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Das Interesse der Bürger an der Ortsbeiratssitzung ist groß. FOTO: CON

Widerstand gegen "Wiesecker"

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Buseck(con). "Hatten wir vor drei Jahren nicht schon einmal genau gegen diese Planungen entschieden? Warum steht das schon wieder an?" Diese Fragen im Ortsbeirat Alten-Buseck dürfte wohl genau die Meinung der zahlreichen Bürger erfassen, die am Donnerstag die Sitzung verfolgten. Es ging um die geplante Erweiterung der Werkzeugvermietung Wie- secker.

Diese hat die an ihr Firmengelände angrenzenden Grundstücke in Richtung Osten erworben, um hier weitere Lagerhallen zu schaffen. Die Anwohner der Straße Am Rinnerborn, hinter deren Grundstücken die Hallen entstehen würden, sind deshalb besorgt; eine Bürgerinitiative gegen das Projekt hat sich formiert. "Im Norden die Verkehrsachse mit einem täglichen Aufkommen von 12 000 bis 15 000 Autos und im Süden dann in recht geringem Abstand eine Mauer, dreimal so hoch wie die Berliner Mauer und genauso wenig durchlässig", sagte Ulrich Peter Nass in einer Sitzungspause des Ortsbeirats. "Die Mauer hätte eine Länge von 90 Metern und wäre mit Aufschüttung etwa 10 bis 13 Meter hoch - das ist einfach unmenschlich, was hier passieren soll."

Die Pläne sind nicht neu, standen bereits vor drei Jahren zur Debatte. Damals wurden sie vom Ortsbeirat einstimmig abgelehnt. Auch die Gemeindevertretung folgte dieser Empfehlung. Warum jetzt erneut darüber diskutiert wird, ist für die Mitglieder der BI unverständlich. "Es geht hier um unser Dorf - stoppen Sie bitte alle Versuche der Firma Wiesecker, zu wachsen, egal, in welche Richtung!", richtete Nass einen Apell an die Politik.

Daneben kam die Frage auf, wie der Inhaber der Wiesecker Werkzeugvermietung anscheinend bereits alle benötigten Grundstücke erwerben konnte, obwohl das Projekt vor drei Jahren bereits einmal verhindert werden konnte. "Hat die Gemeinde hier nicht von ihrem Vorkaufsrecht gebrauch gemacht?", fragte Nass in Richtung des anwesenden Bürgermeisters, der jedoch eine Antwort schuldig blieb.

"Mittlerweile wurden hier vonseiten der Wiesecker Werkzeugvermietung die Planungen von vor drei Jahren nachgebessert. Die Aufschüttung soll statt 5 Meter nur noch 2,41 Meter betragen und durch unterschiedliche Hallenhöhen soll nicht mehr der Eindruck einer durchgehenden Mauer erzeugt werden", erklärte Bürgermeister Dirk Haas. Die BI quittierte diese Erklärung mit Lachen.

"Auch die Firma hat einen Anspruch darauf, dass sie an dem heutigen Standort Erweiterungen vornehmen darf", sagte Haas. In vorhergehenden Gesprächen wurde der Wiesecker Werkzeugvermietung auch ein Grundstück im Gewerbegebiet Flößerweg angeboten. Ein Vorschlag, auf den Inhaber Udo Heinrich allerdings nicht einging, wie Haas weiter berichtete: "Eine Firma mit zwei Standorten ist eben deutlich komplexer zu führen, als nur ein Standort." Nicht vergessen dürfe man zudem, dass die Firma auch Arbeitsplätze und Steuereinnahmen für die Gemeinde bringe.

Unklar blieb den Anwesenden, warum die geplanten Hallen so dicht an der Wohnbebauung entstehen sollen - denn auch im südlichen Bereich der Fläche wäre Platz vorhanden. Die Mitglieder der BI zeigten sich mit der Gesamtsituation unzufrieden. Mehrere Zwischenrufe störten den Sitzungsverlauf, ein BI-Mitglied bezichtigte gar alle Beteiligten an dem geplanten Projekt als Lügner. Die Entscheidung des Ortsbeirats wiederum sorgte für Applaus: Der Antrag wurde hier einstimmig abgelehnt.

Trotzdem richtete der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Norbert Weigelt, zum Abschluss noch einmal sein Wort an die versammelten BI-Mitglieder: "Ich möchte hier eine Lanze für die ehrenamtlichen Kommunalpolitiker brechen. Diese müssen die Chance haben, ohne Zwischenrufe oder Lügenbezichtigungen ihre Arbeit zu machen. Man merkt deutlich, dass auch in Buseck der Umgangston rauer geworden ist. Das empfand ich hier heute als sehr grenzwertig."

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