In wenigen Tagen könnte ein neuer Impfstoff im Kreis verabreicht werden. Das Land Hessen ist in Besitz von 16 800 Dosen des Vakzins von "Johnson & Johnson". Dies Woche soll bekannt gegeben werden, welche Kreise den Impfstoff erhalten.
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In wenigen Tagen könnte ein neuer Impfstoff im Kreis verabreicht werden. Das Land Hessen ist in Besitz von 16 800 Dosen des Vakzins von »Johnson & Johnson«. Dies Woche soll bekannt gegeben werden, welche Kreise den Impfstoff erhalten.

Pandemie

Corona-Impfungen im Kreis Gießen: Tausende Termine in Gefahr - Problem für Prio-Gruppe 3

  • vonStefan Schaal
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Kommende Woche laufen in den Impfzentren hessenweit in mehreren Landkreisen die Corona-Schutzimpfungen von Menschen der Prioritätsgruppe 3 an. Im Gießener Land hingegen ist noch nicht absehbar, wann die Impfung der Menschen über 70 und 80 Jahren abgeschlossen ist. Mario Binsch, Leiter des Impfzentrums, erklärt die Gründe und macht zudem auf Lieferengpässe beim Vakzin von Astrazeneca aufmerksam, die den Impfprozess deutlich durcheinanderbringen könnten.

Gießen – Lieferengpässe beim Impfstoff von Astrazeneca könnten bereits in den kommenden Tagen Auswirkungen auf Impftermine im Kreis Gießen haben. Darauf hat der Leiter des Impfzentrums des Landkreises in Heuchelheim, Mario Binsch, am Dienstag während einer Sitzung des Impfbeirats hingewiesen.

»Wenn wirklich keine Lieferung kommt«, sagte Binsch, könnte der zur Verfügung stehende Impfstoff in Heuchelheim schon am Donnerstag aufgebraucht sein. Bei einer Telefonkonferenz mit den Leitern der Impfzentren in Hessen am Montag habe der Kollege in Kassel berichtet, dass dort der Impfstoff von Astrazeneca zur Neige gehe und dann 3000 Termine abgesagt werden müssten. Auf die Frage, wie es im Kreis Gießen aussieht, sagte Binsch, es sei unsicher. »Es hängt davon ab, wann die nächste Lieferung kommt.«

Corona-Impfungen: Unwägbarkeiten durch Astrazeneca-Lieferengpässe

Derartige Unwägbarkeiten verhindern auch eine Festlegung, wann im Impfzentrum des Landkreises Gießen regulär mit den Impfungen von Menschen begonnen werden kann, die der Prioritätsstufe 3 zugeordnet werden. Eine Registrierung sei bereits möglich. »Die Impfungen nach den Prioritäten 1 und 2 sind aber noch nicht abgeschlossen.«

In den Impfzentren Frankfurt, Offenbach, Darmstadt und im Odenwaldkreis beginnen Impfungen der Priorität 3 in der kommenden Woche. Vor allem die drei erstgenannten Städte und Kreise hätten ein jüngeres Durchschnittsalter, erklärte Binsch. Diese hätten daher die Impfungen von Menschen, die älter als 80 und 70 Jahre sind, früher abgeschlossen.

In die Prioritätsgruppe 3 fallen neben Personen, die älter als 60 sind, sowie Kräften in Feuerwehren und Rettungsdiensten und Personal in der Strom- und Trinkwasserversorgung auch Mitarbeiter in Verwaltungen. Noch sei unklar, wie innerhalb der Kreisverwaltung eine Reihenfolge festgelegt werde, sagte Landrätin Anita Schneider. Vermutlich würden Risikogruppen bevorzugt, fügte sie hinzu. Ziel sei aber, hessenweit in den Verwaltungen der Landkreise eine einheitliche Vorgehensweise zu finden. Man wolle die Impfung und die Reihenfolge transparent gestalten, »um keinen Unmut in der Bevölkerung auszulösen«, sagte Schneider.

