Bürgermeister Dirk Haas hofft, dass zumindest die Abbrucharbeiten im Großen-Busecker Freibad im Frühjahr starten können.
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Bürgermeister Dirk Haas hofft, dass zumindest die Abbrucharbeiten im Großen-Busecker Freibad im Frühjahr starten können.

Sondersitzung

Planung für Großen-Busecker Freibad beschlossen - Arbeiten schon ab Frühjahr?

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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Mit ungewohnter Einmütigkeit haben sich die Busecker Fraktionen auf einen Kompromiss zur Freibad-Reaktivierung verständigt. Nun soll es möglichst schnell gehen - wenn die Fördergelder wie erhofft fließen.

Buseck - Lange und teils heftig wurde um das Thema gestritten, am Dienstagabend dann ein Konsens verabschiedet: Einstimmig haben die vier Fraktionen in einer Sondersitzung des Haupt- und Finanzausschusses als »Notausschuss« die Planung für die bauliche Erneuerung des Freibads in Großen-Buseck auf den Weg gebracht. Der Ausschuss tagte wegen der hohen Corona-Zahlen im Kreis anstelle des Parlaments, das den Kompromiss formal noch bestätigen muss.

Laut Beschluss belaufen sich die Gesamtkosten für die Reaktivierung auf gut 2,85 Millionen Euro. Die beschlossene Planung umfasst das Freibad samt Edelstahlbecken, die Wassertechnik, die Instandsetzung der Umkleiden und die Außenanlagen des 2012 geschlossenen Bads. Um den Eigenanteil der Gemeinde möglichst gering zu halten, sollen Fördermittel des Landes aus dem Schwimmbad-Investitionsprogramm »SWIM« und dem Programm »Wachstum und nachhaltige Erneuerung« (ehemals »Stadtumbau in Hessen«) genutzt werden. Die Umgestaltung der »Wieseckinsel« außerhalb des Freibads wurde dagegen zunächst ausgeklammert. Nach dem Willen der Fraktionen soll die Planung dazu aber möglichst zügig weitergehen.

Freibad Großen-Buseck: Förderung war Streitpunkt

Gerade die Frage, mit welcher Förderkulisse und wie weitgehend das Areal neu gestaltet werden sollte, war länger ein Streitpunkt im Parlament gewesen. Anfang des Jahres hatte Bürgermeister Dirk Haas (SPD) einen Beschlussantrag für die Planung zur Wieseckinsel inklusive Freibad vorgelegt. Dieser sah Investitionen in Höhe von 4,6 Millionen Euro vor, dafür sollte das Programm »Wachstum und nachhaltige Erneuerung« genutzt werden.

Haas hatte die Vorlage jedoch kurzfristig zurückgezogen - eine Mehrheit dafür schien in weiter Ferne. CDU und FW, die gemeinsam eine Mehrheit haben, sprachen sich für eine Förderung über das SWIM-Programm aus. Der nun gefundene Kompromiss zielt auf beide Fördertöpfe ab.

Nicht alle im Rahmen der Bürgerbeteiligung gewünschten Punkte seien nun enthalten, sagte Haas am Dienstag. So sei jetzt etwa statt des Sprungturms eine Wellenrutsche geplant, anstelle eines Beachvolleyball-Felds eine erweiterte Liegewiese. Auch ein Kinderbecken sei vorgesehen. Bestandteil des Beschlusses ist ferner die Sanierung der Zufahrtsbrücke über die Wieseck. Zuletzt waren die Beratungen in der Gemeindevertretung mitunter von viel Emotionalität und wechselseitigen Vorwürfen geprägt, die Fronten waren verhärtet.

Am Dienstag herrschte dagegen ein respektvoller Ton vor - und die Fraktionen schienen bemüht, jeweils den eigenen Anteil am nun gefundenen Kompromiss herauszustellen.

»Heute ist ein wichtiger Tag für die Gemeinde Buseck - für alle Ortsteile«, sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Frank Müller. Und er räumte ein: »Nach der Kommunalwahl und der Neuwahl des Bürgermeisters kam ein richtiger Schub«, man habe sich nach neuen Fördermitteln umgesehen. In der politischen Diskussion, so Müller, sei es dann aber »schwieriger« geworden, weil es dabei auch um die anderen Teilprojekte der Wieseckinsel gegangen sei. Ob die CDU die Freibad-Reaktivierung will, war länger unklar geblieben. »Eckhard Neumann hat uns in der Fraktion getrieben«, sagte Müller und dankte Neumann dafür. Man habe nun einen »guten Konsens« gefunden - »und uns war wichtig, dass wir die Entscheidung vor der Kommunalwahl vom Tisch bekommen«.

Alexander Zippel, Fraktionschef der Freien Wähler, sprach von einem »schmalen Zeitfenster für die Reaktivierung«. Angesichts einer »guten Haushaltslage« handle man nun aber »aus einer Position der Stärke heraus« - trotz der Corona-Unsicherheiten. Der gefundene Kompromiss könne zu einem attraktiven Bad führen. Nun gelte es, den Eigenanteil möglichst gering zu halten, »es soll das finanziell Optimale für die Gemeinde herauskommen«, so Zippel.

Freibad Großen-Buseck: SPD-Fraktionschef sieht Kompromiss skeptisch

Weniger optimistisch äußerte sich SPD-Fraktionsvorsitzender Willy Jost. Der Kompromissantrag könne im Extremfall dazu führen, »dass wir mit dem Bau des Freibads und der Herrichtung der Wieseckinsel scheitern und am Schluss mit leeren Händen dastehen«. Denn noch sei nicht sicher, ob man beim SWIM-Programm zum Zuge komme. Und für eine Förderung über das Stadtumbau-Programm greife der Freibad-Beschluss wohl noch zu kurz. Gegenüber der Vorlage aus dem Frühjar sei nun unter anderem die Wiederherstellung des Mühlgrabens vorerst ausgeklammert. Trotzdem stimme man dem Kompromiss zu - auch, weil eine Einigung über den Rest der Wieseckinsel in Aussicht stehe und es zurzeit für das Gesamtprojekt leider keine Mehrheit gebe.

Auch Luise Böttcher (Grüne) drängte darauf, dass auch das Areal um das Schwimmbad beplant wird. Josts Befürchtung, man könne durch die vorläufige Beschränkung auf das Freibad womöglich aus der »Stadtumbau-Förderung« rausfallen, teile sie indes nicht. Unterm Strich freue sie sich in Sachen Freibad aber, »dass es jetzt wirklich wieder in Gang kommt«.

Fraktionsübergreifend wurden die jüngsten Verhandlungen im Rahmen einer Arbeitsgruppe gelobt, an der auch die Bauabteilung und der Kinder- und Jugendbeirat beteiligt waren.

Der Bürgermeister hält den Beschluss für ein wichtiges Signal in Richtung der Fördermittelgeber in Wiesbaden, wo man schon länger auf eine klares Votum aus Buseck warte: »Die Gemeinde steht mit voller Kraft dahinter.« Er hat nun das Mandat, um mit dem Land über die Förderung zu verhandeln. Haas hofft, dass der Umbau des Schwimmbads schon im Frühjahr beginnen kann. Der Badespaß rückt in greifbare Nähe.

Zusatzinfo: Aktivisten überreichen Planschbecken

Kurz vor der Sondersitzung am Dienstag haben Vertreter der Initiative »ProFreibad« je ein aufblasbares Planschbecken an die Fraktionsvorsitzenden übergeben, damit diese »einen kühlen Kopf bewahren«. Das einstimmige Votum für den Freibad-Kompromiss wurde am Ende mit Applaus bedacht - nicht nur von den Aktivisten. jwr

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