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Die Übergabe des Fahrzeugs mit Umweltmanagerin Susanne Müller (l.) von Tina Krieger und Henning Frombeck (r.) an die Gemeinde Langgöns, vertreten durch Bürgermeister Marius Reusch.

Carsharing auf dem Lande

  • Patrick Dehnhardt
    VonPatrick Dehnhardt
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Carsharing auf dem Lande klingt wie Eulen nach Athen tragen. In Langgöns startet nun ein Angebot, welches dennoch von Erfolg gekrönt sein könnte: Dort kann ein Kleinbus ausgeliehen werden.

Auf dem Land sind viele auf das Auto angewiesen. Je weiter man vom Kernort oder dem nächsten Bahnhaltepunkt entfernt wohnt, desto unattraktiver wird es, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit zu fahren - denn die Umsteige-, Warte- und Fahrtzeiten werden länger und länger, zudem sind vielerorts stündliche Verbindungen das höchste der Gefühle. Da wundert es nicht, dass die meisten Familien auf dem Dorf ein Auto besitzen.

In Langgöns startet nun ein Carsharing - mit einem Angebot, das auch für Autobesitzer interessant ist. Denn statt einem Kleinwagen steht ab sofort ein Opel Movano zur Ausleihe bereit. Es handelt sich um einen Neunsitzer mit ordentlich Laderaum.

Fahrzeug via App buchen und öffnen

Anbieter ist die Firma »mikar« aus Deggendorf. Tina Krieger hatte das Konzept des Unternehmens, welches auf kommunales Carsharing in kleineren Kommunen spezialisiert ist, im Juli im Langgönser Verkehrausschuss vorgestellt. Damals riet sie dazu, statt einem Kleinwagen solch einen Bus zu wählen. Aus zahlreichen weiteren Projekten habe »mikar« die Erfahrung gesammelt, dass das klassische Carsharing in einem Ort, wo jeder ein Auto besitzt, uninteressant sei. Wenn da jedoch ein Bus stehe, der für den Großeinkauf, den Vereinsausflug oder sogar den Familienurlaub ausgeliehen werden kann, sei das Interesse groß.

Vor nicht einmal vier Monaten hatten die Gemeindevertreter dem Vertrag mit »mikar« - einziger Bewerber - zugestimmt, nun ist das Fahrzeug bereits einsatzbereit. Am Donnerstag rollte es auf den Hof der Verwaltung. Dank zahlreicher Sponsoren aus der heimischen Wirtschaft muss die Gemeinde für das Carsharing-Angebot keinen Cent zahlen. Bürgermeister Marius Reusch freute sich, »dass das Projekt so zeitnah umgesetzt werden konnte«. In den vergangenen Wochen habe es bereits zahlreiche Anfragen zu dem Fahrzeug gegeben. »Ich bin nun gespannt, wie gut es genutzt wird.«

Krieger erklärte, wie die Ausleihe funktioniert. Nutzer laden eine App herunter und müssen einmalig - im Rathaus oder via E-Mail - ihren Führerschein vorzeigen. Dann können sie den Bus für einen Termin »in den nächsten vier Jahren« buchen. Am Rathaus steht der Bus rund um die Uhr zur Abholung bereit. Er lässt sich mittels der App öffnen.

»mikar« erhebt von Nutzern keine monatliche Grundgebühr. Bezahlt werden nur die tatsächlichen Nutzungsstunden oder -tage. Pro Buchung sind 300 Kilometer frei. Bei der Rückgabe muss das Auto vollgetankt am Rathaus abgestellt werden. Zudem lassen sich etwaige Schrammen via App melden. »Wir haben eine spezielle Carsharing-Versicherung, da muss sich keiner Sorgen machen.«

Das Fahrzeug ist in der Nutzung nicht auf das Gemeindegebiet beschränkt. »Manche fahren damit in den Familienurlaub nach Kroatien«, sagte Krieger.

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