Die drei Landesbesten (v. l.) Mohammed Abdella, Marie-Claire Schüller und Alexander Saizew. FOTO: CON
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Die drei Landesbesten (v. l.) Mohammed Abdella, Marie-Claire Schüller und Alexander Saizew. FOTO: CON

Corona führt zu Rückgang bei Ausbildungsverträgen

  • vonConstantin Hoppe
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Gießen(con). "Eine Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen." Dieses Zitat von Max Frisch wählte IHK-Präsident Rainer Schwarz, um über die Ausbildungssituation im Kammerbereich zu informieren und die drei landesbesten Ausbildungsabsolventen aus dem IHK-Bezirk vorzustellen.

Das Jahr stand auch bei der IHK Gießen-Friedberg ganz im Zeichen der Pandemie: Bis zum Stichtag am 30. September konnten 2000 Ausbildungsverträge verzeichnet werden - 16,4 Prozent weniger als im Vorjahr. "Wir wissen alle, dieses Ergebnis ist der Corona-Pandemie geschuldet, die nicht nur für den Arbeits-, sondern auch für den Ausbildungsmarkt eine gewaltige Herausforderung darstellt", sagte Schwarz. Auch auf die Wahl der Ausbildung hatte die Corona-Pandemie Auswirkungen: Gerade in den besonders betroffenen Branchen sind große Rückgänge bei den Verträgen zu verzeichnen. So ist bei der Fachkraft für Veranstaltungstechnik ein Rückgang von 50 Prozent bei den Ausbildungen zu nennen, die Ausbildung für Systemgastronomie ging um 77 Prozent zurück, ebenso stark ist der Rückgang bei den Tourismuskaufleuten. Die Ausbildungszahlen zum Beruf Kaufmann blieben aber nahezu auf Vorjahresniveau.

Und es gibt noch andere gute Nachrichten: "92 Prozent der Betriebe in unserem IHK-Bezirk wollen an ihren Ausbildungsplänen festhalten und 68 Prozent der Auszubildenden waren auch während der Kontaktverbote in ihrem Betrieb oder der Baustelle tätig - nur 2,4 Prozent der Auszubildenden wurden freigestellt", berichtete Schwarz.

Besonders freute sich der IHK-Präsident über die Anwesenheit der drei Landesbesten: Marie-Claire Schüller, Alexander Saizew und Mohammed Abdella schlossen ihre Ausbildung mit Spitzenleistungen ab.

Marie-Claire Schüller aus Grebenhain wählte den Beruf der Packmitteltechnologin. Sie begann die Lehre bei der STI Group in Grebenhain, als das Werk dort geschlossen wurde, wechselte sie zu DS Smith in Fulda.

Starkes Signal

Der 19-jährige Alexander Saizew aus Daubringen absolvierte bei Bosch Thermotechnik in Lollar seine Ausbildung zur Fachkraft für Metalltechnik (Fachrichtung Montagetechnik) und wurde übernommen. Ihm sei zwar von Anfang an klar gewesen, in welchen Betrieb er wollte, aber eigentlich in einen anderen Bereich: "Ich wollte in die Gusstechnik", erzählt Saizew. "Aber da waren alle Ausbildungsplätze belegt. Dann wurde ich gefragt, ob ich mir auch einen anderen Bereich vorstellen könnte, und so kam es dann auch."

Auf Mohammed Abdella kamen in der Lehre besondere Herausforderungen zu: Erst vor fünf Jahren kam der 22-Jährige als Flüchtling aus Eritrea nach Deutschland. Hier lernte er die Sprache, machte den Realschulabschluss und fand eine Ausbildung zum Elektroanlagenmonteur bei ZAUG in Gießen.

Trotz schwieriger Bedingungen beendete er seine Ausbildung mit Bravour: "Ich habe zum Glück viel Unterstützung von dem Betrieb und auch den Lehrern in der Berufsschule erhalten", berichtet Abdella. Mittlerweile arbeitet der Gießener bei MCRT in Heuchelheim. "Mit seinem herausragenden Abschluss setzt er ein starkes Signal für die gesellschaftliche Teilhabe von Geflüchteten", lobt Schwarz.

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