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Der Planungsauftrag für die Reaktivierung des Freibads in Großen-Buseck ist erteilt.

Überraschende Einstimmigkeit

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Buseck (con). Noch vor einigen Tagen sah es so aus, als wäre ein solches Ergebnis undenkbar: Die Debatte um die Neugestaltung der Wieseckinsel in Großen-Buseck - und dabei besonders um die Sanierung des dortigen Freibads - wurde ausgesprochen hitzig und emotional geführt. Am Donnerstag stimmte nun die Gemeindevertretung - wie bereits gestern vermeldet - einstimmig für die Planungen.

Im Zuschauerraum drängten sich die Besucher geradezu auf den Plätzen, und das obwohl besonders viele Stühle aufgestellt wurden. Und noch vor dem Einstieg in die eigentliche Tagesordnung kamen dann die beiden Vertreter der Initiative "ProFreibad", Susanne Richter und Mathias Hochheim, zu Wort und überbrachten eine Unterschriftensammlung: In dieser haben sie bereits über 2200 Unterschriften gesammelt.

Bis zu 4,1 Milllionen Euro will die Gemeinde im Zuge des Förderprogramms "Stadtentwicklung Hessen" in die Neugestaltung des gesamten Inselbereichs investieren, rund die Hälfte dieser Summe fällt dabei auf die Sanierung des Freibades. Zwar hatten sich bereits am Mittwoch die politischen Fraktionen in einer gemeinsamen Sitzung der Busecker Ausschüsse für die Neugestaltung der Wieseckinsel ausgesprochen - dass dann aber ein einstimmiger Beschluss gefasst wurde, hätte angesichts der vorhergehenden Debatten wohl keiner erwartet.

"4,1 Millionen Euro - das stellt so einiges in den Schatten, was wir in den letzten Jahren angegangen sind", sage Alexander Zippel (Freie Wähler) zu der Beschlussvorlage. "Die Freien Wähler haben lange mit sich gerungen, wie sie sich dazu positionieren wollen." Auch die Arbeit der Initiative trug dazu bei, hier das Meinungsbild zu ändern: "Es ist beeindruckend, was ›Pro Freibad‹ hier auf die Beine gestellt hat."

Ein sehr emotionaler Vortrag kam von Anita Scholz (SPD): "Ich habe keine Kindheits- und Jugenderinnerungen an das Großen-Busecker Freibad, ich kann nicht davon berichten, die sechs Wochen Sommerferien dort verbracht zu haben. Andere aber schon." Und immer sei das Freibad auch von Personen aus den Nachbargemeinden genutzt worden. Für ihren abschließenden Appell, der Vorlage zuzustimmen, erhielt Scholz viel Applaus der Gemeindevertreter und der Zuhörer.

Und auch die Grünen positionierten sich klar für das Freibad. Etwas kritischer äußerten sich dagegen Mitglieder der CDU: "Ich bin kein Gegner dieses Freibades - wir haben nur intensiv diskutiert, wie wir das tragbar finanziert bekommen", erklärte Frank Müller. Dazu stehe und falle das gesamte Projekt mit dem Erhalt der benötigten Fördermittel und dem Badbetrieb durch den Hallenbadverein: "Dazu sehe ich keine Alternative." Dass sich die CDU-Fraktion geschlossen hinter die Vorlage stellte, lag allerdings auch an der Überzeugungsarbeit von Fraktionsmitglied Eckard Neumann, der sich in den letzten Wochen und Monaten immer wieder für das Freibad aussprach und mit emotionalen Statements aufwartete. "Eigentlich alle Anwohner des Freibads haben gesagt, sie würden sich freuen, wenn es im Sommer hier wieder Kinderlachen und -lärm zu hören gäbe", berichtete Neumann. "Das sagt doch schon alles."

Die positive Entscheidung bedeutet zwar noch nicht, dass man hier an heißen Sommertagen wieder ins kühle Nass springen kann, aber eine entscheidende Hürde ist genommen: Denn die Vorlage ist nur ein Planungsauftrag. Mit dem Beschluss kann nun die Gemeindeverwaltung beginnen, genauere Planungen aufzustellen, um so die entsprechenden Fördermittel abzurufen. Ob das Bad tatsächlich saniert wird und dann wieder eröffnet werden kann, liegt jetzt am Erhalt von beantragten Fördermitteln.

Bislang seien die Signale des Landes aber positiv, äußerte sich Bürgermeister Dirk Haas (SPD) gegenüber dieser Zeitung. Außerdem muss noch ein Vertrag mit dem Hallenbadverein abgeschlossen werden: Dieser hat die Absicht, mit Unterstützung der Gemeinde den Betrieb zu übernehmen. Jeder Ausgabenpunkt auf der Wieseckinsel erfordert noch einmal einen eigenständigen Beschluss in der Gemeindevertretung. "Für Jubel ist es also noch etwas früh", sagte Haas.

Deshalb gibt es aufseite der Initiative "ProFreibad" auch nur verhaltene Freude über die Entscheidung: "Wir haben uns erhofft, dass wir eine Zustimmung für das Gesamtprogramm bekommen", sagte Susanne Richter nach Sitzungsende. "Das heißt für uns, wir müssen weiterhin wachsam bleiben und auf uns und das Freibad aufmerksam machen."

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