Kann der Partner in Corona-Zeiten bei der Geburt dabei sein? Viele werdende Mütter sind in diesen Tagen unsicher, haben Angst davor, in den entscheidenden Stunden alleine zu sein. 
+
Kann der Partner in Corona-Zeiten bei der Geburt dabei sein? Viele werdende Mütter sind in diesen Tagen unsicher, haben Angst davor, in den entscheidenden Stunden alleine zu sein. 

Corona

Corona und Schwangerschaft: Besonderheiten bei Geburt in Zeiten der Pandemie

  • vonChristina Jung
    schließen

Werdende Mütter, die Angst davor haben, dass der Partner in den entscheidenden Stunden nicht an ihrer Seite sein kann. Die Corona-Pandemie hat auch auf die Geburtshilfe enorme Auswirkungen.

Die Geburt eines Kindes ist auch für den Mann ein überwältigendes Erlebnis. Er möchte dabei sein, seiner Frau zur Seite stehen, wenn die schmerzhaften Wehen kommen, die Nabelschnur durchtrennen und das Neugeborene in den Arm nehmen. Was hierzulande eigentlich selbstverständlich ist, gilt vielerorts nicht mehr in Zeiten von Corona. Die Pandemie verändert die Geburtshilfe, in einigen Kreißsälen, beispielsweise in Wetzlar, ist der Zutritt für Väter bereits verboten. Nicht so an der Licher Asklepios-Klinik. Aber auch hier gelten andere Regeln als sonst.

"Bei uns dürfen Väter immer noch dabei sein", sagt Giovanni Di Favero, seit Kurzem neuer Chefarzt der Gynäkologie und Geburtsthilfe. "Allerdings nicht die ganze Zeit." Soll heißen: Erst wenn es wirklich ernst wird, werden die Partner dazu gebeten. Und nur in dieser Phase dürfen die werdenden Väter, mit Schutzkleidung und -maske ausgerüstet, ihren Frauen beistehen.

Corona und Schwangerschaft: Von Lich nach Gießen

Und wie sieht es aus, wenn Hochschwangere mit Erkältungssymptomen oder gar als Verdachtsfall zur Entbindung ins Licher Krankenhaus kommen? "Dann werden sie zuerst in der Notaufnahme triagiert", erklärt der Gynäkologe. Also von Ärzten und Geburtshelfern untersucht, um festzustellen, in welchem Stadium sich die Gebärenden befinden. Und natürlich auf Corona getestet. Ist noch genügend Zeit, werden diese Frauen in die Gießener Uniklinik gebracht, mit der diesbezüglich eine Kooperation besteht. Dort, so Di Favero, stehe für solche Fälle ein Isolierbereich zur Verfügung.

Reicht die Zeit nicht mehr aus, kann die Schwangere ihr Kind in Lich bekommen, wo für solche Fälle einer der Kreißsäle geblockt wird. Eine der Hebammen oder ein Facharzt kümmert sich dann ausschließlich um diese Kreißende, so Di Favero.

Corona und Schwangerschaft: Für Frauen ein Trauma

Vieles ist also anders in Zeiten von Corona und niemand kann garantieren, dass die Regeln von heute auch morgen noch gelten. All das gepaart mit dem Umstand, dass das Thema Geburt bei etlichen Frauen ohnehin mit vielen Fragen, Unwägbarkeiten und Ängsten verbunden ist, bereitet werdenden Müttern derzeit große Sorgen. Mehr noch. "Viele Frauen haben Panik", sagt Ingrid Schmalen, seit 1988 freiberufliche Hebamme und stellvertretende Vorsitzende ihrer Berufsgruppe im Landkreis. Insbesondere davor, dass sie diesen Weg alleine gehen müssen. "Das ist das größte Trauma, das eine Frau erleben kann." Aus Sicht der Lindenerin gibt es dafür aber keinen Grund. Zur Gesamtsituation kommt hinzu, dass die Hebammen in den Kreißsälen eigentlich auf die Unterstützung der Väter angewiesen sind, weil sie oft mehrere Frauen gleichzeitig betreuen.

Corona und Schwangerschaft: Mehr Hausgeburten gewünscht

Immer wieder bekommt Schmalen in diesen Tagen Anrufe von Frauen die wissen wollen, ob sie ihr Kind mit ihrer Hilfe zu Hause entbinden können. Aber das darf die Lindenerin nicht. Denn dafür braucht es eine spezielle Versicherung. Sie sagt den Frauen, dass sie sich in dieser Situation an die zuständigen Stellen wenden und Alarm schlagen sollen. Aber sie sagt ihnen auch, dass sie für sie da ist. Vor der Geburt und danach. Allen Abstandsregelungen und Sicherheitsvorkehrungen zum Trotz. "Gewisse Dinge gehen in unserem Job nicht ohne Körperkontakt", so Schmalen.

Corona und Schwangerschaft: Nachsorge per Video

Das weiß auch Katharina Hillgärtner-Erll nur zu gut. Sie ist als Hebamme in Teilzeit am Licher Krankenhaus angestellt, arbeitet aber überwiegend freiberuflich. Derzeit besucht sie die Familien, die sie betreut, nur "so oft wie nötig" und versucht, viel über Telefongespräche, E-Mails und Videotelefonate abzudecken. "Aber das ist nur begrenzt möglich", so die Licherin, die seit über 25 Jahren in der Geburtshilfe tätig ist. Denn zu erkennen, ob sich ein Milchstau entwickelt oder sich die Gebärmutter richtig zurückbildet, sei per Ferndiagnose kaum möglich.

Und auch mit Blick auf die Babys seien die Besuche wichtig. "Ich kann per Video nicht beurteilen, ob ein Kind vielleicht eine Neugeborenengelbsucht entwickelt", so Hillgärtner-Erll. Dazu brauche es den direkten Blick auf die Haut. In den ersten fünf Tagen besucht sie ihre Wöchnerinnen deshalb täglich, anschließend nach Bedarf.

Corona und Schwangerschaft: Endlich Schutzkleidung

Wenn sie vor Ort ist, versucht sie Abstand zu halten, fasst so wenig wie möglich an, benutzt Desinfektionsmittel und künftig wohl auch Schutzkleidung. Die allerdings stand den freiberuflichen Hebammen bisher nicht zur Verfügung. Grund dafür: Die Ausstattung mit diesem Material, das vom Fachdienst Gefahrenabwehr des Landkreises verteilt wird, ist durch das Land geregelt. Entsprechende Vorgaben gab es in der vergangenen Woche.

"In den Empfehlungen des Landes waren niedergelassene Hebammen allerdings nicht berücksichtigt", erklärt Kreispressesprecher Dirk Wingender auf Anfrage dieser Zeitung. Nach Rücksprache mit der Vorsitzenden der Hebammen im Kreis wurden die hiesigen Geburtshelferinnen nun aber in den Verteilerkreis aufgenommen. Das Material kommt aus dem Notfallbestand des Landkreises. Wingender: "Für insgesamt 60 Hebammen stellen wir übergangsweise jeweils zehnmal Mund-Nasen-Schutz, drei FFP 2-Masken sowie drei Schutzkittel zur Verfügung. Insgesamt also 600-mal Mund-Nasen-Schutz, 180 FFP 2-Masken und 180 Schutzkittel."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare