Massive Eltern-Vorwürfe gegen Kita-Leitung in Oppenrod

Buseck (rüg). "An wen sollen wir uns denn wenden?" – Die Frage, die am Donnerstagabend im Sitzungszimmer der Rahberghalle in der Runde der 14 Mütter und zwei Väter mehrfach gestellt wurde, zeigte eine deutliche Hilflosigkeit. Die Eltern der Kita "Pusteblume" in Oppenrod beschweren über die Leiterin und die Verwaltung.

Die Kita-Leiterin mobbe ihre Mitarbeiterinnen und schikaniere die Kinder. Bürgermeister und Personalamt seien seit langem über die Vorkommnisse informiert, stellten sich aber bisher schützend vor die Leiterin, machten durch Zwangsversetzungen von Erzieherinnen "Opfer zu Tätern". Mit anwesend bei dem Gespräch am Donnerstag waren Mitglieder aller im Parlament vertretenen Parteien. Doch auch für sie musste Parlamentsvorsitzender Weigelt eine gewisse Hilflosigkeit bekennen: Die Gemeindevertretung verfüge nicht über die Kompetenz, in Personalangelegenheiten zu agieren, für die Personalführung sei ausschließlich der Bürgermeister zuständig.

Als Beispiele für die "diktatorische Struktur" der Leiterin, die sich allerdings seit Anfang November im Krankenstand bzw. zu einem Kuraufenthalt befindet, nannte eine Mutter den Zwang auch älterer Kinder zum Mittagsschlaf, die Verweigerung von Getränken und dass Kinder schon lange vor der Abholzeit Nachmittag "gestiefelt und gespornt" und im Winter "dick eingepackt, im eigenen Saft schmorend" warteten statt betreut zu werden. "Das ist für mich Aufbewahrung, nicht sinnvolle Beschäftigung.

Eine andere Mutter kritisierte die beleidigende Art der Leiterin gegenüber ihr und einer Therapeutin in einen Gespräch zur Unterbringung der Tochter als Integrationskind. Das Mädchen besuche nun einen Kindergarten in Reiskirchen. Die Schuld dafür habe die Leiterin Erzieherinnen angeheftet.

Weitere Kritikpunkte: Die Kita-Leiterin reagiere auf Beschwerden der Eltern mit Benachteiligung der jeweiligen Kinder (z. B. durch Ausschluss von Theaterspielen), sie maßregele sie nur aufgrund von Vermutungen, etwas "verbockt" zu haben. Sie mobbe ihre Mitarbeiterinnen, die sich schützend vor die Kinder gestellt hätten und denunziere ihr Team sogar in der Öffentlichkeit.

Das Mobbing, so die Eltern, sei soweit gegangen, dass Erzieherinnen krank wurden, kündigten oder aufgrund ihres Widerstands gegen die Leiterin von der Gemeinde zwangsversetzt wurden. Es gebe eine hohe Fluktuation. Diese sorge für ständigen ersatzweisen Betreuerinnenwechsel, die Kinder hätten keine Bezugspersonen mehr, manche gingen nur noch mit Angst in die Kita oder wollten gar nicht mehr gehen.

"Mobbing-Opfer zu Tätern gemacht"

Die Kita-Leiterin habe sich außerdem nicht an die in Gesprächen mit den Eltern getroffenen Vereinbarungen gehalten und weitergemacht wie vorher. Seitens der Gemeinde (Bürgermeister, Personalamtsleiterin) sei nichts gegen diese Zustände unternommen worden, im Gegenteil: Die Kita-Leiterin habe bis vor kurzem sogar noch Rückendeckung erhalten.

"Es kann doch nicht sein, dass wegen einer wiederholt außer Kontrolle geratenen Kindergartenleiterin das gesamte Team auseinandergerissen wird. Das Erzieherinnenteam, wie es war, hat ausgesprochen gut harmoniert und sehr viel für die Kinder getan. Die Damen haben sich sogar noch vor die Kinder gestellt, als sie selbst kaum noch Kraft dazu hatten", so die Eltern.

