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Gudula Knübel, Sabine Ranze-Stein, Uwe Stein (v. l.) und Gerhard Arnold (r.), bis vor kurzem Obermeister der Raumausstatter-Innung, gratulieren Mohamad Eyad Alshawa.

Und jetzt an die Hochschule

  • VonFranz Ewert
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Buseck (sel). Mohamad Eyad Alshawa, 27-jähriger Syrer, hat seine Handwerksausbildung erfolgreich abgeschlossen. 2015 kam er alleine, unter schwierigsten Bedingungen und ohne jegliche Kenntnis der Sprache nach Deutschland. Sechs Jahre später hält er den Gesellenbrief im Raumausstatter-Handwerk in seinen Händen. Auf der Basis dieses Dokumentes hat er die Berechtigung erworben, an einer hessischen Hochschule seine Ausbildung auf höherem Niveau fortzusetzen.

Diese Chance will Alshawa auch nutzen.

Das sehen Raumausstattermeister Uwe Stein und seine Ehefrau Sabine Ranze-Stein, in deren schon 128 Jahre alten Familienbetrieb in Großen-Buseck Alshawa drei Jahre lang sein Handwerk erlernt hat, mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Weinend, weil ihnen der junge Geselle als fachkundiger Mitarbeiter nun wohl abhanden kommt, lachend, weil sie sehen, wie erfolgreich die nimmermüden Anstrengungen ihres Lehrlings gewesen sind.

Mohamads Familie - Vater, Mutter und vier Geschwister - lebt in Damaskus. Um nicht zum Kriegsdienst in der Armee von Staatschef Assad gezwungen zu werden, machte er sich mit Einverständnis der Familie auf den gefährlichen Weg nach Europa, über Land und Meer, durch den Libanon in die Türkei, nach Griechenland und von dort weiter nach Deutschland. Die halbe Strecke legte er zu Fuß zurück. Ihm blieb nicht erspart, vieles Schreckliche zu sehen und ertragen zu müssen.

Schließlich kam er 2015 in Deutschland an. Mohamad Alshawa wollte sofort die Sprache seines Gastlandes erlernen, durfte aber keinen Kurs belegen, da er keinen Aufenthaltsstatus hatte, der ihm erst 2016 gewährt wurde. Also wurde in Sachen Spracherwerb das Internet sein »Lehrer«.

Der Flüchtling wollte schnell Fuß fassen in neuer Umgebung. In Syrien hatte er eine Lehre als Tischler hinter sich, in deren Anschluss er an der Uni Damaskus zwei Jahre lang Innenarchitektur studierte.

2016 ergatterte er schließlich einen Platz im Berufs- und Technologiezentrum (BTZ) der Handwerkskammer Wiesbaden am Standort Wetzlar, wo er einen halbjährigen Deutschkurs absolvieren und in unterschiedliche Berufe praktische Einblicke nehmen konnte. Über eine BTZ-Lehrerin kam der Kontakt zur Firma Stein zustande.

Mehrere Förderer

Einem Monat Praktikum folgte ein Jahr Berufseinstiegsqualifizierung und ab 2018 dann die dreijährige Lehre zum Raumausstatter. Eigentlich hätte sich Alshawa das Qualifizierungsjahr gutschreiben und seine Handwerkslehre um ein Jahr verkürzen können. Darauf verzichtete er, um sich tiefergehender und nachhaltiger zu bilden. Dabei förderten ihn nicht nur Uwe Stein und dessen Frau Sabine, sondern von der Willy-Brandt-Schule die Lehrer Gudula Knübel, Frank-Michael Schmidt und Susanne Lange-Wissinger.

Alle freuen sich über den gelungenen Abschluss der handwerklichen Ausbildung, bei dem die Note 2,5 zu Buche steht. Darauf will Mohamad Eyad Alshawa nun aufbauen. Denn im Rahmen eines Modellversuchs an den hessischen Hochschulen besitzen Personen mit mittlerem Schulabschluss und einer abgeschlossenen Berufsausbildung eine Hochschulzugangsberechtigung, deren drei Kriterien von dem 27-Jährigen erfüllt werden. Mittlerweile hält er den Zulassungsbescheid für das erste Fachsemester im Studiengang Architektur an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) in Händen. Das sechssemestrige Architekturstudium, an dessen erfolgreichen Ende der Bachelor steht, hat inzwischen begonnen.

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