Die "Hausfrauen-Turnstunde" von 1962 mit Willy Czech in der Mitte. REPROFOTO: SIW
+
Die "Hausfrauen-Turnstunde" von 1962 mit Willy Czech in der Mitte. REPROFOTO: SIW

Wurzeln reichen bis ins 19. Jahrhundert

  • vonSiglinde Wagner
    schließen

Buseck(siw). Nur fünf Monate nach Kriegsende, am 10. Oktober 1945, wurde in der Gastwirtschaft von Rudolf Lenz der Sportverein (SV) Beuern von 64 Sportinteressierten gegründet. Das 75-jährige Jubiläum sollte im Juni gefeiert werden. Die Planungen für das Festwochenende befanden sich auf der Zielgeraden, dann kam Corona. Wann die Feier nachgeholt werden kann, ist noch völlig offen.

Für die Chronik für ein begehbares Festbuch, das auf Tafeln im kleinen Saal der Willy-Czech-Halle präsentiert werden sollte, waren die ehemaligen Vorstände Walter Czech, Walter Otto und Manfred Noske tief in die Vereinsgeschichte eingetaucht. Hierauf basiert der nachfolgende historische Bericht.

Turnen anfangs im Saalbau

Der Überlieferung nach, gab es schon Ende des 19. Jahrhunderts einen Sportverein in Beuern, der nach Aussagen eines Zeitzeugen bis etwa 1908 bestand und der Deutschen Turnerschaft angehörte. Man frönte weiter dem Turnen und gründete im gleichen Jahr die "Freie Turnerschaft". Dabei handelte es sich um einen Arbeiter-Turnverein.

Der während des 1. Weltkrieges eingestellte Turnbetrieb wurde 1919 im Saal der Gastwirtschaft Germania in der Untergasse wieder aufgenommen. 1925 wurde die "Deutsche Turnerschaft" erneut gegründet. Jetzt wurde der Pfarrsaal zur Trainingsstätte und zum Vereinslokal die heutige Alte Post, damals Fünfhäuser Hof. Zum Zeichen wurden die vier F ("Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei"), als Vereinsfarben wurde Grün-Weiß festgelegt.

Mangels Sportstätten wurde Leichtathletik in Gärten von Mitgliedern betrieben, Handball auf der Mönchwiese gespielt. Der schön gelegene Waldsportplatz wurde 1928/29 in Eigenleistung gebaut. Die gleichen Sportler legten auch Hand beim Bau des ersten Schwimmbads im Landkreis in der Michelbach an.

Der 2. Weltkrieg hatte wieder die Einstellung des Turn- und Sportbetriebs zur Folge. Umso bemerkenswerter ist das Datum der Neugründung des SV Beuern: 10. Oktober 1945. Die Heimatvertriebenen fügten sich in den neuen Verein ein und übernahmen auch sofort Verantwortung.

So hatte Willy Czech, Namensgeber der späteren Sporthalle, von 1946 bis zu seinem Tod in 1987 das Amt des Turnwartes inne. Im Vereinslokal Lenz wurde im angeschlossenen Saal mit bescheidenen Geräten geturnt. In der Anfangszeit wechselten die Vorsitzenden häufig. Bis heute gab es 15 Erste und Zweite Vorsitzende.

Bedingt durch den Waldsportplatz und den inzwischen etablierten Handball-Mannschaften wurden Erfolge auf Kreisebene eingefahren. Willy Czech sorgte dafür, dass Kinder und Jugendliche das Schwimmen erlernten. Er gründete den Stützpunkt der DLRG und stellte die Arbeit auf rechtliche Füße.

Nun gab es Sportler, die das Tischtennis-Spiel einführen wollten. Doch wo spielen? Albert Ranft stellte seinen Saal im Fünfhäuser Hof zur Verfügung. Dort wurde auf einer Platte gespielt - heute sind es 16. 1957 musste der Übungsraum Saalbau Lenz geräumt werden, man zog über den Pfarrsaal in den Holländischen Hof um.

Walter Otto wurde 1960 als 25-Jähriger zum 1. Vorsitzenden des SV Beuern gewählt. 1962 wurde der SV in TSV Beuern umbenannt. Ein neuer Sportplatz für den Sportbetrieb (Fußball, Handball, Leichtathletik) wurde 1969 freigegeben.

Nun musste noch ein Sportheim her. Dieses wurde in Eigenleistung unter der Bauleitung von Walter Otto (er hat auch die Planung durchgeführt) und mit Unterstützung der Gemeinde Beuern erstellt. Nun gab es einen Übungsraum für alle Abteilungen. Turnen, Tischtennis und Gymnastik wurden möglich, die Raumhöhe ließ selbst Trampolin-Turnen zu.

Der Beschluss zum Bau einer Sporthalle in Beuern aus dem Jahr 1977 wurde 1988 von der Gemeindevertretung der Gesamtgemeinde Buseck neu aufgenommen. Nun wurde es amtlich: Im April 1990 konnte Bürgermeister Walter Kühn den ersten Spatenstich ausführen. Am 11. Mai 1992 wurde die Willy-Czech-Halle eingeweiht. Die verbesserten Rahmenbedingungen bescherten dem TSV Beuern einen erfreulichen Mitgliederaufschwung.

Neben den etablierten Frauen-Gymnastikgruppen wuchs der Bedarf an Fitness-Angeboten für Männer. Rolf Walther gründete eine neue Gruppe, die nach der gesundheitsorientierten Gymnastik in der Halle Volleyball spielt. Für den Sommer wurde später - wiederum in Eigenleistung - ein Beach-Volleyball-Feld gebaut.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare