"Ich wünsche Ihnen alles Gute", sagt Volker Bouffier der 86 Jahre alten Gerda Müller aus Bad Nauheim nach ihrer Impfung. "Danke, ich kann’s gebrauchen", antwortet sie.	FOTO: DPA
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»Ich wünsche Ihnen alles Gute«, sagt Volker Bouffier der 86 Jahre alten Gerda Müller aus Bad Nauheim nach ihrer Impfung. »Danke, ich kann’s gebrauchen«, antwortet sie.

Besuch im Impfzentrum in Heuchelheim

Corona-Impf-Chaos in Hessen: Bouffier schildert eigene Erfahrung

  • vonStefan Schaal
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Ministerpräsident Volker Bouffier hat das Impfzentrum in Heuchelheim besucht. Probleme bei der Terminvergabe werde man beheben, versprach er. Bouffier verriet außerdem, wann er sich selbst impfen lässt.

Hinter Absperrgittern staut sich eine Menschenschlange mit 20 Besuchern vor der Anmeldung, als Ministerpräsident Volker Bouffier die 3000 Quadratmeter große Halle des Impfzentrums in Heuchelheim betritt. Bouffier sucht sofort das Gespräch, er unterhält sich mit einem Mann, der hinten ansteht und einen grünen Jägerhut auf dem Kopf trägt. Aus Gedern sei er angereist, erzählt Werner Langlitz. 91 Jahre ist er alt. Ach, reagiert Bouffier. 91 sei kein Alter. »Da ist noch viel Luft nach oben.« Schlagfertig antwortet der Mann: »Luft? Ja, aber nur wenn ich so mache« - und hebt die eigene Maske um einen Millimeter an.

Meine Frau hat stundenlang versucht, meine Mutter und die Schwiegermutter anzumelden. Sie haben bis heute keinen Termin.

Volker Bouffier

Bouffier hat am Donnerstagmorgen das Impfzentrum in Heuchelheim besucht. Er plauderte mit Menschen, die sich das Vakzin verabreichen ließen, und unterhielt sich mit Ärzten und Organisatoren. Hier, in den Impfzentren, keime die Hoffnung auf, die Pandemie zu besiegen, sagte Bouffier.

Der Ministerpräsident äußerte sich auch zum Chaos bei der Terminvergabe für die Impfungen - und sprach aus eigenen Erfahrungen in der Familie. »Meine Frau hat stundenlang versucht, meine Mutter und die Schwiegermutter anzumelden«, berichtete er. »Sie haben bis heute keinen Termin.«

Bouffier im Impfzentrum Gießen: Bitte um Verständnis

Er verstehe jeden, der sich ärgert, betonte Bouffier. »Aber es gibt kein System der Welt, das nicht zusammenbricht, wenn sich alle gleichzeitig am Rechner oder am Telefon anmelden wollen.« Eine Terminvergabe per Einladungskarte habe man im Vorfeld geplant und auch gewünscht, sagte der Ministerpräsident. Dann aber habe der Bund eine deutschlandweite Telefonnummer für die Anmeldung eingerichtet. »Ich sage Ihnen in aller Offenheit: Das kann einen nicht befriedigen.«

Bouffier versprach, der Dienstleister Ekom21 behebe die Probleme bei der Terminvergabe. Das IT-System werde man allerdings nicht umstellen. »Es wird besser werden, ich bitte um Verständnis.« Geduld sei in den kommenden Wochen indes vor allem aufgrund von Engpässen beim Impfstoff erforderlich. »Wir können ihn nicht herbeizaubern«, sagte der Ministerpräsident. Es gebe Lieferengpässe beim Biontech-Pfizer-Impfstoff aufgrund von Umbauten eines Werks in Belgien.

Impfzentrum in Heuchelheim: Bedarf nach Beratung größer als erwartet

Nordrhein-Westfalen hat vor diesem Hintergrund einen Stopp der Impfungen angeordnet. Dies werde es in Hessen nicht geben, betonte Bouffier. Man lasse die Impfungen stattdessen langsamer angehen. So werden vor allem aus diesem Grund in Heuchelheim derzeit täglich nur 495 Menschen geimpft, logistisch gäbe es dort die Möglichkeit für 1300 Besucher täglich. »Wir werden ohne Pause impfen«, sagte Bouffier. Für die Verabreichung der zweiten Impfungen habe man ausreichend Vakzin vorrätig, versicherte er außerdem.

Bouffier schritt mit seiner Frau durch die Stationen des Impfzentrums. In aller Ruhe tauschte er sich mit Besuchern aus, schaute bei zwei Impfungen zu. »Ich wünsche Ihnen alles Gute«, sagte er der 86 Jahre alten Gerda Müller aus Bad Nauheim, nachdem die Nadel in ihren linken Oberarm eingedrungen war. »Danke, ich kann’s gebrauchen«, antwortete die Frau.

Landrätin Anita Schneider erzählte, dass unter den Besuchern der Bedarf an Beratung mit den Ärzten vor Ort größer und der zeitliche Aufwand daher höher sei als anfangs vorgesehen. Daher stünden nun fünf statt wie am ersten Tag nur drei Ärzte zur Verfügung.

Impfen lasse ich mich erst, wenn ich dran bin.

Volker Bouffier

Gegen Ende seines Rundgangs hatte Bouffier schließlich nach einer Stunde eine persönliche Frage zu beantworten: Wann wird sich denn der Ministerpräsident selbst impfen lassen? In der ganzen Welt zählten politische Repräsentanten zu den ersten, sagte Bouffier. »Um für das Impfen zu werben.« Hierzulande aber werde in solchen Fällen gleich kritisch hinterfragt, warum Politiker ein solches Privileg erhalten. Aufgrund seiner überstandenen Krebserkrankungen zähle er sicher zur Risikogruppe, räumt er ein. Dennoch warte er ab, bis seine Altersgruppe an der Reihe ist, sagte der 69-Jährige. »Impfen lasse ich mich erst, wenn ich dran bin.«

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