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Siegbert Schefke berichtet von einem Staat, in dem Meinungen und Presse kontrolliert wurden.

Mauerfall und Ostrock

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Buseck (siw). Im Herbst vor 30 Jahren ist die Mauer gefallen. Siegbert Schefke hat als ehemals aktiver DDR-Bürgerrechtler mit dem Film über die Proteste am 9. Oktober 1989 in Leipzig zur "Wende" beigetragen. Am Sonntag berichtete er im Kulturzentrum aus seinem Leben. Die Probleme, als Regimekritiker studieren zu dürfen, seiner Mitgliedschaft in der Umweltbibliothek von Ost-Berlin und die schwierige Beschaffung einer Kamera, mit der die heimlichen Filmaufnahmen gemacht wurden, standen im Fokus. Diese drehte er zusammen mit Aram Radomski.

Es waren 25 Filme, die die angeblich nicht vorhandenen Missstände in der DDR dokumentierten. Obwohl intensiv durch die Staatssicherheit überwacht, gelang es Schefke, das Material den westlichen Medien zuzuspielen.

Der Film über die Montagsdemonstration mit 70 000 Menschen in Leipzig vom 9. Oktober 1989 sorgte für große Aufregung dies- und jenseits der Mauer. Aufgenommen wurde er von Schefke und Radomski von einem Kirchturm aus. "Tags darauf wurde in den ARD-Tagesthemen unser Film ausgestrahlt und von einem italienischen Team gesprochen, die vor Ort gedreht hätten", erzählt Schefke. "Damit wollte man uns schützen." Ulrich Schwarz, der für den "Spiegel" aus der DDR berichtete, hatte die Kassette in seiner Unterhose versteckt in den Westen geschmuggelt.

Später wurde Schefke für seine Verdienste um die Deutsche Einheit mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Als Zeitzeuge hält der Fernsehjournalist Vorträge an Schulen, Fachinstituten und Universitäten in den USA und Europa. Sein Thema: "Wie Zivilcourage die Gesellschaft in der DDR wandelte". Schefke: "Niemals wieder möchte ich von einem Staat gezwungen werden, mich vollkommener Presse-, Reise- und Meinungskontrolle unterwerfen zu müssen. Damit stempelt er nicht nur die Bürger unmündig, sondern schränkt sie in ihrer persönlichen Entwicklung und Freiheit massiv ein."

Lieder von "Karat"

Zwei Stunden berichtete Schefke von den spannenden Ereignissen im Herbst 1989, erzählt auch, wie aus einem Eberswalder Maurersohn ein Kritiker des DDR-Regimes wurde und von der Oma in West-Deutschland. "Als Kind habe ich mich gefragt: Wird Oma noch leben, wenn ich sie frühestens im Rentenalter in Recklingshausen besuchen darf?" Die Oma wurde 95 Jahre alt, so hatten sie noch fünf Jahre. Sein Vater hat sich sein Leben lang geärgert, dass er sich nicht wie seine Geschwister "rüber gemacht" hat.

Nur wenige Fragen wurden gestellt. Es war vieles, aber sicherlich nicht alles gesagt. Wer das Gesagte vertiefen und noch mehr erfahren wollte, stellte sich am Büchertisch an. Hier fand sein Buch "Als die Angst die Seite wechselte - Die Macht der verbotenen Bilder" zahlreiche Käufer.

Die Musiker Jürgen Litzka, Matthias Karle, Bruno Frank und Niko Seim schürten währenddessen Nostalgiegefühle bei den Ostrockfans. Als Formation "Bandsalad" spielten sie die Kultsongs der Puhdys, "City", "Karat" und Gerhard Gundermann aus der Zeit, als Deutschland noch geteilt war. Als am Ende "Über sieben Brücken musst du gehen" erklang, gingen im Publikum die Taschenlampen der Handys an, alle sangen mit.

Leihgaben aus dem Grenzmuseum Tann/Rhön wie Wandtafeln, Schilder und ein Stück Grenzzaun machten die Geschichte erfahrbar. Puppen in der Uniform der Grenzsoldaten, das große Banner mit Trabi und Bruderkuss verfehlten ihre Wirkung auf die etwa 100 Besucher nicht. Der von Andrea Grube künstlerisch gestaltete "Mauerfall-Trabi" von Manfred Wagner (Bersrod) zog im Saal die Blicke auf sich.

Der Heimatkundliche Arbeitskreis Buseck, der Heimatverein Beuern und die Heimatgeschichtliche Vereinigung Reiskirchen unterstützten die Veranstaltung der Gemeinde Buseck.

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