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Manche Welpen sind schüchtern, andere echte Rabauken.

Hundebabys

In der Welpengruppe in Dorf-Güll lernen Besitzer, wie ihr Hund tickt

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Jeder Hund hat einen eigenen Charakter - und nicht jeder mag Leckerli als Belohnung. In Dorf-Güll lernen Besitzer, wie ihr Welpe tickt.

Wenn die angeleinten Welpen mit ihren Frauchen und Herrchen am Tor warten, dann ist das ein Bild, das an den ersten Schultag erinnert: Die einen Welpen sitzen dicht bei ihren Besitzern, blicken schüchtern umher. Die anderen sind aufgeregt, so viele andere Hunde zu sehen, wollen spielen und toben. Pia Groß und Uta Klesse kennen das gut: Sie leiten die Hundewelpengruppe in Dorf-Güll.

Jene Welpengruppe ist weit mehr als eine Möglichkeit zum Herumtollen. "Es ist eine Ausbildungsform", sagt Groß. Dabei geht es nicht unbedingt darum, den Hunden "Sitz und "Platz" beizubringen. Vielmehr sollen die Besitzer ihren Welpen verstehen lernen, den Charakter entdecken und herausfinden, wie sie ihm etwas beibringen können.

Welpen lernen, mit Frust umzugehen

Hinter dem Tor wartet ein eingezäuntes Gelände, auf dem die Welpen ohne Gefahr herumtoben könnten. Das erkennen die jungen Hunde auch auf den ersten Blick. Doch zunächst müssen sie geduldig sein: Groß und Klesse beantworten die Fragen der Besitzer, die seit dem letzten Treffen aufgekommen sind. Dann wird die heutige Übungseinheit erklärt.

Diese Geduldsprobe für die Welpen ist bereits der erste Teil des Trainings. "Die dürfen nicht direkt Halligalli machen", sagt Groß. Stattdessen lernen sie, mit dem Frust umzugehen, dass sie nicht sofort bekommen, was sie wollen. Eine Lektion, die ihnen das ganze Leben nützt.

Ausbildung in Hundepsychotherapie

Groß leitet bereits seit einigen Jahren die "hundebuntewelt". Alles begann mit einer Hundepension. Schnell merkte sie, dass sie das Verhalten der Tiere sehr interessiert. Zahlreiche Fortbildungen folgten, unter anderem ein Studium am Canis-Zentrum für Kynologie. Derzeit absolvieren Groß und Klesse ein Aufbaustudium in Hundepsychotherapie bei "dogument". Klesse ist Tierärztin, mit Interessenschwerpunkt "Verhalten". Aus der Hundepension wurde eine Hundeschule, 2013 folgte die erste Welpengruppe.

Die Erziehung und gelernten Verhaltensmuster der ersten Monate bleiben ein Leben lang prägend. So soll bereits der Welpe lernen, dass der Mensch für seine Sicherheit sorgt. Wenn etwa ein anderer Welpe ihn ärgert, soll er zu seinem Menschen laufen. Dieser beschützt ihn dann. "Der Hund lernt dadurch: Wenn ich Probleme habe, gehe ich zu meinem Menschen", erklärt Groß.

Jeder Hund lernt anders

Diesmal dreht sich die Übung um das Thema "Wie lernt mein Hund?". Wenn der Hund das macht, was er soll - zum Beispiel Sitz - wird er dafür belohnt. Zunächst liegt da die Vermutung nahe: Wenn er etwas gut gemacht hat, gibt es ein Leckerli. Ganz so einfach ist das aber nicht, sagt Groß. "Wenn sie ein Kleinkind loben, dass es aufs Töpfchen geht, freut es sich. Machen sie das aber bei einer Jugendlichen, fragt die sich, was mit ihnen los ist." Genauso ist das beim Belohnen von Hunden. Nicht in jeder Situation passt ein Leckerli. Zudem will nicht jeder Hund eines: Manche freuen sich viel mehr über eine andere Form der Belohnung, etwa das sie auf etwas draufspringen dürfen oder Frauchen und Herrchen mit ihnen herumtoben. "Es gibt da kein Standardrezept", sagt Klesse.

Mit der Welpengruppe - Einstieg ist je nach Entwicklung zwischen der 10. und 13. Lebenswoche - ist die Hundeerziehung allerdings noch nicht beendet. "Bei einem Kind hört die ja auch nicht mit zehn Jahren auf", sagt Groß. Darum gibt es eine Junghundegruppe für Welpen zwischen vier und sechs Monaten sowie eine weitere Gruppe für Hunde zwischen sechs und neun Monaten. Thema ist dabei auch die Körpersprache des Menschen, mit der er den Hund ohne ausgesprochene Kommandos leiten kann.

Von dieser Stufe sind die Mitglieder der Welpengruppe allerdings noch weit entfernt. Aber das ist auch nicht schlimm. Klesse und Groß raten den Hundebesitzern, diese Zeit einfach zu erleben. "Die Welpenzeit ist kurz", sagt Groß. "Die sollte man genießen. Die kommt nie wieder."

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