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Das Freibad Gleiberger Land in Krofdorf wird wie viele andere Bäder im Kreis für eine mögliche Öffnung vorbereitet. FOTO: LKL

Freibadsaison

Corona-Folge: Freibäder im Landkreis bleiben zunächst geschlossen

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Normalerweise beginnt im Mai die Freibadsaison, doch in diesem Jahr ist alles anders: Ob und wann die Bäder aufmachen können, ist unklar. Dennoch laufen die Vorbereitungen.

Die Natur blüht auf und die Tage werden merklich länger. Mit dem Mai hat jener Monat begonnen, in dem normalerweise die Freibad-Saison eingeleitet wird. Doch ob und wann in diesem Jahr fröhlich geplantscht werden kann, das steht noch in den Sternen. Eine Situation, die auch für die Schwimmbad-Betreiber hierzulande nicht einfach ist.

"Nach dem, was die Landesregierung bisher veröffentlicht hat, würde ich davon ausgehen, dass bis Ende August gar nichts planbar ist", befürchtet etwa der Pohlheimer Bürgermeister Udo Schöffmann. Trotzdem habe der Freibadverein Holzheim die vorbereitenden Arbeiten bereits erledigt. "Es würde mich freuen, wenn eine positive Wendung eintritt und es anders kommt, als ich vermute", sagt Schöffmann.

Um für etwas mehr Gewissheit zu sorgen, hatte sich die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB) jüngst mit einem Schreiben an die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten der Länder gewendet. Die Bitte: In der Sitzung am 30. April zumindest die grundsätzliche Frage zu beantworten, ob die Freibäder unter das generelle Verbot von Großveranstaltungen bis Ende August fallen. Da aber Antworten am Donnerstag ausblieben, ist die Situation weiterhin ungewiss.

Doch nicht jeder der Verantwortlichen im Kreis sieht die Gemengelage so pessimistisch wie der Pohlheimer Rathauschef Schöffmann. "Wir machen unser Bad jetzt fit für den Sommer, so dass wir jederzeit öffnen können", sagt etwa der Wettenberger Bürgermeister Thomas Brunner. "Die Maßnahmen werden ja immer wieder nachjustiert, das muss man dann beobachten."

Brunner geht zwar nicht davon aus, dass irgendwann ungebremst die Türen geöffnet werden könnten, hält einen "eingeschränkten Betrieb" jedoch für plausibel.

"Als Freibad haben wir eine relativ große offene Fläche, so dass auch Abstands- und Hygienegebote eingehalten werden können", sagt Brunner. "Von daher könnte ich mir vorstellen, dass man Lösungen mit gewissen Regularien findet, wie es sich in anderen Bereichen auch schon abzeichnet". Wenn man das Risiko soweit senke, dass es dem eines Spaziergangs an der Lahn oder einer Radtour in der Wieseck-Aue entspreche, gäbe es für ihn "keinen logischen Grund, wieso man nicht auch einmal einen Tag im Freibad verbringen kann".

Dass in Schwimmbädern durch entsprechende Maßnahmen "vergleichbar gute Voraussetzungen" geschaffen werden könnten, "um mit angepasstem Nutzerverhalten Sport- und Freizeitaktivitäten zu ermöglichen", meint auch die Bäder-Gesellschaft. Sie hat einen "Pandemieplan Bäder" erarbeitet und beruft sich auf die Aussage des Bundesumweltamtes von Mitte März, nach der Viren im Badewasser durch das Chlor sicher abgetötet werden.

Aus ihrer Sicht ergibt eine Öffnung der Freibäder für die Betreiber jedoch nur Sinn, wenn sie vor den Sommerferien, also spätestens Ende Juni, stattfinden kann.

Zwar ist ein Teil der laufenden Kosten in den Freibädern nutzungsunabhängig und müsste weiter gezahlt werden. Einen Teil könnte man jedoch auch einsparen. Ein Blick auf die Berechnungen des Hungener Bürgermeisters Rainer Wengorsch zeigt, dass der wirtschaftliche Schaden überschaubar wäre, sollte das Schwimmbad, wie er befürchtet, 2020 gar nicht öffnen können. Zwar würde das Defizit am Ende des Jahres bei 290 000 Euro liegen, sagt Wengorsch, doch auch in den anderen Jahren seien es etwa 250 000 Euro gewesen.

Ähnlich sehen es seine Kollegen aus anderen Kreisgemeinden. "Ein Freibad ist ohnehin ein ziemlicher Zuschuss-Betrieb", sagt Wettenbergs Rathauschef Brunner. "Der Ausfall der Einnahmen würde die Gemeinde daher nicht vor ganz große Probleme stellen." Ein Teil der Fixkosten falle zudem für die Mitarbeiter an. Und die könne man schließlich für die Zeit der Schließung auch mit anderen Arbeiten im Bereich des Betriebshofes beschäftigen - Überlegungen, die auch Wengorsch teilt.

Sorgen aber, sagt Reiskirchens Bürgermeister Dietmar Kromm, mache er sich um die Betreiber des Kiosk. Während der wirtschaftliche Schaden für die Kommune nicht dramatisch sei, seien die Kiosk-Inhaber auf den Publikumsverkehr im Freibad angewiesen. Das restliche Personal wird in Reiskirchen von einem externen Dienstleister gestellt. Dessen Geschäftsführer Alexander Schmeh gibt an, mit genauso viel Personal zu planen wie sonst. Er arbeitet aktuell an einem Hygieneplan und einem Öffnungszeiten-Konzept. Beides soll demnächst dem Gemeindevorstand vorgelegt werden.

Schmehs Planungen sehen ein Schichtsystem vor, nach dem eine begrenzte Anzahl an Besuchern für eine begrenzte Zeit ins Bad darf. Anschließend soll das Bad etwa für eine Stunde schließen, damit alles desinfiziert werden kann, bevor die nächsten Besucher kommen. Zum 1. Juni, sagt Schmeh, soll das Bad betriebsbereit sein.

Sollten Freibadöffnungen wieder möglich werden, hält Pohlheims Bürgermeister Schöffmann Absprachen zwischen den Kommunen für essenziell. "Es ergibt keinen Sinn, wenn der eine aufmacht und der andere nicht, weil sich dann gegebenenfalls der Besucherandrang sogar noch auf das geöffnete Freibad verlagert", sagt er. "Wir werden das Ganze im Landkreis besprechen, um einheitliche Regelungen zu bekommen." Bevor man Beschlüsse treffe, wolle man jedoch die Entwicklung der Pandemie abwarten.

Wie sich die Lage auch entwickelt, eines dürfte sicher sein: Sollte es eine Freibad-Saison 2020 geben, wird sie ganz anders sein als alle zuvor. Denkbar wäre etwa, dass man die Konzepte zunächst ausschließlich auf den Schwimmbetrieb ausrichtet und den Freizeitaspekt hinten anstellt, wie es die FDP in Linden kürzlich in Bezug auf das städtische Freibad gefordert hatte. Das vergnügte Plantschen mit Freunden scheint also noch in weiter Ferne.

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