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Früher wurden die Termine für das Backhaus am Anger ausgelost. Das ist heute für die voll funktionsfähige Einrichtung nicht mehr nötig. FOTO: SIW

Voll funktionsfähig

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Buseck(siw). In der Dorfmitte von Großen-Buseck steht ein altes Backhaus. Mindestens achtmal im Jahr wird es noch genutzt. Termine für das Backhaus können jetzt angemeldet werden.

1846 verfügte der Ort über vier Backhäuser. Eines stand in der Zahlgasse (Ecke Zeilstraße/Bahnhofstraße), die weiteren befanden sich in der Steingasse (heute Ernst-Ludwig-Straße) und in der Oberpforte gegenüber dem ehemaligen Kolonialwarengeschäft von Erna Frank.

In welchem Jahr das Backhaus am Anger erstmals erbaut wurde, ist nicht bekannt. Aufzeichnungen belegen jedoch eine Wiederherstellung in den Jahren 1849/1850 und einen Neubau 1865/1866. Um den heutigen Zustand und die Funktionsfähigkeit zu gewährleisten, waren im Laufe der Zeit etliche Instandhaltungsmaßnahmen notwendig.

Eine Backordnung, wie es sie in den meisten Dörfern gab, konnte für Großen-Buseck nicht ausfindig gemacht werden. Dafür ist aus mündlicher Überlieferung das folgende "Backspiel" bekannt: Die für das Backhaus am Anger zuständige Frau nahm an allen Wochentagen mittags um 12 Uhr die Auslosung vor. Je nach Anzahl der Interessenten hielt sie in ihrer Schürze oder in einem Beutel nummerierte Lose bereit. Maximal waren es zehn. Alle, die am nächsten Tag backen wollten, zogen ein Los. Auf diese Weise wurde die Reihenfolge festgelegt. Wurden alle zehn Lose vergeben, stand damit auch die Backfolge für den übernächsten Tag fest. Da montags zum Anheizen mehr Holz benötigt wurde, musste dies fairerweise reihum geschehen.

War eine Familie mit dem Anheizen dran, die selbst nicht backen wollte, hat sie mit einer anderen Familie getauscht. Zuerst wurden bei hoher Anheizhitze die Brote eingeschoben, anschließend die Blechkuchen.

Da der Backofen 30 Brote gleichzeitig aufnehmen konnte, haben sich kleinere Familieneinheiten für einen Backtermin zusammengeschlossen. Der Vorrat reichte in der Regel für etwa 14 Tage.

Ein derartiges Prozedere ist schon lange nicht mehr nötig. In den vergangenen Jahrzehnten hat der Schornstein des Backhauses immer seltener geraucht. In "Stein gemeißelt" ist nach wie vor der Termin für das Lohplatz-Backen zum "Busecker Samstag" (Weihnachtsmarkt), das von den beiden Burschenschaften Teutonia und Frohsinn gewuppt wird. Zu einem Haxenfest in nunmehr neunter Auflage laden die Frohsinn-Burschen für 7. November zum Backhaus ein (Vorbestellung erforderlich). Zum "Winterglühen" der Sängervereinigung Eintracht-Germania wird zwischen den Jahren das Backhaus ebenfalls aufgeschlossen. Dann jedoch werden keine Brote, sondern Waffeln gebacken und Fettebrote geschmiert.

Am häufigsten nutzt der Stammtisch "New York" das Backhaus. Gegründet wurde er 1988 aus dem Männerchor der Eintracht-Germania heraus. Seit über 30 Jahren backt der Stammtisch vierteljährlich für den eigenen Bedarf und im August für die Gäste des traditionellen Sommerfests der SPD. Die Backhausbrote finden stets reißenden Absatz. Da bleibt kein Krümel übrig.

Die Stammtisch-Bäcker empfehlen neben den gängigen Zutaten wie Sauerteig, Wasser, Roggenmehl, Hefe und Salz noch etwas Dickmilch beizufügen. Sie sagen: "Das Brot schmeckt hervorragend und ist ohne Konservierungsstoffe lange haltbar."

Die Terminabstimmung und Schlüsselvergabe für das Backhaus läuft über die Familie Scheld, Am Anger 2, Telefon 0 64 08/15 56.

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