Stabwechsel bei der Tafel: Vorn der neue Koordinator Tobias Lux, flankiert von den Vorgängerinnen Bettina Wege-Lemp (l.) und Barbara Alt sowie Diakonie-Chef Holger Claes. FOTO:TB
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Stabwechsel bei der Tafel: Vorn der neue Koordinator Tobias Lux, flankiert von den Vorgängerinnen Bettina Wege-Lemp (l.) und Barbara Alt sowie Diakonie-Chef Holger Claes. FOTO:TB

Corona nur eine Herausforderung

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Grünberg/Hungen(tb). "Ich empfinde Freude, aber auch ein bisschen persönliche Trauer" - für Holger Claes, Leiter des Diakonischen Werks Gießen (DW), war der Termin in Grünberg mit gemischten Gefühlen verbunden. Im Begegnungszentrum "SofA" stellte er soeben mit Tobias Lux nicht nur den neuen Koordinator der Tafeln in Grünberg und Hungen vor. Zugleich galt es, Abschied zu nehmen von den Vorgängerinnen: Bettina Wege-Lemp (Grünberg), die bereits im Ruhestand ist, sowie Barbara Alt (Hungen), die ihr zum Jahresende folgt.

715 Kunden in vier Ausgabestellen

Mit dem Eintritt des "Urgrünbergers" Tobias Lux verbunden ist somit eine neue "Kombi-Lösung", wird doch die Organisation der Tafeln - inklusive der Filialen in Laubach und Lich versorgen sie 715 Menschen - in einer Hand zusammengeführt.

Claes erinnerte an die Vorreiterrolle des Ostkreises, wurde doch 2005 auf Initiative von Bereichsleiterin Ariane Brinks in Grünberg die hessenweit erste Tafel der Diakonie eröffnet. Als Domizil diente ein früheres Fischgeschäft. Erst Jahre später konnte Wege-Lemp, ab 2006 Brinks’ Nachfolgerin, den Umzug in angemessene Räume verkünden.

Kurz nach Grünberg war auch Hungen am Start, dort auf Initiative von Dekanin Barbara Alt, allerdings in Trägerschaft der evangelischen Gemeinde. So blieb es auch bis Ende 2019, als der Übergang auf die Diakonie vereinbart wurde - dies ob des nahenden Ruhestands von Alt, des Wegfalls ihrer halben Pfarrstelle und der Synergieeffekte.

Das Anforderungsprofil für die 30-Stunden-Stelle eines gemeinsamen Koordinators umriss Claes wie folgt: "Wir haben jemanden gesucht, der mit Menschen umgehen kann und ein Gespür für die Tafel-Arbeit hat." In Lux (52) wurde man fündig. Dieser kann auf 20 Jahre Selbstständigkeit mit einer Werbeagentur und einige Jahre als Büroleiter von MdL Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) zurückblicken, engagiert sich seit Langem in der Kommunalpolitik. Von daher sei er kreisweit gut vernetzt, vertraut mit der Ehrenamtsarbeit und dem Wirken der Tafeln.

Lux: "Es ist schade, dass es das System geben muss, doch der Bedarf ist nun mal da. Es werden weniger Lebensmittel vernichtet. Vor allem wird Menschen geholfen. Dafür Verantwortung zu übernehmen, erachte ich als sehr reizvoll."

Die Organisation der Abläufe unter den Vorzeichen der Pandemie ist dabei nur eine Herausforderung. Zu den vordringlichen Aufgaben rechnet Lux gerade auch die Motivation der Helfer sowie Gespräche mit Lieferanten und Sponsoren. Denn: "Die Ehrenamt- lichen sind ein großes Pfund, aber ohne finanzielle Unterstützung geht es nicht." In diesem Sinne äußerte sich auch Wege-Lemp. Die treibt vor allem um, ob die Tafel ihre Aufgaben weiter erfüllen kann, sofern in Zeiten von Corona und Wirtschaftskrise die Spenden weniger, dafür die Kunden mehr würden.

Andere und drängendere Sorgen haben die Hungener: Ob der Abstandsregeln sind die Räume am "Zwenger" zu klein, musste man auf 14-tägige Ausgabe umstellen. Gesucht werden daher mittelfristig eine neue Unterkunft und kurzfristig weitere Helfer.

Dass insbesondere die Abstandsregeln ein Problem sind, hakte hier Claes ein. Die Gießener Tafel habe bereits für zwei von fünf Ausgabestellen neue Räume beziehen müssen. Abseits von Corona sprach er eine Sorge der Tafeln bundesweit an. "Was ist, wenn die Einstiegsgeneration, weil zu alt, wegbleibt?" Hinzu komme das stete Risiko der Unterfinanzierung. Trotz Sponsoren müsse man so für einen Kühlwagen 50 000 Euro hinblättern. Grundsätzlich verteidigte der Gießener DW-Chef die Tafeln gegen die Kritik, diese würden Pflichtaufgaben des Staates übernehmen: Sehr wohl sieht auch Claes die Sozialgesetzgebung gefordert, seien doch die Sätze zu niedrig. Aber: "Die Tafeln sehen sich ja als armutsmindernder, nicht -beseitigender Dienst. Sie tun etwas, damit Arme wenigstens etwas mehr tun können."

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Die Tafeln im Ostkreis suchen ehrenamtliche Helfer: Kontakt in Hungen: Tel. 01 63/7 81 91 63, in Grünberg: 01 60/92 69 11 84, Mail: tobias.lux@diakonie-giessen.de

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