Verunsicherung am Busecker Bahndamm

Buseck (mlu). Erhöhte Aufmerksamkeit herrschte am Mittwoch unter den Verkehrsteilnehmern im Industriegebiet Großen-Buseck, nachdem dort ein Zug der Hessischen Landesbahn (HLB) in einen Lkw gerast war.

Bereits am Morgen hatte der Rundfunk über das erhöhte Verkehrsrisiko vor Ort informiert, da die Schranken einstweilen nicht funktionieren. Obschon Züge aus beiden Fahrtrichtungen stoppten und Signal gaben, ehe sie die Straße überquerten, waren Pkw- und Lkw-Fahrer sichtlich verunsichert. Bisweilen kam es vor, dass sich Trucker und Zugführer gegenseitig anhupten, weil unklar war, wer sein Gefährt als nächstes in Gang setzt.

Wie Susanne von Weyhe, Pressesprecherin der HLB, im Gespräch mit der Gießener Allgemeinen Zeitung erklärte, sei diese Situation für die Lokführer nicht einfach, weil es immer wieder Autofahrer gebe, die noch »durchhuschen« wollten. Der beschädigte Triebwagen sei inzwischen in eine Werkstatt nach Butzbach gebracht worden, wo zunächst ein Gutachten für die Versicherung erstellt und geprüft werde, ob der Zug in Butzbach repariert werden kann oder zum Hersteller gebracht werden muss.

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Am Dienstag gegen 16 Uhr war ein Zug der HLB in das Heck eines Kühltransporters geprallt, der den Bahnübergang aufgrund eines Verkehrsstaus nicht rechtzeitig hatte verlassen können. Zudem soll den Fahrer ein im absoluten Halteverbot geparkter Laster behindert haben. Trotz einer Notbremsung hatte der Zugführer den Zusammenprall nicht verhindern können, da die Straßenquerung aus seiner Perspektive hinter einer Kurve liegt. Die Ermittlungen der Behörden dauern an, weshalb sich weder die Bundespolizei noch die Netz AG der Deutschen Bahn näher zum Hergang der Ereignisse äußern.

Gefahr wird unterschätzt

Nach einer ersten Einschätzung der Lage hatte Kreisbrandinspektor Mario Binsch am Dienstag gegenüber Medienvertretern von 13 verletzten Zuginsassen gesprochen. Im Laufe des Abends wurde diese Zahl nach oben korrigiert. Rund 140 Fahrgäste hatten sich in dem Zug befunden. Insgesamt 26 Personen erlitten bei dem Unglück Schleudertraumen, Schnittverletzungen und Prellungen und wurden ins Krankenhaus gebracht, darunter der Lkw-Fahrer, ein Mitarbeiter einer angrenzenden Holzfirma sowie ein Feuerwehrmann, der während des Einsatzes von einem Lkw touchiert worden war. Unverletzt blieb nach Angaben der Bundespolizei eine Kindergartengruppe, die ebenfalls an Bord des Zuges gewesen war.{newPage}

Laut HLB funktionierten die Rettungsarbeiten reibungslos. Umliegende Geschäfte hatten etwa Getränke für Einsatzkräfte und Verletzte bereitgestellt. An Reisende, die nach der Vollbremsung über Nackenschmerzen klagten, waren spezielle Nackenkrausen verteilt worden. Seit Dienstagabend verkehren die HLB-Züge auf der eingleisigen Strecke wieder planmäßig.

Die Probleme an besagtem Bahnübergang sind nicht neu. Im Dezember 2009 war es zu einem ähnlichen Unglück gekommen und die Mitarbeiter der benachbarten Holzfirma, die von ihrem Büro den Bahnübergang überblicken, beobachten fast täglich brenzlige Situationen, die sich durch das hohe Verkehrsaufkommen ergeben.

Vor etwa vier Wochen habe beispielsweise ein Lkw infolge eines Rückstaus auf dem Übergang halten müssen, indes sich die Halbschranke zwischen der Zugmaschine und dem Anhänger herabgesenkt habe – sie sei entzwei gegangen, als der Fahrer den Bahnübergang geräumt habe, wodurch der herannahende Zug ein Warnsignal erhalten habe. Warnbaken und entsprechende Hinweisschilder wurden im Zuge einer Verkehrsschau zwar erneuert, doch dies hält die Verkehrsteilnehmer offenbar nicht davon ab, die Gefahr an dem Bahnübergang zu unterschätzen. Sobald die Schranke wieder funktioniert, steht zu befürchten, dass wie eh und je über den Damm »gehuscht« wird, auch wenn die Signale bereits einen Zug ankündigen.

Bürgermeister Eberhard Reinl hat angekündigt, über weitere Maßnahmen nachdenken zu wollen, wobei es sich prinzipiell um einen sensiblen Verkehrsbereich handele. Eine Einrichtung von Kübeln auf dem Gehsteig, um das Falschparken zu verhindern, hält er nicht für zielführend. Reinl: »Dann parken die Brummis ganz auf der Straße und es wird noch enger.«

Zugunfall in Buseck: Zusammenprall trotz Notbremsung

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