Obwohl die Kita-Leiterin seit Anfang November krank geschrieben ist, sei keine positive Veränderung zu erkennen, die Verwaltung "schlägt in die gleiche Kerbe": "Die Erzieherinnen als Opfer von Mobbing und Machtmissbrauch wurden zu Tätern gemacht", lautet ein weiterer Vorwurf.

Die Kita-Leiterin habe vor 13 Jahren wegen ebensolcher Vorwürfe als Leiterin der Kita in Alten-Buseck in der Kritik gestanden. Der Bürgermeister habe in einem Gespräch mit den Eltern der "Pusteblume geäußert": "Das sind ja Zustände wie damals in Alten-Buseck!", reagiere aber nicht.

Die Verwaltung habe seit fünf Wochen die Kommunikation mit den Eltern eingestellt, nachdem erste kritische Leserbriefe zu dem Thema veröffentlicht wurden.

Erst am Donnerstag sei eine Antwort auf mehrere Anfragen eingegangen. Darin heiße es, es habe sich ein neues Team "engagierter Erzieherinnen zusammengefunden, die die Kinder liebevoll und herzlich betreuen. (…) Das Team wünscht sich nun, dass es seine pädagogische Arbeit im Interesse der Kinder ungestört erledigen kann, bei Bedarf sehr gerne mit Unterstützung der Eltern. Das Team hat eine Chance verdient." Es werde darum gebeten, weitere "Angriffe" auf Mitarbeiter(innen) der Gemeinde zu unterlassen.

Weiterhin zitierte eine Mutter: "Sollten Sie dennoch weiterhin Bedenken haben, dass ihr Kind in der Kindertagesstätte Pusteblume in Oppenrod nicht richtig betreut wird, steht es Ihnen frei, Ihr Kind jederzeit in einer anderen Kindertagesstätte betreuen zu lassen." Das heiße: "Klappe halten oder gehen!"

"Man wird von jüngeren Eltern gefragt, ob man sein Kind dorthin geben könne. Es fällt einem schwer, da positiv zu antworten", meinte ein Vater

"Strafversetzungen zurücknehmen"

Die Eltern fordern deshalb die Rücknahme der "Strafversetzungen", soweit dies noch möglich ist, die Verwaltung müsse sich bei den betroffenen Erzieherinnen entschuldigen und eine Mediation in Anspruch nehmen. Es müsse wieder Ruhe in der Kita eintreten, die Kinder müssten wieder feste Bezugspersonen haben. Zuletzt sei es so gewesen, dass man nicht wusste, wem man sein Kind in Obhut gegeben habe, da das Betreuungspersonal ständig wechselte, kritisierte eine Mutter.

Nach einer von Oliver Steinbach (CDU-Fraktionsvorsitzender) angeregten Unterbrechung erklärte Parlamentsvorsitzender Norbert Weigelt (SPD) für die Fraktionsvertreter: Man nehme die Kritik sehr ernst und werde dies im Rahmen der Möglichkeiten thematisieren und ein Gespräch mit dem Gemeindevorstand führen. Man wolle die Ziele der Eltern unterstützen. Aber auch wenn es nachvollziehbar sei, dass die Emotionen hochschlagen, müsse das Thema wieder auf eine sachliche Ebene geführt werden. "Es ist gut, dass Sie Ziele formuliert haben. Das hilft uns für die Gespräche."

Für Bürgermeister Erhard Reinl stellt sich die Frage, was noch aktuell ist: "Die Probleme, die am Donnerstagabend in Bezug auf die Leiterin angesprochen wurden gehören inzwischen der Vergangenheit an. Es waren zwar bedeutsame Dinge, haben aber nichts mehr mit der gegenwärtigen Situation in der Einrichtung zu tun. Es wurden kein Opfer zum Tätern gemacht. Es stellt sich die Frage, was mit der Aussage gemeint ist, dass keine positiven Veränderungen zu erkennen sind. Die Erzieherinnen, die gegenwärtig in der Einrichtung sind, machen pädagogisch gute Arbeit", erklärte der Bürgermeister auf Anfrage der Gießener Allgemeinen Zeitung.

