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Die Beteiligten informieren beim Ortstermin über den aktuellen Stand und die Ziele des Pilotprojekts.

Busecker Gemeindewald

Pilotprojekt soll Schule machen - bald in ganz Hessen?

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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Wie kann die Bevölkerung für die Forstwirtschaft und das Ökosystem Wald sensibilisiert werden? Ein Pilotprojekt soll nun in Buseck dazu beitragen, Kernpunkt ist die Anpflanzung neuer Bäume.

Vielleicht mehr denn je steht die Forstwirtschaft heute im Fokus der Öffentlichkeit. In Zeiten des Klimawandels und, auch infolge dessen, darbender Wälder ist es nicht immer leicht nachzuvollziehen, warum zum Beispiel Bäume gefällt werden, die für Laien auf den ersten Blick gesund aussehen mögen, oder warum Flächen nicht einfach der Natur überlassen werden. Auch in Buseck gab es, wie berichtet, darüber kürzlich Diskussionen - und Gemeinde wie Hessen Forst mussten sich Mühe geben, um den Nutzen und die Notwendigkeit mancher Einschläge zu erläutern.

Die Akzeptanz für die Arbeit von Förstern und ihren Mitarbeitern steht und fällt mit dem Verständnis in der Bevölkerung für das, was im Ökosystem Wald geschieht. Ein innovatives Projekt in Buseck soll nun auch auf dieses Ziel hinarbeiten und zugleich die persönliche Bindung der Busecker zum Gemeindewald fördern: Unter dem Motto »Wir lassen den Wald wieder wachsen« haben Hessen Forst, die Bildungsinitiative TÜV Hessen Kids und die Gemeinde ein pädagogisches Konzept erarbeitet und am Donnerstag bei einem Pressetermin über erste Etappen berichtet.

Pilotprojekt im Busecker Wald: Schüler kümmern sich um Bäume

Kernbestandteil sind Pflanzungen auf Flächen, die wieder aufgeforstet werden sollen. Dafür haben Schülerinnen und Schüler der Gesamt- und der Grundschule in Großen- Buseck bereits Samen auf vom Forstamt festgelegten Flächen gesammelt und dann - bewusst nachhaltig - in Tetra-Packs mit Erde eingetopft. Nun sollen die zarten Pflänzchen gehegt und gepflegt und dann im kommenden Jahr auf geeigneten Flächen im Gemeindewald eingepflanzt werden - zunächst im Bereich Oberstruth in Großen-Buseck, wo der Vor-Ort-Termin stattfand und fürs Erste Eichen wachsen sollen.

Den Anstoß für das Projekt hat Manfred Weller gegeben. Der Busecker war selbst Lehrer und Rektor, nun ist er pädagogischer Leiter bei TÜV Hessen. »Ein Alleinstellungsmerkmal des Projekts ist die pädagogische Prägung«, unterstrich er am Donnerstag. Maßgeblich beteiligt ist auch Rita Kotschenreuther, Waldpädagogin bei Hessen Forst. Es gehe nicht nur um das »Sammeln und in die Erde Stecken«, sagte sie beim Termin. »Bäume sind eine Medizin für die Welt und das Klima«, zugleich seien sie aber auch Opfer des Klimawandels, so Kotschenreuther. Im Rahmen des Projekts wolle man auch ein Verständnis dafür wecken, dass Holzprodukte verschiedenster Art »einen langen Vorlauf haben«.

Kohlenstoffdioxid werde in Bäumen gespeichert, und durch die Verwertung von Holz auch dauerhaft gebunden. Zugleich entstünden durch nachhaltige Aufforstung wieder neue Bäume - und damit auch neue CO2-Speicher. Auch diesen Zusammenhang wolle man mit dem Projekt verdeutlichen.

Pilotprojekt im Busecker Wald: Breite Zielgruppe

Ziel ist, dass die Schüler auch nach dem Anpflanzen der Bäumchen weiter Verantwortung für diese tragen - und zumindest in den ersten Jahren sei deren Pflege nötig, verdeutlichte die Waldpädagogin. »Wenn die Brombeere erstmal alles zugewuchert hat, wird es ganz schwer.« Umso wichtiger sei es, die jungen Bäume anfangs regelmäßig freizuschneiden. Überlasse man sie sich selbst, hätten sie wenig Chancen, so der Tenor beim Termin.

»Durch eine große Zielgruppe können wir ein Bewusstsein dafür schaffen, wie wichtig unser Wald ist«, äußerte sich die Busecker Klimaschutzmanagerin Larissa Hildebrand. Neben Klassen und deren Lehrern wollen die Initiatoren auch andere Gruppen erreichen und zum Mitmachen motivieren - etwa Privatleute, Kita-Kinder und Vereine. Auch die Busecker Jugendpflege ist eingebunden.

Nicht zuletzt wurde der neue Förster für das Alten-Busecker Revier, Jacob Thomaka, mit ins Boot geholt. Dies sei auch deshalb nötig, weil sowohl die Flächen für das Sammeln der Samen als auch für das Pflanzen der Bäumchen sorgsam ausgewählt werden müssten, hieß es am Donnerstag.

Pilotprojekt im Busecker Wald: Auch Buchen »arg gebeutelt«

Thomaka informierte über die Probleme, die es auch im Busecker Gemeindewald seit einigen Jahren gebe. Aktuell verzeichne man rund 60 Hektar an Freiflächen - »und es werden leider noch mehr werden«, so seine Prognose. Der Fichtenbestand sei deutlich zurückgegangen, auch die Buchen inzwischen »arg gebeutelt«. Wo es mit Naturverjüngung nicht klappe, müsse man nachhelfen.

»Was wir machen, wird keinen großen ökonomischen Nutzen haben«, betonte Weller. Angesichts der vielen Kahlflächen handelt es sich offenbar eher um einen symbolischen Beitrag zu Waldverjüngung. »Uns geht es um den pädagogischen Effekt, wir wollen die Leute mitnehmen«, so Weller.

»Schule, Hessen Forst, Klimaschutzmanagerin und Jugendpflege ziehen an einem Strang«, sagte Bürgermeister Dirk Haas. Gerade in der Kombination verschiedener Fachrichtungen liege eine große Chance des Pilotprojekts - bald vielleicht auch über Buseck hinaus.

Info: Ausweitung angedacht

In einem ersten Schritt wollen die Beteiligten in Buseck Erfahrungen sammeln und das Pilotprojekt anschieben. Man könne sich aber gut vorstellen, dass es in ganz Hessen oder womöglich darüber hinaus mittelfristig Anklang findet, hieß es am Donnerstag. Begleitbroschüren für Pädagogen und Schüler sind bereits vorbereitet.jwr

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