Nach dem Rückzug der Investoren für die frühere Sammler- und Hobbywelt ist wieder offen, was aus dem Gelände wird.	FOTO: JWR
+
Nach dem Rückzug der Investoren für die frühere Sammler- und Hobbywelt ist wieder offen, was aus dem Gelände wird. FOTO: JWR

Laser-Tag, Autoscooter und Co.

Pläne für »Erlebnispark« bei Gießen sind gescheitert - Was kommt nun auf Gelände?

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
    schließen

Mit rund sechs Millionen Euro wollte ein Investorentrio aus der früheren Sammler- und Hobbywelt einen »Erlebnispark« machen. Nun haben sie sich zurückgezogen. Die Eigentümerin hofft auf neue Kaufinteressenten.

Buseck/Gießen - Es waren große Pläne - und mancher stellte sich die Frage, ob sie in dieser Dimension an diesem Ort überhaupt umsetzbar sind: Im März 2019 hatten drei Investoren ihre Ideen für eine neue Nutzung der früheren Sammler- und Hobbywelt in Alten-Buseck vorgestellt. Auf zwei Etagen und 7200 Quadratmetern Fläche sollte demnach ein »Erlebnispark« entstehen. »Jumping-Park«, Hindernis-Parcours, Laser-Tag, Autoscooter mit Luftkissenfahrzeugen, ein Klettergerüst, Gastro-Bereiche - das und mehr stellten die Investoren in Aussicht und gaben an, rund sechs Millionen Euro in das Großprojekt stecken zu wollen.

»Wir geben uns Mühe, dass hier etwas Schönes für Familien entsteht«, äußerte sich Diyab Demir, einer der Investoren, damals gegenüber der GAZ. Statt dessen ensteht dort nun erstmal nichts: Wie Busecks Bürgermeister Dirk Haas auf Anfrage mitteilt, haben sich die Investoren zurückgezogen. Eine zum Zweck des Betriebs gegründete Gesellschaft sei als Gewerbe bei der Gemeinde inzwischen wieder abgemeldet worden. »Das kam für mich nicht wirklich überraschend«, sagt Haas - und verweist darauf, dass sich die Planungsverhandlungen hingezogen hätten.

Demir bestätigt den Rückzug. »Es hätte alles wunderbar hingehauen, aber alles hat sich verzögert«, äußert er sich. Vor allem bei der Planung für eine Nutzungsänderung des Areals habe es Probleme gegeben. Die Corona-Situation habe die Vorbereitungen zusätzlich erschwert - etwa, weil auch Banken nun unsicher und vorsichtig seien. Demirs Eindruck: »Es war alles gegen uns.«

Buseck/Gießen: Pläne für »Erlebnispark« gescheitert - Baurecht musste geändert werden

Bei der Vorstellung der Pläne hatten sich Demir und Co-Investor Hikmet Ay zuversichtlich gezeigt, das Projekt rasch umzusetzen. Sie peilten an, noch 2019 mit dem Umbau im Gebäude fertig zu werden, danach sollte der Außenbereich neu gestaltet werden. Ein Konzept könne man binnen weniger Wochen vorlegen, hieß es im März 2019. »Je schneller die Gemeinde in die Pötte kommt, desto besser«, sagte Demir damals.

Zwar gehört der Kommune das Grundstück nicht, trotzdem riefen die ehrgeizigen Pläne auch die Kommunalpolitik auf den Plan: Für die Umsetzung musste das Baurecht geändert werden, denn der bestehende Bebauungsplan war einst auf die vorherige Nutzung als Sammlung zugeschnittten worden.

Nach längerem Warten auf konkrete Pläne schien es Ende 2019 voranzugehen. Die Vorplanung für den »Erlebnispark« wurde im Busecker Bauausschuss vorgestellt - nicht von den Investoren selbst, sondern der früheren Betreiberin der Sammler- und Hobbywelt, Marion Bauer. Die Pläne waren da schon ein Stück weit zurückgeschraubt: Ursprünglich hatten Demir und seine Mitstreiter von 25 000 bis 30 000 Besuchern pro Monat gesprochen. In der Beschlussvorlage für das Parlament war dann von einem geschätzten täglichen Verkehrsaufkommen von 120 bis 150 Pkw die Rede.

Die Gemeindevertretung fasste schließlich den Aufstellungsbeschluss für den geänderten Bebauungsplan. Dabei wurde eine Nutzung als Versammlungsort explizit ausgeschlossen. »Ab diesem Zeitpunkt hätte man mit der konkreten Planung beginnen können«, sagt Haas.

Buseck/Gießen: Pläne für »Erlebnispark« gescheitert - Unvollständiger Bauantrag

Im nächsten Schritt sollte dann ein Durchführungsvertrag zwischen der Gemeinde und den Investoren geschlossen werden, um Details der Nutzung und Gestaltung zu vereinbaren. Doch dazu kam es nicht mehr. Seines Wissens sei nicht weiter geplant worden, sagt der Bürgermeister.

Für die Umsetzung des Projekts wäre auch die Genehmigung der Kreis-Bauaufsicht nötig gewesen. Bereits am 22. Mai 2019 hätten »zwei Privatpersonen einen Bauantrag zur Nutzungsänderung des Ausstellungsgebäudes in einen Familienerlebnispark eingereicht«, äußert sich die Kreis-Pressestelle auf Anfrage. Doch das Dokument war laut Landkreis offenbar weit davon entfernt, als Grundlage für eine Genehmigung zu taugen: »Dieser Bauantrag war so unvollständig, dass er nicht bearbeitet werden konnte. Daher wurde dieser seinerzeit gemäß Paragraf 70 der Hessischen Bauordnung zurückgewiesen«, heißt es vom Kreis. Weitere Gespräche zwischen der Kreis-Bauaufsicht und den Investoren habe es nicht gegeben.

Mit dem Umbau des Gebäudes hatten die Investoren schon begonnen: Die Fassade wurde neu gestrichen, der Innenbereich teils umgestaltet. Wie geht es nun weiter? »Wir räumen jetzt auf, machen es besenrein«, äußert sich die Eigentümerin und Ex-Betreiberin Bauer. Demir unterstütze sie dabei. Bauer hätte sich vorstellen können, im »Erlebnispark« mitzuarbeiten, wenn auch nicht in leitender Position. Nun beginnt die Suche nach Investoren aufs Neue. »Es gibt den einen oder anderen Kaufinteressenten, aber wegen Corona halten sich viele zurück«, sagt Bauer. Vor allem für Unternehmen aus dem Bereich Logistik könne das Areal interessant sein. »Wir hoffen weiter.«

Zusatzinfo: Einst beliebte Sammlung

2005 eröffneten die Brüder Harald und Bernd Busse die Sammler- und Hobbywelt. Bis zur Schließung vor knapp zwei Jahren wurden in dem ehemaligen Möbelhaus zahlreiche Exponate gezeigt - von Uniformen und Blechspielzeug bis hin zu einem »Starfighter«. Mit den Jahren wurde die Sammlung zu einem auch überregional beliebten Ausflugsziel.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare