Werden Ratten auf der Suche nach Nahrung zu einem Problem? Schädlingsbekämpferin Monika Tasci glaubt das nicht. FOTOS: PM
+
Werden Ratten auf der Suche nach Nahrung zu einem Problem? Schädlingsbekämpferin Monika Tasci glaubt das nicht. FOTOS: PM

Alles sauber?

Corona-Pandemie: So ist es um die Schädlingsprävention im Kreis Gießen bestellt

  • vonLena Karber
    schließen

Viele Betriebe versuchen, die laufenden Kosten zu reduzieren, um zu überleben. Droht deshalb bald das große Krabbeln, weil die Schädlingsprävention vernachlässigt wird? Expertin Monika Tasci gibt Auskunft.

Wenn Monika Tasci ausrückt, geht es nicht unbedingt um Kakerlaken-Scharen oder Ratten-Heere, sondern oftmals um reine Prävention. In etwa 80 Prozent der Fälle sollen mit Hilfe von Überwachungsmaßnahmen, die sich nach einem im Umgang mit Lebensmitteln EU-weit verpflichtenden Konzept richten, Schädlingsaufkommen bereits im Vorfeld verhindert werden. "Die riesige Befall-Situation, die man früher hatte, tritt durch diese Maßnahmen fast gar nicht mehr auf", erzählt die Inhaberin der Firma Bernd Schneider.

Trotzdem würden viele Menschen in Deutschland noch immer denken, dass es irgendwo dreckig sei und ein Befall vorliege, wenn Schädlingsbekämpfer vor Ort seien - ihrer Meinung nach ein fataler Irrtum. "Wenn ich ein Lokal aufmache, ist der Hygiene-Plan und dessen konsequente Überwachung das Wichtigste", sagt sie. "Nicht umsonst stuft uns die Lebensmittelindustrie als systemrelevant ein."

Das Attribut "systemrelevant", das weiß in diesen Tagen jeder, besagt, dass der Heuchelheimer Fachbetrieb für Schädlingsbekämpfung, den Tasci vor über 20 Jahren von ihrem Vater übernommen hat, trotz Corona-Pandemie weiterhin im Einsatz ist. Denn ohne präventive Maßnahmen würde es innerhalb kurzer Zeit vielerorts zu großen Schädlingspopulationen kommen - ein Szenario, das mancherorts bereits die Runde machte. Gewarnt wurde dabei vor einer Schädlingsplage im Anschluss an die Corona-Krise, falls die in ihrer Existenz bedrohten gastronomischen Betriebe nun, um die laufenden Kosten zu reduzieren, an Präventionsmaßnahmen sparen würden.

Verantwortungsbewusster Umgang

"Je nachdem, wie lange die Krise dauert und wie die Soforthilfe-Maßnahmen greifen, kann es natürlich sein, dass manche Betriebe das Geld irgendwann einfach nicht mehr haben", sagt Tasci, die die wirtschaftlichen Schwierigkeiten einiger Unternehmen hautnah miterlebt. "Kunden, bei denen es klemmt, komme ich aber entgegen. Wenn das vorher mit uns abgesprochen wurde, können sie auch mal später bezahlen."

Trotz aller Probleme beobachte sie bei ihren Kunden jedoch aktuell einen extrem verantwortungsbewussten Umgang mit dem Thema Schädlingsprävention, berichtet sie. Auch mehrere Wochen nach den Schließungen habe noch niemand seinen Auftrag zurückgenommen. "Im Gegenteil, Betriebe, die schließen mussten, haben mich darum gebeten vorbeizukommen und noch einmal eine genaue Gefahrenanalyse zu erstellen." Lebensmittel seien an Mitarbeiter verteilt, verschenkt oder entsprechend sicher verpackt worden und oftmals habe sie bei ihren Besuchen gesehen, wie eine Grundreinigung vorgenommen worden sei.

Tasci betont zwar, dass sie nur für ihre Kunden sprechen kann, aber ihre Erfahrungen bieten Anlass zur Zuversicht: Kleine Betrieben seien häufig ohnehin sehr sauber, weil sich jeder für alles verantwortlich fühle. Und bei größeren Betrieben lägen die Monitoring-Maßnahmen in der Regel in den professionellen Händen von externen Dienstleistern, weil den Verantwortlichen bewusst sei, dass es sich um einen "unheimlich sensiblen Bereich" handle und weil giftige Stoffe ausschließlich unter der Anleitung von Fachleuten verwendet werden dürfen. Wenn solche Systeme erst einmal installiert seien, sei ihre regelmäßige Kontrolle auf jeden Fall im Interesse der Betriebe, meint Tasci, die zuversichtlich bleibt. "Wenn die Regelungen entsprechend gelockert werden, wollen die Betriebe ja möglichst schnell wieder öffnen", sagt sie. "Wenn nun jemand einfach alle Lebensmittel zurücklässt, sich um nichts kümmert und deswegen eine Schädlingsbekämpfung durchführen muss bevor er öffnen kann, kann das erst einmal ein paar Wochen dauern."

"Schädlingsprävention ist jetzt wichtiger als in jeder anderen Zeit"

Auch die Befürchtung, dass sich Ratten durch weniger Müll auf den Höfen der Gastronomiebetriebe bei der Nahrungssuche vermehrt Zugang zu Gebäuden verschaffen würden, teilt Tasci nicht. Vielmehr sieht sie in den fehlenden Müllbergen eine Chance für die Schädlingsbekämpfung. "Wenn man draußen Rattenköder-Boxen aufstellt, muss der Köder mehr Attraktivität ausstrahlen als der Müll", erklärt sie. "Wenn kein Müll da ist, habe ich innerhalb kürzester Zeit eine letale Wirkung. Das ist doch super."

Sie selbst versucht aktuell möglichst kontaktlos zu arbeiten, indem sie sich einen Schlüssel abholt und versucht, alleine vor Ort zu sein. "Wenn es sich mal nicht vermeiden lässt, dass ich im gleichen Raum bin wie der Kunde, trage ich eine Maske und halte den gebotenen Sicherheitsabstand ein." Nicht zu arbeiten ist hingegen keine Option - schließlich ist ihr Job systemrelevant und vielleicht sogar noch wichtiger als sonst.

"Keime können Krankheiten übertragen und wenn man eine solche Krankheit hätte und sich zusätzlich mit Corona anstecken würde, wäre das natürlich fatal", erklärt sie in Hinblick auf die besondere Bedeutung von Hygiene in diesen Tagen. "Ich bin zwar keine Ärztin, aber ich schätze zu desinfizieren, zu reinigen und Schädlinge aus dem Haus zu halten, das ist jetzt wichtiger als in jeder anderen Zeit."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare