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In der Kinderimkerei des Beuerner Pfadfinder-Stamms Wikinger wird jedes Jahr Honig gewonnen.

Mit Krebsen und Bienen vertraut

  • vonConstantin Hoppe
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Buseck (con). Mitten im Grünen. Der Wind rauscht über die Felder, Bienen summen, Vögel zwitschern, im Bachlauf krabbeln einige Krebse umher. Dazu ist Kinderlachen zu hören. Hier, am Badeplatz am Ortsrand von Beuern und direkt am Krebsbach, haben die Pfadfinder vom Stamm Wikinger seit fast 20 Jahren ihr Lager aufgeschlagen. Seit seiner Gründung wird der Verein vor allem durch das Engagement der jugendlichen Mitglieder getragen, die ihre Aktionen meist selbst organisieren und sich für vielfältige Anliegen wie den Naturschutz und soziale Belange einsetzen.

Gerade dieses Engagement ist es auch, das ihnen in diesem Jahr den Jugend-Engagement-Preis des Landkreises Gießen einbrachte. 2020 hat der Kreis erstmals den Jugend-Engagement-Preis ausgelobt. Mit dieser gemeinsamen Idee von Jugenddezernent Hans-Peter Stock und Landrätin Anita Schneider soll auf das Jugendengagement aufmerksam gemacht und dieses gleichzeitig auch gefördert werden. »Beim ersten Mal wollte wir ein besonderes Augenmerk auf Organisationen richten, die mit Jugendlichen oder Kindern arbeiten - und dazu gehören auch die Pfadfinder«, erklärte Schneider bei einem Besuch im Beuerner Pfadfinderlager am Samstag. Die Preisverleihung hatte bereits Anfang Mai coronakonform per Videokonferenz stattgefunden, nun wollte sich die Landrätin einen Überblick über die Arbeit vor Ort verschaffen.

200 Kilogramm Honig pro Jahr

Und zu sehen gibt es hier viel: Die Pfadfinder haben hier gleich mehrere Bienenvölker, die sie in Eigenregie in ihrer Kinderimkerei versorgen. Sie gewinnen den Honig aus den Bienenwaben, gleichzeitig werden Kinder ab dem Grundschulalter an die Bedeutung der Bienen für die Umwelt herangeführt. Rund 200 Kilogramm Honig kommen dabei in den meisten Jahren zusammen, die der Verein dann über die örtlichen Vereine oder am Weihnachtsmarkt verkaufen kann.

Eine weitere Initiative, die inzwischen seit acht Jahren läuft, ist das Krebsprojekt am Krebsbach: 2013 setzten die Pfadfinder hier erstmals Sömmerlinge aus. Das sind junge Krebse, die den heimischen Edelkrebsbestand wieder herstellen sollten. Und das Projekt zeigte bereits einige Erfolge: Mittlerweile wurden Edelkrebse auch in Trohe gefunden, manche wandern sogar bis in die Wieseck. Immer wieder einmal gehen den Pfadfindern bei ihren Kontrollen auch Eier tragende Krebsweibchen in die Reusen. »Das bedeutet, dass wir hier eine selbstreproduzierende Population geschaffen haben«, berichtet Lars Peters, der mit seiner Jugendgruppe vor acht Jahren mit dem Projekt begonnen hat. Gerade mit diesem Projekt leisten die Pfadfinder in Beuern einen großen Beitrag zum Artenschutz, denn der Edelkrebs ist mittlerweile wegen invasiver Arten wie dem Signalkrebs und der von diesem mit eingeschleppten Krebspest vom Aussterben bedroht. Und mit der nun erfolgten Renaturierung des Krebsbachs findet er in Zukunft vielleicht noch weiteren Lebensraum in und um Beuern.

Der erste Platz beim Jugend-Engagement-Preis ist aber nicht nur eine ideelle Auszeichnung für den Verein, sondern auch mit 1500 Euro dotiert - Geld, das die Pfadfinder vom Stamm Wikinger gut gebrauchen können, wie Stammesführer Marcel Schwalb vor Ort mitteilte: »Wir freuen uns sehr. Wir starten immer wieder neue Projekte für die Kinder - wie beispielsweise einen Theaterwagen - und dafür brauchen wir eben auch Geld.« Zudem steht vom 17. bis 19. September in diesem Jahr ein Jubiläumswochenende zur Feier des 20. Geburtstags der Pfadfindergruppe an - auch dafür laufen bereits die Planungen.

Die Pfadfinder kümmern sich auch um Edelkrebse.

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