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Handarbeit made in Buseck: Seifen von Karfunkel.

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Ohne Mikroplastik: "Karfunkel" stellt in Buseck Seifen und Haarseifen her

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Seit 2006 stellt die "Seifensiederei Karfunkel" in Großen-Buseck handgemachte Seifen her. Besonders beliebt ist eine ganz spezielle Seife.

In der Seifensiederei liegt ein kaum zu beschreibender Duft in der Luft. Er erinnert an einen Mix aus Meer und Kräutergarten, an den Geruch von Herbst und Frühling. Dieses Potpourri an Düften kommt jedoch auf eine so leichte und frische Art daher, dass es angenehm ist.

Der duftende Raum ist der Arbeitsplatz von Heiko Senner und Heidi Lippold. Seit 2006 betreiben sie die Seifensiederei Karfunkel in Großen-Buseck, sind auf Handwerks- und Mittelaltermärkten in der Region unterwegs, verkaufen ihre Produkte auch über das Internet. Die Nachfrage erstaunt Lippold immer wieder: "Wir haben selbst Bestellungen aus Nürnberg, Berlin und Dresden, obwohl wir dort noch nie auf einen Markt waren." Anscheinend suchen die Kunden genau das Produkt, was die beiden Busecker herstellen: Rückfettend, frei von Mikroplastik und mit natürlichen Rohstoffen hergestellt, teils sogar aus biologisch kontrolliertem Anbau.

Eigene Rezepte entwickelt

Alles begann einst mit einem Buch über Seifenherstellung, dass die Tochter mitgebracht hatte. Senner und Lippold probierten die Rezepte darin aus und waren ziemlich unzufrieden. "Viele gingen nicht", sagt Lippold. Statt aufzugeben, lasen die beiden viel über die Materie, feilten immer weiter an Zusammenstellungen und komplexen Rezepten. "Das hat einige Jahre gedauert", sagt Senner.

Die Arbeitsschritte klingen in der Theorie einfach: Als Erstes werden die Fette und Öle erwärmt. Wenn diese wieder auf rund 30 bis 40 Grad abgekühlt sind, wird Natronlauge hinzugefügt. Sofort beginnt der Prozess des Verseifens, eine natürliche chemische Reaktion. "Es bekommt eine Konsistenz wie Puddingsoße", sagt Senner. Diese Seifensoße wird in Formen abgefüllt. Während der Verseifungsprozess weiterläuft, härtet die Seife aus. Nach einem Tag kommen die Rohlinge aus den Formen und dürfen dann nachreifen.

In der Praxis ist dies jedoch wesentlich komplizierter. "Jedes Öl, jedes Fett braucht eine andere Menge Natronlauge, um zu Seife zu werden", erklärt Senner. Zudem soll ein Rest der Öle in der Seife verbleiben, damit diese nicht nur duften, sondern auch überfettet sind, was für die Haut wesentlich angenehmener ist. Die notwendige Menge Lauge wird daher genau berechnet.Wer hier wild drauflos mischt riskiert, etwas zu erschaffen, was die Haut schwer beschädigt, statt ihr zu schmeicheln.

Sicherheitsbewertung durch Labor

In Deutschland dürfen darum nur Seifen verkauft werden, die eine Sicherheitsbewertung von einem Labor erhalten haben. Das Verfahren ist teuer, zumal es von jeder neuen Rezeptur durchlaufen werden muss. Daher haben die beiden ihr Sortiment auf 25 verschiedene Seifen begrenzt. "Karfunkel" stellt zudem von jeder Charge ein Exemplar als Vergleichsstück zurück, falls es doch mal zu Problemen kommen sollte. Bis jetzt haben sie diese Probe allerdings nie gebraucht.

Wer sich über die Inhaltsstoffe informieren will, findet diese auf einem Zettel, der jeder Seife beiliegt. Eigentlich sind die Kennzeichnungen nur auf Latein vorgeschrieben, "Karfunkel" druckt jedoch auch die deutschen Namen der Inhaltsstoffe. "Die Leute wissen so, was es ist", sagt Senner. Gerade Menschen mit Allergien würden dies sehr schätzen. So verwundert es kaum, dass die Dermitis-Creme-Seife eine der meistverkauften ist. Sie enthält ätherische Öle, etwa Schwarzkümmel- und Hanföl, die eine hautberuhigende Wirkung haben. Ohne Farbstoffe hergestellt wird sie besonders von Menschen mit Hautproblemen geschätzt, erklärt Senner.

Haarseife besonders beliebt

Doch den Spitzenplatz hat die Haarseife inne. An diese Sorte hatten Senner und Lippold früher nie gedacht. "Aber da gab es eine Kundin, die bei jedem Markt zu uns kam und fragte: ›Habt ihr denn jetzt Haarseife?‹ Da haben wir uns dann entschlossen, eine herzustellen", erzählt Senner. Eine gute Entscheidung, allein dieses Jahr musste "Karfunkel" mehrfach neue Chargen herstellen. Zum einen ist die Seife besonders angenehm für die Kopfhaut und die Haare. Zum anderen profitiert "Karfunkel" von einem Trend: "Die Leute achten mehr darauf, Produkte ohne Mikroplastik zu kaufen und Plastikmüll zu vermeiden", sagt Senner. Das kommt der Seifensiederei entgegen.

Eine Besonderheit sind auch die Salzseifen. Ihre Herstellung braucht reichlich handwerkliches Geschick. Um dafür zu sorgen, dass auch diese frei von Mikroplastik sind, müssen Senner und Lippold mittlerweile auf Tiefensolensalz statt auf Meersalz zurückgreifen. "Selbst im Meersalz ist mittlerweile Mikroplastik", sagt Senner.

Welche der 25 Seifensorten liegt eigentlich bei Senner und Lippold im Bad? "Das ist verschieden, wir probieren jede Charge aus", sagt Lippold. Sie selbst mag besonders die Tea-Time- und die Schokoladenseife. Heiko Senner hingegen freut sich vor allem über die Patchoulieseife: "Das ist der Duft der Hippiezeit."

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Die Seifensiederei "Karfunkel" ist nicht nur im Internet unter www.karfunkel- naturseifen.de zu finden. Sie ist auch am Sonntag, 6. Oktober, auf dem Kürbisfest in Langsdorf sowie am 10. November beim Kreativmarkt in Ettingshausen mit einem Stand vertreten. Dabei kann man alle 25 Seifensorten beschnuppern.

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