allerdings nicht aus.

Zwar sei den Betrieben daran gelegen, Infektionen früh zu erkennen. Doch ihn erreichten auch Beschwerden über »erheblichen Aufwand«, der jetzt mit den Testangeboten verbunden sei - neben schon bestehenden Corona-Auflagen. Laut Hendrischke müssen Betriebe nun bei Kontrollen entweder eigenes Testmaterial oder Kooperationen, etwa mit DRK oder Johannitern, nachweisen können. Konnten Tests nicht geliefert werden, sei auch dies zu belegen. Dokumentationen über Testergebnisse seien aber nicht vorgeschrieben. »Es stößt teils auf, dass jetzt auf Zwang umgestellt wird«, so der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft.

Kreis Gießen: „Interesse, dass unsere Leute gesund und fit sind“

Manche Arbeitgeber kooperieren nun mit Apotheken, etwa der Beuerner Bauunternehmer und Kreishandwerksmeister Kay-Achim Becker. Er buche regelmäßige Tests für die Belegschaft. Die erste Testung dieser Art habe am Freitag stattgefunden, schon zuvor habe er bei Bedarf Schnelltests im Betrieb angeboten. »Wir haben ein Interesse, dass unsere Leute gesund und fit sind«, sagt er und ist froh, dass es in seinem Unternehmen »keine aktiven Verweigerer gibt«. Der Betrieb zahle für die Tests in der Apotheke. Dieses Prozedere hält Becker für eine sinnvolle Lösung - zumal er dafür keine Infrastruktur in eigenen Räumen aufbauen müsse, sondern auf Vorhandenes zurückgreifen könne. Allerdings, so Becker, werde aus Handwerkskreisen teils bemängelt, »dass wir die Tests anbieten müssen, es aber nicht von den Mitarbeitern verlangen können«. Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hatte das kürzlich kritisiert. So steht und fällt der Erfolg der Testangebote mit der Bereitschaft der Belegschaft.

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