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Ein Panzerunfall vor 75 Jahren und ein hundertster Geburtstag

  • vonSiglinde Wagner
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Über eine besondere Überraschung darf sich Ellen Harding zu ihrem 100-ten Geburtstag freuen. Pünktlich zu ihrem Ehrentag am 8. August soll dieser Zeitungsbericht auf ihrem Gabentisch liegen. Der steht in Kalifornien, rund 9000 Kilometer von Buseck entfernt. Den Briefumschlag, mit persönlichen Glückwünschen und dem Artikel darin, wird Renate Renger per Luftpost versenden.

Über Renger hält Harding, die Anfang 1950 in die USA ausgewandert ist, nach wie vor Briefkontakt zum Seniorenkreis in Oppenrod. Nach Amerika ist die bald Hundertjährige der Liebe wegen gegangen.

Ihre erste große Liebe verbindet sie jedoch mit Oppenrod: Sie war mit dem Armee-Arzt Richard Gräf verheiratet. Am 28. März 1945 geschah jedoch das Unglück: Auf der Fahrt zum Lazarett wurde der damals 25-jährige Arzt in seinem Fahrzeug von einem Panzer zerquetscht. Das Unglück geschah auf der heutigen B 49 auf Höhe der "Leppermühle". Im Mai 1945 wurde die Tochter geboren, die sich heute in der gemeinsamen Wohnung um ihre Mutter kümmert.

Von 1989 bis 1993 ist Harding noch einmal für eine lange Zeit nach Oppenrod zurückgekehrt, um ihre hochbetagte Mutter Mascha Lehrmund zu pflegen.

"Während dieser Zeit hat sie in der Miller-Hall in Gießen unseren Jüngsten das Tanzen beigebracht und auch die Abteilung Tanzen der Sportfreunde Oppenrod in der Rahberghalle trainiert", berichtet Renate Renger. Das Foto rechts stammts aus dieser Zeit.

Die Sehnsucht nach dem Ehemann, der Tochter und dem Sohn aus zweiter Ehe veranlasste Harding schließlich, mit ihrer pflegebedürftigen Mutter den Rückflug nach Kalifornien anzutreten.

In Oppenrod wird die Erinnerung an den Unfall vor nun 75 Jahren noch lebendig gehalten: Zum Gedenken der Gefallenen beider Weltkriege wurde 1954 das Ehrenmal auf dem Friedhof in Oppenrod eingeweiht. Zu Ehren von Richard Gräf wurde davor ein Gedenkstein errichtet.

Der Zahn der Zeit hat die Inschrift auf der Platte verblassen lassen. Alfred Mohr hat sich kürzlich darum gekümmert: Nach einer gründlichen Reinigung mit einer Bürste hat der "Ehrenamtler" den Schriftzug mit einer grau-weißen Farbe nachgemalt und die Platte mit Steinpflege behandelt - wie auf dem Foto zu sehen. Nun ist die Schrift wieder gut lesbar. Rund um die Gedenkstätte hat Renate Renger frische Blumen gepflanzt.

siw/FOTOS: SIW/PM

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