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Ulli Nass taucht tief in die Musikgeschichte ein.

Musizieren im offenen Scheunentor

  • VonSiglinde Wagner
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Buseck (siw). Der Vision des Fördervereins Brandsburgscheune, das Bauwerk zu einer Begegnungsstätte zu machen, ist man mit der Erstveranstaltung am Mittwoch einen großen Schritt nähergekommen. Für Ulli Nass war es ein Heimspiel. »Für mich ist das ein besonderer Ort, denn hier habe ich in den 50er Jahren gespielt. Wir waren alle Gassebuben, ständig draußen.

Fernsehen gab es nur beim Nachbarn oder im Wirtshaus. Telefonieren konnte man beim Arzt und in der Bürgermeisterei«, erzählte er. »Das Klo befand sich auf dem Hof, und anstatt feinem Toilettenpapier musste die Zeitung von gestern herhalten.« Passend dazu das Intro vom kleinen Jungen aus einem kleinen Ort, fast erwachsen, will er nie wieder fort - mit dem Refrain: »En Gassebub bin ich immer geblieben«.

»Lucky Lips«, ein Song von Cliff Richard, »Movie Star« von Harpo, »It never rains in Southern California« von Albert Hammond, »Yesterday« und »Blackbird« von den Beatles folgten. Dazu klang Vogelgezwitscher aus der alten Linde, die einen Steinwurf von der Brandsburgscheune entfernt steht und zum besonderen Ambiente beiträgt.

Eigene Texte erhielten die Aufmerksamkeit der Zuhörer. So hatte Nass auf die eingängige Melodie »Aber dich gibt’s nur einmal für mich« die Vermüllung angeprangert. Ausschnitte hieraus gefällig? »Es gibt zu viel Plastik auf Erden, zu viel Menschen, die nicht klüger werden, … es gibt kaum Bienen, die summen - und die Ärmsten der Armen sind auf ewig die Dummen, ... jeder weiß, der Globus läuft heiß.«

Um die düsteren Gedanken zu vertreiben, schwamm der Musiker danach auf der »Neuen deutschen Welle«. Er sang vom »Sternenhimmel« und über den »Skandal im Sperrbezirk«. Zum Konzertende ging es mit »Sunny Afternoon« (Kinks) und »Sorry, Susan« (Hollies) zurück in das eher von ihm gewohnte Genre.

Kultur am Standort etablieren

Musizieren im offenen Scheunentor anstatt auf einer Bühne, das hatte einen gewissen Charme. Für Nass war es der erste Soloauftritt, und »ziemlich ungewohnt« ohne seine Musikerkollegen Dieter »Jerry« Faust, Rudi Hummer und Michael Faust. Mit ihnen hatte er zuletzt als »Bad Boy« im Februar 2020 ein Konzert in Krumbach gegeben. Dann kamen das Virus und viele auftrittsfreie Monate.

Die Stühle, 50 an der Zahl, waren allesamt besetzt. Und dies, obwohl es stürmisch und herbstlich kühl war. Begrüßt wurden die Besucher vom Vereinsvorsitzenden Jürgen Herfurth, der ebenso wie Bürgermeister Dirk Haas auf die Sanierungsarbeiten - vollendet und geplant - der etwa 1740 errichteten und denkmalgeschützten Brandsburgscheune einging. Die ersten Maßnahmen waren die Dacharbeiten. 8160 rostbraune Biberschwanzziegel aus dem Naturmaterial Ton wurden für ein neues Dach verbaut, dazu mit anderthalb Kubikmeter Holz der Dachstuhl stabilisiert. Im zweiten Bauabschnitt soll die verschieferte Fassade an der West- und Südseite der Scheune nach historischem Vorbild erneuert werden. Hierfür liegt ein Kostenvoranschlag über 70 000 Euro vor.

Haas sagte, er würde sich freuen, wenn sich an und in der Brandsburgscheune regelmäßige Kulturveranstaltungen ähnlich wie bei »Musik im Schlosspark« von Großen-Buseck auch in Alten-Buseck etablieren könnten.

Die nächste Veranstaltung findet am Tag des offenen Denkmals am 12. September statt.

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