Ebenso wie Hefte, Bücher oder Mäppchen gehört die Maske mittlerweile zum Schulalltag. Der läuft hierzulande offenbar ganz gut. Unter den gegebenen Umständen, versteht sich.
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Ebenso wie Hefte, Bücher oder Mäppchen gehört die Maske mittlerweile zum Schulalltag. Der läuft hierzulande offenbar ganz gut. Unter den gegebenen Umständen, versteht sich.

Corona

Corona Kreis-Gießen: Fünf Wochen Schule - Angekommen im anderen Alltag

Hygienevorgaben, Einschränkungen im Sport- oder Musikunterricht. Verzicht auf kooperative Lernformen. Der Schulalltag ist heute ein anderer als früher und birgt das eine oder andere Problem.

Hefte, Bücher, Mäppchen. Nicht zu vergessen der Mund-Nasen-Schutz. Wenn Schüler derzeit ihre Taschen packen, gehört er unbedingt hinein. Denn ohne die Maske geht auf dem Schulgelände wenig. Ebenso wie Abstandhalten, Händewaschen oder regelmäßiges Lüften der Räume ist sie Bestandteil der Hygienevorgaben des Kultusministeriums. Deren Umsetzung bedeutet eine Herausforderung für die Betroffenen vor Ort, doch fünf Wochen nach Beginn des neuen Schuljahres sieht die Bilanz überwiegend positiv aus. »Der Regelbetrieb läuft reibungslos«, erklärt Jürgen Vesely, Leiter der Erich-Kästner-Schule (EKS) in Lich auf die Frage, ob die Umsetzung der Corona-Vorgaben Probleme bereitet.

Ganz so positiv beschreibt es nicht jeder Schulleiter, aber die bisherigen Erfahrungen sind eher gut. Unter den gegebenen Umständen, versteht sich. »Ich denke, der Alltag hat sich ein Stück weit eingespielt«, erklärt Jörg Keller, Direktor an der Theo-Koch-Schule (TKS) in Grünberg, der größten »Penne« im Landkreis. »Wenn auch weit ab von dem, was vorher alltäglich war.«

Akzeptanz der Schüler ist da

Zwar sei die Akzeptanz der Schüler insgesamt da, viele trügen im Unterricht sogar freiwillig einen Mund-Nasen-Schutz. Dennoch müsse man immer wieder auf das Einhalten der Abstände oder das Händewaschen bei Betreten des Klassenraums hinweisen. »Am besten bekommen das die Kleinen hin«, sagt Keller und meint damit die Fünft- und Sechstklässler. »Unsere Pubertiere dagegen diskutieren das schon mal aus.«

Dass jüngere Kinder gut mit den Vorgaben klarkommen, melden auch die Grundschulen. »Sie haben schneller als mancher Erwachsener gelernt, sich an die Corona-Spielregeln zu halten«, sagt Jürgen Vesely. »Als hätten sie es nie anders gemacht«, ergänzt Kollegin Cornelia Anthes. Den Grund dafür sieht die Rektorin der Krofdorfer Grundschule darin, dass Kinder weniger reflektieren als Erwachsene. Anthes: »Sie nehmen die Situation einfach, wie sie ist.«

Nicht Singen, keine Gruppenarbeit

Und die ist eben völlig anders als vor der Pandemie, auch was den Unterricht angeht. Kooperative Lernformen wie Gruppenarbeit gehen derzeit eigentlich nicht. Ebenso wenig wie gemeinsames Singen, was das Fach Musik deutlich einschränkt, aber mit Blick auf die Verbreitung der Aerosole notwendig ist. Ein weiteres Thema: der Sport- beziehungsweise Schwimmunterricht. Letzterer findet an der Licher EKS derzeit nur noch mit einer Klasse statt, vor Corona waren es immer zwei. Die Folgen: Die gleiche Anzahl an Kindern zu beschulen dauert nicht nur länger, es bindet auch wesentlich mehr Personal, sagt Vesely und thematisiert damit gleich das nächste Problemfeld der Schulen in der Pandemie: Sie macht mehr Arbeit.

»Das Telefon im Sekretariat klingelt deutlich öfter als früher«, berichtet Alexandra Kuret, Leiterin der Gesamtschule Hungen, mit Blick auf die Zunahme der Eltern-Anrufe. Aber auch Lehrer hätten mehr zu tun, als in der Zeit vor Corona, beispielsweise mit dem Betreuen von Schülern, die vom Präsenzunterricht befreit sind. Kuret: »Es läuft, aber es bedarf eines größeren logistischen Aufwandes und Mehrarbeit für Einzelne.« Ihr Grünberger Kollege spricht von einer »hohen zeitlichen Mehrbelastung«.

Sorge wegen kalter Jahreszeit

Das bereitet Sorge, ebenso wie der Blick auf die bevorstehende kalte Jahreszeit. Zum einen, weil sich dann weniger Möglichkeiten für Aktivitäten im Freien bieten und ein Lüften der Räume wohl nicht mehr im jetzigen Maße möglich sein wird. Zum anderen, weil viele Lehrer unsicher im Umgang mit Erkältungssymptomen sind und früher als sonst zu Hause blieben. »Der Krankenstand ist höher, und es gibt Tage, da sind sämtliche Vertretungskräfte im Einsatz,« sagt die Hungener Gesamtschulleiterin. Und auch Jörg Keller weiß nicht, ob er in diesem Jahr das ihm im Rahmen der »Verlässlichen Schule« zur Verfügung stehende Budget einhalten kann.

Beim staatlichen Schulamt nimmt man die Sorgen der Pädagogen ernst, sieht aber derzeit noch keine Probleme. Zum einen habe das Land Geld für den Umgang mit der Pandemie zur Verfügung gestellt, zum anderen seien die Schulen hierzulande aufgrund ihrer Nähe zur Universität gut mit Vertretungskräften ausgestattet, so der schulfachliche Aufsichtsberater Dr. Arne Hogrefe.

Ein gutes Ergebnis

Mit Blick auf die kalte Jahreszeit gibt er aber zu, dass es bei steigenden Fallzahlen und somit Ausfällen von Lehrern zu Schwierigkeiten in einzelnen Fächern kommen könnte, beispielsweise in Mathe, Physik oder Chemie. Was den Umgang mit Erkältungssymptomen angeht, rät er dazu, genau hinzuschauen und je nach Entwicklung situativ zu entscheiden.

Für die ersten fünf Wochen zieht Hogrefe eine positive Bilanz. Trotz Regelunterricht in Kursen und Klassen seien vergleichsweise wenig Corona-Fälle aufgetreten. »Das sehen wir als gutes Ergebnis.«

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