Mehr Mitbestimmung

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Buseck/Gießen (pm). Im ersten Moment mag sich jenes Prädikat überaus theoretisch anhören: Buseck ist die erste »jugendgerechte Gemeinde« im Landkreis Gießen. Die Verantwortlichen der Gemeinde und des Landkreises haben eine entsprechende Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Doch das hat durchaus auch praktische Auswirkungen auf das Leben der Kinder und Jugendlichen in Buseck.

Sie sind eingeladen, sich zukünftig noch wirksamer an Diskursen und Entscheidungen zu beteiligen, und können somit auf das Dasein in der Gemeinde Einfluss nehmen.

»Wir müssen Jugendlichen möglichst früh die Möglichkeit geben, ihr Umfeld mitgestalten zu können. Wenn wir es schaffen, junge Menschen in politische Prozesse einzubeziehen, gewinnen wir sie auch für unsere Demokratie«, sagt Landrätin Anita Schneider.

Die landkreisweite Initiative »Jugendgerechte Städte und Gemeinden - jugendgerechter Landkreis Gießen« ist aus der kommunalen Jugendarbeit entstanden. Zusammen mit den Kommunen sollen die Beteiligung junger Menschen und die Jugendpolitik vor Ort vorangebracht werden.

Gerade vor dem Hintergrund einer älter werdenden Gesellschaft stehen Politiker nicht nur hierzulande vor der Herausforderung, die junge Generation wirksam zu beteiligen und für einen fairen Ausgleich und bedarfsgerechte Angebote für junge Menschen zu sorgen. Jugendbeiräte und andere Beteiligungsformate sind dabei nur ein Baustein für mehr Mitbestimmung.

Die Gemeinde Buseck gehe mit gutem Beispiel voran, lobt Ingrid Macht, Team-Leiterin der Kreis-Jugendförderung, die die Initiative federführend begleitet. »In Fragen der Jugendbeteiligung läuft in Buseck vieles schon sehr gut. Es gibt einen ausgesprochen engagierten Kinder- und Jugendbeirat, der in der Region seinesgleichen sucht«, sagt Macht.

Busecks Bürgermeister Dirk Haas macht dafür vor allem sein Team um Jugendpfleger Andreas Geck (»Er macht sich in der Gemeinde seit vielen Jahren für den Kinder- und Jugendbeirat stark und hat schon manche Lanze für die junge Generation gebrochen«) und den Jugendbeauftragten Norbert Weigelt verantwortlich.

»Ohne diese Unterstützung und qualifizierte Ansprechpersonen würde die Meinung der Kinder und Jugendlichen ungehört verklingen«, sagt auch Jugenddezernent Hans-Peter Stock. Dass dies überhaupt so möglich ist, sei dem Statement der Gemeinde Buseck zu verdanken, personell und finanziell in die Jugendarbeit zu investieren.

Die Jungendarbeit in Buseck soll zukünftig gar noch ausgebaut werden. In der jüngst unterzeichneten Kooperationsvereinbarung ist eine dauerhafte Zusammenarbeit festgeschrieben. Buseck verpflichtet sich unter anderem, die Jugendbeteiligung weiterzuentwickeln und regelhaft einen Jugendbeauftragten zu benennen. Der Kreis begleitet dieses Vorhaben, berät und unterstützt. Zudem wird es Qualifizierungsseminare geben.

Mit Abschluss dieser Kooperationsvereinbarung erlangt die Gemeinde darüber hinaus die Berechtigung, Projektmittel des Landkreises für dieses Vorhaben zu beantragen.

Zu den anstehenden Themen gehören etwa die Planungen rund um das Freibad und den neuen Spielplatz in Großen-Buseck. Auch die Zusammenarbeit zum Themenfeld »Demokratie und demokratische Strukturen in der Kommune« mit der Gesamtschule in Buseck sei eine Aufgabe, heißt es in einer Pressemitteilung. Zum Jahresende finden außerdem die Wahlen zum zwölften Kinder- und Jugendbeirat statt. Und nicht zuletzt für die Kommunalwahl in zehn Tagen sei es gelungen, viele jugendliche Erstwähler in den Ablauf des Wahl- und Auszählungsverfahrens einzubinden.

Demnächst möchte der Landkreis mit weiteren Städten und Gemeinden die Kooperationsvereinbarung fassen, damit die junge Generation flächendeckend erlebt, dass Partizipation möglich ist. »Wenn Kinder und Jugendliche erfahren, dass ihr Engagement wirkt, wird auch ein Zugehörigkeitsgefühl und Verantwortung für die Gemeinde erzeugt«, sagt Macht. Dies sei wiederum eine gute Voraussetzung, sich dort auch langfristig zu engagieren - ob in der Kommunalpolitik, im Verein oder im nachbarschaftlichen Miteinander. »Wir brauchen für unsere Gesellschaft starke junge Menschen.«

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