Kreis Gießen: Feuerwehrleute dürfen auf baldige Corona-Impfung hoffen

Zu den ersten Menschen im Kreis Gießen, die innerhalb der Prioritätsstufe 3 geimpft werden, dürften die zahlreichen Feuerwehrkräfte gehören. »Sie kommen bei ihren Einsätzen in Kontakt mit Menschen, auch mit Erkrankten«, sagte Binsch. Der hessische Innenminister Peter Beuth habe die Kreisbrandinspektoren per Erlass gebeten, Listen der impfwilligen Kräfte vorzubereiten. Der Innenminister habe außerdem Sonderimpftermine für Feuerwehren in Aussicht gestellt. »Wir sind vorbereitet«, sagte Binsch. 1812 Feuerwehrleute, 89 Kräfte vom Technischen Hilfswerk (THW) und 350 Helfer vom Deutschen Roten Kreuz, den Johannitern und der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) seien im Kreis Gießen impfwillig, berechtigt und warten nun auf eine Verabreichung des Vakzins.

Voll im Gange sind indes bereits Impfungen in Einrichtungen für Menschen mit Behinderung. In zwei Dritteln der Einrichtungen seien Erstimpfungen durchgeführt, Ziel sei, bis 14. August die Zweitimpfung in allen Einrichtungen abgeschlossen zu haben, sagte Binsch. Sven Germann, der Vorsitzende des Behindertenbeirats, fragte, ob dies nicht früher zu schaffen sei. Binsch wies auf formelle Hürden hin, beispielsweise sei der Aufklärungsbogen für Menschen mit Behinderung in den vergangenen Wochen mehrfach geändert worden. Auch Absprachen mit Eltern und Inhabern der Vormundschaft machen die Vorbereitung der Impfung aufwendig.

Mehr Corona-Impftermine im Kreis Gießen werden nicht wahrgenommen

Binsch macht unterdessen deutlich, dass die Zahl der Menschen, die ihren Termin im Impfzentrum für den Stoff Astrazeneca nicht wahrnehmen, in die Höhe schießt. In den vergangenen drei Wochen habe man 2894 Termine neu und spontan an Kurzentschlossene vergeben, weil Impfdosen von Astrazeneca übrig geblieben waren. »Das ist eine erschreckend hohe Zahl.«

Der Leiter des Impfzentrums berichtete, dass man nach einer Vorgabe des Landes seit zwei Wochen ein Viertel mehr Impftermine vergibt als Impfstoff vorhanden ist, weil ein erheblicher Teil der Termine nicht wahrgenommen wird. »Wenn wir zum Beispiel 1000-mal einen Impfstoff haben, lassen wir über unser Portal 1250 Termine buchen.«

Kreis Gießen: Kein Einblick in Corona-Impfungen bei Hausärzten

Seit Ostern werden Corona-Schutzimpfungen auch in Hausarztpraxen im Kreisgebiet vorgenommen. Dem Landkreis fehlt dabei allerdings der Einblick in Zahlen. Hausärzte bestellen den Impfstoff über Apotheken, Daten übermitteln sie an die Bundeskassenärztliche Vereinigung und dadurch ans Robert-Koch-Institut, nicht aber an den Landkreis. »Es wäre schön, Zahlen zu haben«, sagte die Landrätin. »Auch um zu sehen: Wie weit sind wir denn im Landkreis?« In naher Zukunft sollen derweil auch Betriebsärzte in heimischen Unternehmen Impfungen vornehmen können. Kürzlich ist ein hessenweiter Modellversuch in vier Firmen der Pharmaindustrie gestartet.

In wenigen Tagen könnte außerdem ein neuer Impfstoff im Kreis verabreicht werden. Binsch berichtete, das Land Hessen sei in Besitz von 16 800 Dosen des Vakzins von Johnson & Johnson. Diese Woche soll noch bekannt gegeben werden, wer die Vakzine erhält.

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