Martin Przewloka
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Martin Przewloka

Vertragen ist besser als klagen

  • vonSiglinde Wagner
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Buseck(siw). Am 4. August wurde Prof. Martin Przewloka vom Amtsgericht Gießen als neuer Schiedsmann des Schiedsbezirks Buseck vereidigt. Voraus ging die einstimmige Wahl durch die Gemeindevertretung. Einen Gegenkandidaten gab es nicht.

Nachfolger von Wolfgang Maurer

Przewloka tritt die Nachfolge von Wolfgang Maurer an, dessen Amtszeit bereits im Juni 2019 abgelaufen ist. Zwölf Jahre hatte Maurer das Amt begleitet. Eine Wiederwahl auf weitere fünf Jahre war ausgeschlossen, da zum Zeitpunkt der Wahl das 75. Lebensjahr nicht überschritten sein darf.

Seit Mai 2019 hatte die Gemeinde mehrere Aufrufe veröffentlicht, ehe Przewloka Anfang des Jahres seine Bereitschaft zur Übernahme des Ehrenamtes erklärte. Als Schiedsfrau ist weiterhin Regina Hörr im Amt.

"Das Schiedsamt ist ein wichtiges Gremium, in dem es darum geht, für Konflikte pragmatische Lösungen zu finden. Meine Berufserfahrung hat gezeigt, dass es Sinn macht, mit neutralen Personen Probleme zu erörtern", sagte Przewloka im Gespräch mit dieser Zeitung.

Weiter erklärte er: "Eine Gerichtsverhandlung ist immer eine Art Eskalation, die es zu vermeiden gilt." Obwohl der 56-Jährige seit mehr als 25 Jahren in Großen-Buseck wohnt, ist er im Dorfgeschehen kaum involviert. Das kann gerade in diesem Amt von Vorteil sein.

Ein Schiedsmann oder eine Schiedsfrau sind zur Verschwiegenheit und Neutralität verpflichtet. Sie helfen den Kontrahenten mit Mitteln der Gesprächsführung konstruktiv miteinander zu verhandeln, um eine Lösung des Konflikts bzw. einen für beide Seiten zufriedenstellenden Kompromiss herbeizuführen. Dies geschieht kostenlos, lediglich geringe Verfahrens- und Sachkosten können anfallen.

Letztlich ist das ein doppelter Gewinn, sagt Przewloka. Für die Gesellschaft bedeute es eine Entlastung der Gerichte und für die Parteien eine Ersparnis der oftmals enormen Kosten eines Klageweges. Außerdem hinterlasse eine Gerichtsentscheidung immer verbrannte Erde. Aus einem Schlichtungsgespräch geht keiner der Parteien als Gewinner oder Verlierer hervor. Vertragen ist besser als klagen und außerdem der weiteren Beziehung der Beteiligten zuträglich. Przewloka blickt auf über 30 Jahre Berufserfahrung als Wissenschaftler, Industriemanager und Unternehmer zurück. Er zeichnet sich durch eine analytisch-strukturierte Denkweise aus.

Was kommt auf ihn zu? Wie Wolfgang Maurer berichtete, sind es durchschnittlich sieben Fälle pro Jahr, bei denen es sich meist um Streitigkeiten zwischen Nachbarn und Verwandten handelt. Aus seiner Sicht ist der gesunde Menschenverstand die wichtigste Voraussetzung für dieses Amt.

Die Kontaktdaten der Schiedsleute erhält man über die Homepage oder telefonisch bei der Gemeinde. FOTO: SIW

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