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Kindergartenkinder können bis zu dreimal wöchentlich auf eine mögliche Coronavirus-Infektion untersucht werden - wenn die Eltern dies wollen. Land und Kommunen finanzieren die Tests., die Familien zahlen dafür nicht. SYMBOLFOTO: DPA

Corona-Krise

Corona-Fälle in Kitas: Betreuungsgruppen geschlossen - Kreis Gießen reagiert

  • Rüdiger Soßdorf
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Bis zu dreimal in der Woche sollen Eltern ihre Kita-Kinder testen lassen können - wenn sie dies wollen. Der Kreis Gießen organisiert Lolli-PCR-Tests. Land und Kommunen teilen sich die Kosten.

Gießen - Die Corona-Infektionszahlen kennen derzeit nur einen Weg: nach oben. Da rücken einmal mehr diejenigen in den Blick, die nicht geimpft sind: Die Kinder - im Besonderen die Kindergartenkinder. Beispiel Wettenberg: Vergangene Woche wurde eine Gruppe einer Kita in Krofdorf-Gleiberg geschlossen; seit Dienstag dann sind zwei weitere einer Einrichtung im Wißmar unter Quarantäne gestellt. Voraussichtlich bis 2. Dezember. Freitesten mit PCR-Tests ist ab dem Wochenende wieder möglich.

Testen - das ist das Schlüsselwort, um die Ausbreitung des Virus zu überwachen. Doch wie ist es um Tests in Kindertagesstätten und anderen Betreuungseinrichtungen bestellt? Das soll jetzt nochmals forciert werden - bis zu dreimal in der Woche soll dies in den Kitas möglich sein. Das Land gibt Geld, das Gesundheitsamt ordert Lolli-Tests.

Wobei grundsätzlich gilt: Die präventive Testerei in den Betreuungen ist bislang eine freiwillige Angelegenheit. Eine Testpflicht gibt es nicht. Auch wenn sich dies die einen Eltern wünschen, lehnen andere dies ab.

Die Kita-Träger - ganz gleich ob Gemeinde, Elternverein, Kirche, Wohlfahrtsverband oder andere - können nur ein Angebot machen. In dem Wissen, dass regelmäßige Tests das Ansteckungsrisiko verringern.

Das Kreis-Gießen-Gesundheitsamt hat allen Kommunen mehrfach die Möglichkeiten aufgezeigt, wie Lolli-Schnelltests für den Einsatz in den Kitas zu organisieren sind. »Das ist in Bürgermeisterdienstversammlungen erörtert worden«, bestätigte Kreissprecher Dirk Wingender. Werden die Tests in den nächsten Tagen geordert, dann trägt das Land die eine Hälfte der Kosten, die andere Hälfte die Kommunen. Für die Eltern sind und bleiben die Tests kostenfrei.

Corona in Kitas: Kreis Gießen ordert Tausende Lolli-Tests

Der Landkreis sammelt für den Bedarf an Tests im Gesundheitsamt bis zum heutigen Freitag die Rückmeldungen aus den Kommunen - und zwar für alle Träger von Kitas. Der Landkreis will dann die Tests in der gewünschten Zahl bestellen und an die Städte und Gemeinden verteilen. Diese wiederum verteilen die Tests weiter an die Kitas vor Ort, beschreibt Wingender das geplante Procedere. Der Kreis werde in Folge mit den Kommunen auf der einen und dem Land auf der anderen Seite abrechnen.

Angesichts der Notwendigkeit von flächendeckenden Tests in Kitas hat das Land dafür rund 16 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Das soll etwa 50 Prozent der tatsächlichen Kosten decken.

Der Landkreis Gießen bekommt dafür rund 461 000 Euro zugewiesen, die Stadt Gießen knapp 227 000 Euro, so eine Mitteilung des Sozialministeriums vom Oktober. Jetzt wurde nachgelegt: »Für Kinder können drei Tests pro Woche abgerechnet werden«, heißt es in einer Mitteilung aus Wiesbaden vom Mittwoch.

Der eine oder andere Kita-Träger hat sich derweil schon auf den Weg gemacht: Die Gemeinde Langgöns etwa will »ihren« Kita-Kindern schnellstmöglich mehrfach in der Woche die Möglichkeit zum Test offerieren. Die Gemeinde sei gerade dabei, dies zu organisieren, hatte der Erste Beigeordnete Hans Noormann am Montag im kommunalen Sozialausschuss dargelegt. Gedacht ist auch da an Lolli-PCR-Tests, die Eltern mit Kindern zu Hause durchführen. Die Idee: Eine Infektion erkennen, bevor das Kind in die Kita kommt.

Corona im Kreis Gießen: Fälle in Kitas - Tägliche Tests

»Testen, um handlungsfähig zu bleiben, das ist das Mittel der Wahl. Testen, Testen, Testen«, sagt auch Dr. Rebecca Neuburger-Hees, bei der Lebenshilfe Gießen Bereichsleiterin für Kindertagesstätten. Die Lebenshilfe betreibt mittlerweile an 13 Standorten Kitas für rund 700 Kinder. Sie hat jetzt schon vorsorglich 1000 Tests bestellt, um umgehend anlassbezogen testen lassen zu können.

Die Mitarbeiterinnen seien überwiegend geimpft, insofern nicht das Problem. Wohl aber Kinder, die womöglich symptomfrei bleiben und übertragen können.

Noch einmal der Blick auf Wettenberg: Die Gemeinde testet das Kita-Personal laut Bürgermeister Thomas Brunner »regelmäßig, nach den neuen Regelungen täglich«. Bei den Tests für Kinder sieht er das Problem eher in der Umsetzung mit dem beschränkten Personalstand. Vorteil Wettenberg: Man habe sich bislang das kompetente Testzentrum in Wißmar zunutze gemacht.

Was aber auch zu beobachten war: Die Aufforderung an die Eltern, nach den Ferien einen negativen Test vorzulegen, ist nicht bei allen auf positive Resonanz gestoßen. Brunner: »Eine Handhabe für eine Verpflichtung haben wir aktuell nicht wirklich.«

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