Unsicherheit steigt

  • VonFranz Ewert
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Buseck/Gießen (sel). Gleich drei Berichte müsse er eigentlich abgeben, sagte Kreishandwerksmeister Kay-Achim Becker. Denn Corona habe sich durchaus unterschiedlich auf die wirtschaftliche Entwicklung des Handwerks ausgewirkt. Becker aber beließ es dann doch bei einem, als er jüngst die Vertreter der 21 in der Kreishandwerkerschaft (KH) Gießen zusammengeschlossenen Handwerksinnungen zur Obermeisterversammlung im Kulturzentrum Großen-Buseck begrüßte.

Und so führte Becker aus: Während in den Bau- und Ausbaugewerken volle Auftragsbücher die Regel seien und der Nahrungsmittelbereich sich wieder auf das Vorkrisen-Niveau hochgearbeitet habe, bereite der Dienstleistungsbereich, insbesondere der »körpernahe« wie beispielsweise im Friseurhandwerk, nach wie vor Sorgen.

Insgesamt sind laut Becker die Risiken, die infolge der Pandemie entstanden sind, »nun doch auch stark im Handwerk angekommen«. Das dokumentiere sich nicht zuletzt am Rückgang des Gesamtumsatzes um acht Prozent. Nach Monaten sei aber bezogen auf das gesamte Handwerk derzeit wieder ein Anstieg der Umsatzzahlen festzustellen, wenn auch »auf niedrigem Niveau«. Das Konjunkturbarometer im Handwerk ist laut Becker aktuell wieder auf 114 Punkte gestiegen, nachdem dieser Geschäftsklima-Index in der Pandemie zeitweise auf deutlich unter 90 gesunken war.

Dennoch steige bei den Unternehmen und damit auch im Handwerk die Unsicherheit, wie mit den Vorgaben der Politik zur Eindämmung der Pandemie umgegangen werden soll. Klare Leitplanken seitens der Politik sind laut Becker unerlässlich, um den Eindruck oder eine tatsächliche Entwicklung zu vermeiden, dass die Umsetzung der Anforderungen und Vorgaben in Sachen »2-G oder 3-G« auf die Betriebe »abgeladen« werden könnten. Die Unternehmen stünden vor erheblichen Problemen. Geimpft oder nicht geimpft? 2-G oder 3-G? Wie das alles handhaben und nachweisen? Es entstehe der Eindruck, als ob ohne klare Regeln »von oben« die Politik der Wirtschaft eine »Impfpflicht durch die Hintertür« auferlege. Das aber könnten die Unternehmen nicht leisten.

Zumal sich das Handwerk mit dem herrschenden Mangel an Fachkräften und an beruflichem Nachwuchs seinem drängendsten Problem gegenübersehe. Dieses Feld müsse intensiv und mit neuen Ideen beackert werden. Becker nannte zudem eine weitere Gefahr, nämlich jene der Abwerbung von im Handwerk ausgebildeten Fachkräften nicht nur durch die Industrie, sondern auch durch die öffentliche Hand. Es sei gängig, dass etwa Kommunen handwerkliche Fachkräfte, die sie zur Erfüllung ihrer Aufgaben fraglos benötigten, von der Wirtschaft, speziell vom Handwerk abwerben würden. Becker kündigte an, dass die KH diese Problematik in der Bürgermeisterdienstversammlung ansprechen werde. Vorab richtete der Kreishandwerksmeister den Appell an die Kommunen, ihrerseits auszubilden, um damit die Abwerbung von Fachkräften aus dem Handwerk überflüssig zu machen.

»Wir haben alle Hände voll zu tun. Allein: es fehlen uns die Hände«, sagte Becker und erklärte, dass man nun verstärkt die Berufsorientierung und Berufsbild-Entwicklung an den Schulen forcieren wolle. So müsse das Image des Handwerks im Bewusstsein der Gesellschaft im Allgemeinen und dem der Eltern im Besonderen mittel- und langfristig zum Positiven hin verändert werden. »Das ist allerdings kein Sprint, sondern ein Langlauf.«

Bei Vorlage, Feststellung und Verabschiedung des Haushaltes wurde deutlich, dass die KH Gießen keinerlei finanziellen Probleme hat und auf der Tragfähigkeit solider Zahlen ihre Arbeit auf hohem Niveau fortsetzen kann und will.

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