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Vom Virus in den Dornröschenschlaf geküsst: die Schäferwagenherberge in Nonnenroth. FOTO: TB

Schäferwagenherberge

Corona: Buchungen für Schäferwagenherberge in Hungen bis Mitte Mai abgesagt

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Eigentlich sollten jetzt die ersten Übernachtungsgäste in die Schäferwagenherberge in Nonnenroth kommen. Doch die Corona-Pandemie hat auch vor dem Leuchtturmprojekt nicht Halt gemacht.

Vier Jahre vergingen von der Idee bis zur Umsetzung. Aus einem zunächst nicht ganz ernst gemeinten Gedanken war in dieser Zeit ein überzeugendes Projekt geworden. Eines mit Leuchtturmcharakter für die ganze Region, das zudem perfekt ins touristische Konzept der Schäferstadt Hungen passt. 2018 wurde am 1. Mai die Schäferwagenherberge in Nonnenroth eröffnet, schon damals war die Nachfrage gewaltig. 572 Übernachtungen hatten die Nonnenröther im ersten Jahr, im zweiten nochmal 100 mehr. Für 2020 sah es ebenso gut aus. Doch wegen der Corona-Pandemie blieb der Saisonstart bisher aus.

"Wir waren dermaßen gut gebucht", sagt Ortsvorsteher und Kirchenvorstand Werner Leipold, einer der Hauptverantwortlichen für das Übernachtungsangebot am Ortsrand. "Bis in den September hinein gab es kaum ein Wochenende, für das wir keine Übernachtungen hatten", so Leipold.

Eigentlich hätte die Kirchengemeinde als Betreiber der Schäferwagenherberge, die aus EU-Fördermitteln und städtischem Geld finanziert wurde, im April wieder eröffnet. Doch wegen Corona wurde daraus nichts. Lediglich die Jagdpächter hatten im Januar auf der Anlage übernachtet. Seit dem stehen die sechs Wagen leer.

"Bis 17. Mai haben wir allen Gästen abgesagt", berichtet Leipold. Ob es dann weitergehen kann, hängt von den weiteren Entscheidungen auf Bund- und Landesebene ab. "Wir hoffen es", sagt der Ortsvorsteher. Allerdings hält er nichts von unüberlegtem Aktionismus. "Wir sollten die Herbergen nicht auf Biegen und Brechen wieder öffnen", findet Leipold, der in diesem Punkt auf die Vernunft der Politiker setzt.

Allerdings drückt in Nonnenroth auch kein finanzieller Schuh. Die 300 Euro Miete, die die Kirchengemeinde der Stadt Hungen monatlich zahlt und damit quasi ihren Anteil an den Gesamtkosten über zwölf Jahre abstottert, wurden zunächst für April und Mai ausgesetzt. Auch die beiden Reinigungskräfte, die das Areal in Schuss halten, bereiten den Betreibern keine Sorgen. "Sie werden nach Leistung bezahlt", sagt Leipold. Und wenn nichts sauber zu machen ist, fließt eben kein Geld.

Boulebahn kommt

Aber auch wenn derzeit keine Gäste zu beherbergen sind, gibt es für die Ehrenamtlichen, die sich vor Ort kümmern, einiges zu tun. "Wir nutzen die Gelegenheit, um alles fertig zu machen", sagt Leipold. So hatten die Nonnenröther jüngst einen Wegweiser aus Holz gefertigt und angebracht, der jetzt inmitten der zahlreichen Obstbäume steht. In welche Richtung der Kinderspielplatz liegt, ist dort zu lesen, und wo die Schlösser Hungen und Laubach. Und natürlich haben die Macher auch an einen Hinweis auf die Skulpturen der weißrussischen Künstler gedacht.

"Jetzt ist alles bereit", sagt Leipold und dennoch nicht alles getan. Denn Leipold, Pfarrer Hartmut Lemp und die anderen Ehrenamtlichen haben noch andere Ideen. Sobald wie möglich soll eine Boulebahn auf dem Gelände gebaut werden, für die gerade die Planungen laufen. 15 Meter lang und 4,50 Meter breit soll sie werden und turniertauglich sein. Denn vorgesehen ist, die Anlage künftig ganz bewusst in das touristische Angebot einzubeziehen und Turniere mit Übernachtungen im Paket anzubieten, berichtet Leipold.

Aber nicht nur die Gäste sollen profitieren, auch die Dorfbewohner. Immerhin würde eine Boulebahn nicht nur die Attraktivität der Anlage steigern, sondern auch das sportliche Angebot vor Ort erweitern. Leipold kann sich gut vorstellen, dass beispielsweise der Sportverein in Nonnenroth künftig Kreismeisterschaften im Boulespiel austrägt.

Ganz neu ist die Idee nicht. Bereits im Rahmen der Planungen für die Herberge gab es Überlegungen für eine solche Bahn, sagt Leipold. Was die Kosten angeht, so hatte der Investor des neuen Baugebietes das Dorf mit einer Spende bedacht, außerdem Hilfe bei den Erdarbeiten zugesagt. Leipold: Ich denke, dass man das Projekt mit wenig Aufwand realisieren kann."

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