Weihnachtstheater in Buseck: "Lügen habe junge Beine"

Buseck (siw). "Das war Spitze!" oder "Einfach toll!"-Rufe schallten durch das Kulturzentrum in Buseck. Umjubelt wurde die Theatergruppe "Spät dran" bei ihrer Premiere am ersten Weihnachtsfeiertag für das hervorragend umgesetzte und temporeiche Boulevardstück "Lügen haben junge Beine" von Ray Cooney.

Hier wurde schauspielerische Qualität auf hohem Niveau geboten, die weit über ein Laientheater hinausging. Um die Zuschauer auf das Stück einzustimmen, hatte zu Beginn der Veranstaltung der gemischte Chor unter Leitung von Bettina Kühn gesungen: "Wisst ihr noch, wie es geschehen" und "Es ist für uns eine Zeit angekommen" vor. Alle sangen gemeinsam "Oh, du fröhliche". In Eigenregie übernahmen Mitglieder des Chors Felicita die Bewirtung der zahlreichen Gäste. Für die Musik zum anschließenden Tanz sorgte Matthias Haupt.

Zwei Frauen, zwei Kinder

Nach Chiara Herzberger in 2012 und Cedrik Haupt im vergangenen Jahr gab nun Hanna Herzberger ein gelungenes Debüt. Die schauspielerische Gabe ist ihr offensichtlich in die Wiege gelegt. Ihr Vater Markus Herzberger, im wahren Leben mit der Vereinsvorsitzenden Martina Herzberger verheiratet, spielt im Stück einen Bigamisten. Als Taxifahrer Johannes Schmidt führt er seit 18 Jahren mit Mary (Siggi Fink) in Buseck und mit Barbara (Martina Herzberger) in Wieseck ein glückliches Eheleben. Das Bühnenbild stellt deshalb zwei Wohnungen dar. Mit Mary hat er Tochter Vicki (Hanna Herzberger) und mit Barbara Sohn Georg (Cedrik Haupt).

Sympathien für einander haben die beiden Jugendlichen beim Chatten im Internet entwickelt, finden es außerdem richtig cool, dass ihre Väter so viele Gemeinsamkeiten aufweisen. Nun wollen sie sich unbedingt kennenlernen. Das muss der Doppelhoppser natürlich um jeden Preis verhindern. Ein einfaches Verbot reicht da nicht aus, auch nicht die Verteufelung des Internets ("Geile Böcke sitzen wie dicke Spinnen im Web"). Nun ist er auf die Unterstützung seines besten Freundes und Untermieters angewiesen, der ohnehin schon in sein Geheimnis eingeweiht ist und wegen Mietschulden das Hilfegesuch nicht ablehnen kann.

Steffen Gärtner (Andreas Nachtigall) spielt in jeder Hinsicht eine tragende und am Ende des Stücks überraschende Rolle. Eigentlich wollte Steffen, gut ausgerüstet mit Schnorchel und Schwimmflügeln, mit seinem Vater (Dieter Fink) einen Urlaub in Norderney antreten, stattdessen sieht er sich gezwungen, ein Lügengespinst aufzubauen, das seines Gleichen sucht.

Verschlossene Türen und jede Menge Telefongebimmel , ein lebendiger Anrufbeantworter und ein Dinner-Lotto, Missverständnisse zu sexuellen Neigungen, ein angeblich blindes Kind, ein Versteckspiel unterm Blumentopf und ein Gärtner, der vom Dach fällt… Lachsalven und immer wieder Zwischenapplaus gab es für die skurrilen Szenen mit viel Wortwitz und waghalsigen Aktionen. Am Ende des Stücks gab es von den Zuschauern langanhaltende Ovationen.

Dieter Fink geehrt

Das Bühnenstück stand unter der bewährten Regie von Evelyn Müller. Souffleusen waren Sandra Stephan und Birgit Weber, für besondere Effekte sorgte Angelika Bürger. Der Ehrenvorsitzende Jürgen Thiele dankte allen Mitwirkenden sowie Mary Scheld (Maske), Ronja und Marielle Haas (Beleuchtung und Beschallung) und ehrte den sichtlich überraschten Dieter Fink für seine zehnjährige Bühnenpräsenz.

Wer die Premiere verpasst hat, sollte sich die zweite Vorstellung am Sonntag, 4. Januar (Beginn 14 Uhr), nicht entgehen lassen. Dann werden der Chor Felicita und der Jugendchor Joyful Noise das Programm musikalisch eröffnen. Der Eintritt beträgt zehn Euro, Kinder bis zwölf Jahre zahlen die Hälfte. Ein Vorverkauf findet nicht statt.

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