Alfred Keil alias Angelo Niklas mit seinem neuen Buch. FOTO: SIW
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Alfred Keil alias Angelo Niklas mit seinem neuen Buch. FOTO: SIW

"Schwäne glauben an Poeten"

  • vonSiglinde Wagner
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Buseck(siw). Nach vier Prosabänden und einem Liederheft hat Alfred Keil mit "Schwäne glauben an Poeten" seinen mittlerweile achten Gedichtband herausgebracht. Dies erneut unter dem Pseudonym "Angelo Niklas". In seinen Texten und im Leben lässt sich der 79-Jährige von der Poesie tragen. Und er steht dazu. Warum also das Pseudonym?

Gegenüber dieser Zeitung berichtet Keil von einer Begebenheit, die 43 Jahre zurückliegt. "Ich hatte mein erstes gemeinsam mit meinem Dichtervater Frederik Hetmann geschriebenes Buch zu ›Indianer heute‹ veröffentlicht, als ich unbemerkt die Lokalredaktion des Weilburger Tageblattes betrat. Ein Kollege zitierte gerade Passagen aus meinem Buch und alle lachten." So viel Hohn und Spott taten weh. Nie wieder sollten diese Kollegen erfahren, dass er ein Buch geschrieben habe. Doch im heimischen Raum wollte niemand ein Werk von Angelo Niklas lesen, während sich die Veröffentlichungen unter seinem tatsächlichen Namen gut verkauften.

Alte Gedichtform wiederbelebt

"Neid macht hässlich", schiebt Keil seinen Erinnerungen kaum hörbar nach. Dieser Sinnspruch ist nicht von ihm. Die neue Veröffentlichung, bezeichnet als "Mein Akrostichon von Abel bis Yela von 1963 bis 2020", ist jedoch ausnahmslos mit eigenen Aphorismen des Autors gespickt. "Meine Gedichte sind auch eine Topographie der Angst" und "Ohne Respekt dauert die Liebe maximal drei Wochen" oder "Ständig wird das Eine zur Ursache des Anderen" sind Beispiele seiner prägnant-geistreichen Sinnessprüche.

Wer nicht gerade Germanistik studiert oder einen Deutsch-Leistungskurs belegt hatte, stellt sich vielleicht die Frage: Was ist ein Akrostichon? Antwort: Es handelt sich um eine altehrwürdige Gedichtform. Diese hat der ehemalige Kultur-Chef der Wetzlarer Neuen Zeitung in beeindruckender Form wiederbelebt. "Meine Akrostichen entstehen so: Ich schreibe den Namen einer Person senkrecht auf ein Blatt Papier. Anschließend mache ich aus jedem Buchstaben von links nach rechts einen Vers, also eine ganze Zeile. Der Vollständigkeit halber reimt sich das Ganze dann auch", erläutert Keil die Vorgehensweise.

Hinter den Namen verbergen sich Menschen, die - mit Ausnahme von historischen Persönlichkeiten wie Jesus und Sitting Bull - der Dichter persönlich kannte. Das Wort in der Klammer unter dem Namen ist der Schlüssel zum Verständnis.

Der Lyrikband ist ein Querschnitt durch Begebenheiten und Eindrücke seines Lebens. Oft schleicht sich eine Brise Melancholie ein. Es geht um Liebe und Liebeskummer, Dankbarkeit und Anerkennung und um den Glauben an Gott. Auch für seinen Freund Manfred Weller, von dem das Titelbild stammt, hat Keil ein Akrostichon geschrieben. Verweise auf Altertum, Christentum, Hinduismus und auf indianische Weisheiten und entsprechende Symbolik sind nicht für jeden Leser auf Anhieb nachvollziehbar.

Sein ganz persönliches Oster-Wunder hat Keil erlebt, als er mit einer schweren Lungenentzündung im Krankenhaus lag. Dort hat er viel Ignoranz erfahren, aber auch eine sehr zugewandte und emphatische Krankenschwester. Das titelgebende Akrostichon ist dieser Frau gewidmet.

Dass derzeit aufgrund Corona keine Lesungen stattfinden können, bedauert Keil. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt: "Vielleicht klappt es ja zu meinem 80. Geburtstag am 11. Juni 2021. Dann am liebsten in meiner guten Stube, der katholisch-öffentlichen Bücherei in Großen-Buseck."

"Schwäne glauben an Poeten" von Angelo Niklas, ISBN 978-3-947930-11-1, Hardcover, 120 Seiten, 14,80 Euro. Zu bestellen bei Edition Pauer, Tel. 0 61 95/6 25 19 oder per E-Mail an p.pfeffer@dunkel.de.

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