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Ortstermin: Wo früher mutmaßlich Atomsprengköpfe der US-Armee lagerten, im ehemaligen NATO-Sondermunitionsbunker des früheren Depots in der Hainbach, ist ein Winterquartier für Fledermäuse und Amphibien entstanden.

Natur erobert alte Bunker

  • VonVolker Heller
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Buseck (vh). Eidechsen statt MG-Schützen und Fledermäuse statt Atomsprengköpfe bevölkern mittlerweile das Gelände der ehemaligen NATO-Sondermunitions-Bunker auf dem früheren Depotgelände in der Hainbach zwischen Alten-Buseck und Daubringen. Die beiden Betonbunker, Hinterlassenschaft der US-Army, wurden jetzt offiziell als Fledermaus-Domizile vorgestellt.

Beim Pressetermin stellte man fest: Wachtürme und Funktionsgebäude wurden abgerissen. Die belebte Natur eroberte das Areal zurück. Hierzu zählen Arten von Amphibien, Reptilien, Vögel, Schmetterlinge und Fledermäuse. Außerhalb des Zauns, der weiterhin das Gelände umschließt, liegt nachbarschaftlich das FFH-Gebiet »Feuchtwiesen bei Daubringen«.

Gut fürs Ökokonto

Patrick Wiedorn von der Landschaftspflegevereinigung (LPV) Gießen erläuterte, man habe den Rückbau begleitet und engagiere sich hier seitdem (2018). Auf der Fläche weiden Rinder; deren Hinterlassenschaften seien unübersehbar. Auf dem Ökokonto hätten sich unterdessen Punkte im Gegenwert von 25 000 Euro angesammelt. In die Laufgräben zwischen den MG-Stellungen sei Gleisschotter eingebracht worden. Hier haben Eidechsen ihr Domizil.

Ein Bunker wird näher besichtigt. Seine Einfahrt wurde zugemauert. Eine Tür ist vorhanden, es gibt Einflugsspalten im oberen Bereich für Fledermäuse. Manchmal kommt auch ein Vogel zum Nestbau herein. Ebenerdige Schlupflöcher laden Amphibien ein.

Innen hängen an der Bunkerdecke Hohlblocksteine. Sie dienen Fledermäusen als Winterquartier. Zwischen Schotter und Steinen auf dem Boden können die Amphibien überwintern. Eine Art Trichter auf dem Bunkerdach sammelt Regenwasser und leitet es hinab, denn die tierischen Gäste wünschen eine eher feuchte Umgebung. An der Außenwand des Bunkers hängen zusätzlich noch vier Sommerquartiere für die Kleinsäuger.

Hohe Anschaffungskosten und lange Lieferzeiten haben Busecks Bürgermeister Dirk Haas von einer Bestellung im Fachhandel abgehalten. Stattdessen orderte Karlheinz Volk (Generationenwerkstatt) über einen Freund Holzmaterial aus Beständen der ehemaligen Schreinerei Arnold.

Robert Havemann, Lehrer an der IGS Busecker Tal und Leiter der AG Holz der Generationenwerkstatt (an der Schule), zimmerte die gewünschten Unterkünfte für eine Fledermaus-Siesta. Schulleiter Dieter Maier findet diese Zusammenarbeit von jungen und alten Menschen gut, für beide vorteilhaft. Havemann sei die personelle Schnittstelle zwischen der Schule und dem handwerklichen Bereich der Generationenwerkstatt. Haas erweiterte den Kreis der bereits angesprochenen Verzahnung um die Bauabteilung der Gemeinde mit Michael Thelen und der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Gießen.

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