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Das Liederbuch will Willi Biesenroth auch nach 70 Jahren nicht zur Seite legen. "Singen fördert die gute Laune", sagt er. FOTO: SIW

Die Singstunde ist heilig

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Willi Biesenroth singt seit 70 Jahren in der Sängervereinigung Germania Alten-Buseck. Die Freude daran hat er nie verloren, war sogar 52 Jahre im Vorstand. Und selbst von einem Oberschenkelhalsbruch lässt sich der 86-Jährige nicht ausbremsen.

Der Vater war schon im Gesangverein, der Patenonkel war es auch. Viele Möglichkeiten, am Abend auszugehen, gab es damals für einen jungen Mann nicht. So schloss sich Willi Biesenroth der Sängervereinigung Germania Alten-Buseck an. Das war 1950.

Mit glänzenden Augen schwärmt er von der Anfangszeit: "Ich wurde wirklich gut aufgenommen und mir hat die Geselligkeit sehr gefallen." Kürzlich wurde Biesenroth für 70 Jahre Singen im Chor geehrt. Eine lange Zeit.

Gab es da zwischendurch nicht mal einen "Durchhänger"? Wohl nicht. Denn wie der 86-Jährige berichtet, hat ihm das Singen stets viel Freude bereitet. Die wöchentliche Singstunde ist ihm heilig. "Ich habe nur selten und nie ohne einen driftigen Grund gefehlt", erzählt er. Nur zuletzt, da musste er für einige Wochen pausieren. Der Grund: ein Oberschenkelhalsbruch Ende August. Zum Weihnachtskonzert stand er, gestützt auf einen Stock, im Chor.

Den Stock braucht er mittlerweile kaum noch. Der ehemals selbstständige Elektromeister war sogar schon wieder mit seinem Sohn auf einer Baustelle im Einsatz. Allein zu Hause sitzen, ist nicht sein Ding. Seine Ehefrau lebt im Johanniterstift. Ihr Gesundheitszustand lässt keine häusliche Betreuung mehr zu. Er besucht sie regelmäßig. Brigitte Biesenroth hat Jahrzehnte bei der "Germania" und zuvor in ihrem Heimatdorf Daubringen gesungen.

"Zu Zeiten, wenn es mal nicht so rund läuft, ist Singen noch wichtiger. Hier kann man Stress abbauen. Müde werden wieder munter. Singen fördert die gute Laune", versichert das Alten-Busecker Urgestein.

Beim Singen allein ist es bei ihm allerdings nicht geblieben. Keine drei Jahre nach Aufnahme in den Verein wurde Biesenroth in den Vergnügungsausschuss gewählt. Von 1957 bis 1962 war er zweiter Vorsitzender, danach Kassenprüfer und im technischen Ausschuss, 1967 wieder Vize, von 1968 bis 1985 erster Vorsitzender und von 1986 bis 2005 wieder zweiter Vorsitzender. 52 Jahre Vorstandsarbeit, das ist eine echte Hausnummer und der Titel "Ehrenvorsitzender" hoch verdient.

Zeitweise war die Vorstandsarbeit kein Zuckerschlecken. Zwei Vereine bildeten nach dem Zweiten Weltkrieg eine Sängervereinigung. Da blieben lange Zeit kleine Reibereien nicht aus. Ein neuer und junger Vorstand hat es schließlich geschafft, dass die Sängervereinigung zu Recht diesen Namen führt.

Zum Stärken der Gemeinschaft trugen die vielen Ausflüge und geselligen Zusammenkünfte bei. Über den "Busecker Liederabend" sagt Biesenroth: "Der ist schön und wichtig, gerade für uns Ältere." Auch in den anderen Ortsteilen gibt es Sänger, die seit 60, 70 Jahren aktiv sind. "Beim Liederabend trifft man sich wenigstens einmal im Jahr."

Die Frage nach seinen Lieblingsliedern lässt sich nicht so leicht beantworten. "Das sind viele und immer wieder neue. ›Weit, weit weg‹, ›Dir gehört mein Herz‹ und die Lieder, die wir auf unserer Italienreise gesungen haben, wie ›Capri Fischer‹ und ›O mia bella Napoli‹, singe ich im Moment besonders gern. Die Einstudierung von englischen Texten dauert natürlich länger", sagt Biesenroth.

Für den enormen Männermangel in fast allen Chören sieht er einen Grund: "Die Zeit ist hektischer geworden, erhöhte berufliche Anforderungen und längere Arbeitswege könnten ein Grund sein. Und das große Freizeitangebot, alle sind mobil." Nach einer kleinen Pause setzt er nach: "Naja, auf die meisten Frauen trifft das heutzutage ebenfalls zu. Stichwort Doppelbelastung Beruf und Haushalt." Dann sagt er lachend: "Die Frauen sind halt schlau und haben erkannt, dass man beim Singen prima Stress abbauen kann."

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