+
Keine Duschen, keine Toiletten, kein Essen? Raststätten und Autohöfe entlang der Autobahnen bleiben zu - auch im Kreis Gießen. Die Versorgung der Lkw-Fahrer wird trotzdem gewährleistet. 

Lkw-Fahrer

Corona: Lkw-Fahrer in Krisenmodus - Junge aus Marburg mit herzerwärmender Idee

Sie sind systemrelevant, und dennoch sind auch Lkw-Fahrer Leidtragende der Krise. Nun reagiert ein Neunjähriger aus Marburg mit einer tollen Idee. 

  • Zahlreiche Einschränkungen für Lkw-Fahrer in der Corona-Krise
  • Phil (9) aus Marburg will Dankbarkeit mit besonderer Aktion zeigen
  • Lkw-Fahrer reagieren mit vielen Bildern

Update, 15.4.2020: Lkw-Fahrer haben in der Corona-Krise mit einigen Einschränkungen zu kämpfen. Viele Rasthöfe sind geschlossen, zeitweise stehen sie in Grenzregionen tagelang im Stau. Doch ihr Job ist wichtig. 

Ein Junge aus Marburg, Phil, zeigt seine Dankbarkeit nun mit einer großen Geste. Gemeinsam mit seiner Mutter ging er Süßigkeiten und mehr einkaufen, um sie an die gestrandeten Lkw-Fahrer auf Parkplätzen zu verteilen. 

Die Aktion kam bei den Lkw-Fahrern so gut an, das viele - auch wenn sie selbst nicht in Genuss der Anerkennung des Jungen aus Marburg kamen - etwas zurückgeben wollten. Zahlreiche Trucker posteten Bilder ihrer Fahrzeuge bei Facebook. Hintergrund: Phil ist selbst ein großer Lkw-Fan, erfreut sich an entsprechenden Fotos. 

Corona: Enorme Herausforderungen Lkw-Fahrer in der Krise

Erstmeldung, 14.4.2020: Sie sind systemrelevant, und dennoch sind auch Lkw-Fahrer Leidtragende der Krise. Kurt Metz, Fuhrparkleiter bei der Langgönser Spedition Bork, hofft auf ein Umdenken in der Gesellschaft, denn Helden der Straße waren seine Männer schon vor der Corona-Pandemie.

Kurt Metz kann es immer noch nicht so richtig glauben. Das, womit er es die vergangenen Wochen zu tun hatte, hat er noch nie erlebt - dabei hat er schon so einiges gesehen und gehört. Seit über 30 Jahren ist der 67-Jährige für die Betreuung und Ausbildung von Lkw-Fahrer zuständig, das Coronavirus benötigte dagegen nur ein paar Wochen, um in seiner Branche alles auf den Kopf zu stellen. "Der Job als Lkw-Fahrer hatte noch nie den besten Ruf", sagt Metz, "aber zu Beginn der Krise wurden wir nahezu wie Aussätzige behandelt."

Corona und Lkw-Fahrer: Völlig neue Arbeitsbedingungen

Metz ist Fuhrparkleiter der Langgönser Spedition Bork. 270 Sattelzugmaschinen mit 520 Auflieger sind sein Revier, seine Fahrer legen pro Tag in durchschnittlich 325 Touren 112 500 Kilometer durch ganz Deutschland zurück. Metz Leute kommen rum - von der aktuellen Krise und dem Umgang mit ihr haben sie ganz spezielle Eindrücke gesammelt. Doch bei denen sollte es nicht bleiben: Auch ihre Arbeitsbedingung haben sich enorm verändert.

"Fairerweise muss man sagen, dass wir bei uns nicht die klassischen Fernfahrer haben", sagt Metz. Diese stehen aufgrund der Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie vor einem Haufen Problemen. Vereinzelt bildeten sich wegen der eingeführten Grenzkontrollen extreme Staus, in denen die Fahrer manchmal sogar mehrere Tage feststeckten. Zudem sind die meisten Rasthöfe geschlossen, auf deren Sanitäreinrichtungen die Fahrer angewiesen sind. Kurzum: Keine heiße Dusche, keine sauberen Toiletten, kein warmes Essen. "Uns bei Bork betrifft das zum Glück weniger. Unserer Fahrer duschen meistens bei uns. Aber andere", Metz hält kurz inne, "es ist doch eh schon ein Knochenjob."