Reinl: "Keine Strafversetzungen"

So habe man im Mai 2012 auch das Problem mit der Mittagsruhe "für jeden akzeptabel" im Gespräch gelöst. Es habe auch keine Strafversetzungen gegeben. Drei Erzieherinnen hätten einen Antrag auf Versetzung gestellt (laut Eltern auf Anraten des Personalrats). "Für alle Erzieherinnen, die bei der Gemeinde Buseck beschäftigt sind, gilt, dass sie keiner bestimmten Einrichtung zugeordnet sind. Der Einsatzort ist Buseck. Somit konnte dem Wunsch einer Erzieherin entsprochen werden. Diese wurde in einer anderen Kita eingesetzt. Zwei dieser Erzieherinnen sind in der Einrichtung geblieben und haben ihre Versetzungsanträge zurückgezogen", so Reinl.

Eine weitere Erzieherin sei in Beuern eingesetzt worden, da in dieser fünfgruppigen Kita schon seit geraumer Zeit Bedarf bestand. Zwei Erzieherinnen konnten allerdings krankheitsbedingt ihren Dienst in Oppenrod zunächst nicht verrichten.

Die Erzieherin, die in Beuern eingesetzt wurde, habe die Gemeinde zwischenzeitlich verlassen und sei Leiterin einer Einrichtung in Gießen. Eine andere Erzieherin habe den Eltern bereits mitgeteilt, dass sie ihre Entscheidung zum Wechsel "für sich" getroffen habe. Die Gemeinde sei diesem Wunsch nachgekommen. Von insgesamt sechs Erzieherinnen inklusive der Leiterin seien bei 22 zu betreuenden Kindern in zwei Gruppen drei Erzieherinnen in der Oppenröder Einrichtung geblieben, die schon mindestens ein Jahr dort gearbeitet hätten, unterstrich der Bürgermeister. Leider seit eine dieser Erzieherinnen schon länger erkrankt. Seit zwei Monaten sei eine weitere dort eingesetzt, eine weitere sei durch einen Unfall ausgefallen.

Reinl: "Es bleibt also festzuhalten, dass vonseiten der Gemeinde grundsätzlich drei Bezugspersonen in der Einrichtung beschäftigt waren, die auch für die Kinder dagewesen sind. Lediglich krankheitsbedingt erfolgte in den letzten zwei Monaten ein ersatzweiser Betreuerwechsel. Zum 1. Januar wurde eine weitere Erzieherin eingestellt. Die Kinder haben ihre Bezugspersonen in der Vergangenheit und auch aktuell. Die Kinder fühlen sich in der Einrichtung laut Aussage der Erzieherinnen wohl."

Bezüglich früherer Vorkommnisse mit der Kindergartenleiterin habe er gesagt: "Die geschilderten Darstellungen erinnern mich an Alten-Buseck". Die Personalamtsleiterin habe gegenüber den Eltern jedoch nicht geäußert, sie sollen Ruhe geben. "Sie äußerte, dass, wenn die Eltern in der Einrichtung unzufrieden seien, immer die Möglichkeit besteht, die Einrichtung zu wechseln. Dies ist allerdings eine grundsätzliche Aussage, die für alle Kindertagesstätten zutrifft."

Schließlich verweist Reinl darauf, dass die Fachaufsicht des Landkreises eingeschaltet wurde, "mit dem Ergebnis, dass der Fachkraftschlüssel aufgrund der MindestVO in der Kindertagesstätte gegeben ist und dass ein Mediationsverfahren vorgeschlagen wurde."

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