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Der Busecker, das geliehene Radio und die deutsch-deutsche Freundschaft

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Die Bilder sind noch heute allzu präsent: Vor 30 Jahren wurde 4000 DDR-Bürgern, die Zuflucht in der Botschaft in Prag gesucht hatten, die Ausreisegenehmigung mitgeteilt. Mit Sonderzügen kamen sie auch nach Gießen und wurden im dortigen Notaufnahmelager untergebracht. Weil die Kapazität dort aber zu gering war, kamen viele übergangsweise in militärische Unterkünfte der Steubenkaserne.

Der Busecker Jürgen Marschinke war damals als Soldat dort stationiert. Eines Tages wurde er von einem der DDR-Bürger angesprochen und gebeten, ein Radiogerät mitzubringen, um die Gäste in den Baracken mit Informationen zu versorgen. Auch Manfred Lindhorst war mit seiner Familie hier angekommen, nachdem er in Prag den Zaun zur Deutschen Botschaft überstiegen hatte. Obwohl Jürgen Marschinke nicht daran glaubte, das Radio wieder zurückzubekommen, überließ er es seinerzeit Manfred Lindhorst. Die in der Steubenkaserne untergebrachten Gäste wurden im Laufe der folgenden Wochen auf umliegende Wohnungen und Unterkünfte im Landkreis verteilt.

Als die Familie Lindhorst die Steubenkaserne verlassen konnte, gab Manfred Lindhorst das geliehene Radio unversehrt zurück und bedankte sich für die freundschaftliche Geste. Beide Männer blieben auch nach dem Auszug aus der Kaserne mit ihren Familien in Kontakt. Die Familie Lindhorst zog später nach Buseck und etablierte sich hervorragend in Gemeinde, Beruf und Vereinsleben. Die Freundschaft, die vor drei Jahrzehnten begründet wurde, ist noch heute erhalten.

Das nebenstehende Foto ging seinerzeit um die Welt - etwa als Titelseite des US-amerikanischen Magazins Newsweek. Es zeigt Lindhorst beim Übersteigen des Zaunes zur Deutschen Botschaft. Er schenkte es später Jürgen Marschinke als Erinnerung an eine wunderbare Freundschaft. (pm/Foto: pm)

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