Corona und Lkw-Fahrer: Händewaschen wird zum Problem

Dass ein so alltägliches Grundbedürfnis wie der Gang zur Toilette einmal annähernd zum Luxusbedürfnis werden könnte, damit hätte auch Metz nicht gerechnet. "Und das ist ja nicht nur auf den Raststätten so", sagt er, "die Fahrer haben das auch bei Kunden erlebt."

Die belieferten Unternehmen hätten oft befürchtet, dass die Fahrer das neuartige Virus einschleppen könnten. Selbst Händewaschen sei oft nicht richtig möglich gewesen. Mal habe es Seife und Desinfektionsmittel gegeben, mal nicht. "Dass die Firmen auf Sicherheit aus sind, ist ja klar", sagt der Fuhrparkleiter, "aber offene Toiletten sollten schon drin sein."

Corona und Lkw-Fahrer: Bessere Versorgung an Raststätten

Mittlerweile habe sich die Situation deutlich zum Positiven gewendet, sagt Metz. "Die Firmen öffnen sogar ihre Mitarbeiter-Toiletten für die Fahrer und auch Seife ist immer da." Auch auf den Autohöfen scheint sich die Situation derweil verbessert zu haben. Der größte Deutsche Raststätten- und Autohofbetreiber "Tank & Rast", zu dem auch die beiden Raststätten im Kreis Gießen gehören, verkündete Ende März, dass die Versorgung von Lkw-Fahrern an den Raststätten gesichert sei. Die Restaurants müssten zwar geschlossen bleiben, hieß es, aber die Tankstellen blieben rund um die Uhr geöffnet. Es gäbe warme Mitnahmegerichte und außerdem seien die sanitären Anlagen geöffnet und frei zugänglich. Das gelte auch für die Fernfahrer-Duschen.

"Ich denke, es ist mittlerweile angekommen, dass die Lkw-Fahrer gebraucht werden", sagt Metz, "ohne sie würde die Versorgung zusammenbrechen - gerade jetzt." Vor allem der Bedarf an Lebensmitteln und Medikamenten sei hoch, "wir haben aktuell so viel zu tun, als ob Ostern und Weihnachten zusammenfallen würden", sagt Metz. Der im normalen Tagesgeschäft schon stressige Job, würde den Fahrern gerade einiges abverlangen. Auf mehreren Ebenen.

Corona und Lkw-Fahrer: Mehr Arbeit, wenige soziale Kontakte

Mehr Arbeit, mehr Vorschriften, mehr Stress und dazu weniger soziale Kontakte. "Bei uns geht es sehr freundschaftlich und familiär zu", sagt Metz. Dass jetzt alles auf Abstand ausgelegt ist, belaste die Fahrer. Nicht nur, weil beim Be- und Entladen nun auf eine helfende Hand verzichtet werden müsse, sondern weil auch etwa ein aufmunternder Schulterklopfer zur Begrüßung oder das Gespräch zwischendurch bei einer Tasse Kaffee fehlten. Das sei emotional sehr anstrengend.

Dass es neben den Kassierern im Supermarkt und den Ärzten im Krankenhaus auch die Lkw-Fahrer sind, die das Land am laufen halten, ist vielen inzwischen klar. Immer häufiger ist von den "Helden der Straße" zu hören und lesen. Wenn abends laut von den Balkonen geklatscht wird, gilt der Dank auch ihnen.

Corona und Lkw-Fahrer: Ist die Wertschätzung von Dauer?

Kurt Metz macht das froh: "Diese Wertschätzung gerade, das tut schon gut", sagt er, "aber wir haben auch schon vor der Krise die Versorgung und die Wirtschaft aufrecht erhalten." Es wäre schade, wenn das nach der Corona-Pandemie wieder in Vergessenheit gerate.

Gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels und des fehlenden Nachwuchses sei es wichtig, die gesellschaftliche Bedeutung des Berufes hervorzuheben. "Lkw-Fahrer machen einen wichtigen Job", sagt Metz, "es wäre schön, wenn die aktuelle Wertschätzung anhält."

kgg/fd

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare