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Zwei Männer, eine Idee: Gemeinsam mit Tim Suske (r.) hat Christopher Eichhorn Cabinski gegründet. Die ersten zehn Minimalhäuser eröffnen im Juni.

Von Buseck ins Montafon

Liebe auf den zweiten Blick: Wie Christopher Eichhorn nach Österreich kam

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Mit drei Jahren stand er erstmals auf Skiern. Besonders toll fand der Busecker das nicht. Heute lebt Christopher Eichhorn in Österreich und verdient mit der Wintersport-Leidenschaft anderer sein Geld.

Den Unternehmer hat Christopher Eichhorn im Blut. Die Heizungsbaufirma seines Vaters zu übernehmen, kam für ihn dennoch nicht in Frage. Nicht, weil er körperliche Arbeit scheut. Sondern weil er lieber Visionen spinnt und umsetzt, wie er sagt. Der 31-Jährige hat sich eine Existenz in der österreichischen Tourismusbranche aufgebaut. In St. Gallenkirch, einer 2000-Seelen-Gemeinde im Voralberg, gehört ihm das Hideout Montafon Bed and Breakfast. Außerdem führt er das Gruppenhaus Reinhilde, das Platz für 50 Selbstversorger bietet. Und gemeinsam mit seinem Freund Tim Suske, ebenfalls in Großen-Buseck aufgewachsen, hat er bereits die nächste touristische Geschäftsidee am Start: Minimalhäuser in modularer Bauweise: Cabinski heißen sie. Im kommenden Jahr werden die beiden Unternehmer, die die Leidenschaft für den Wintersport verbindet, zehn davon eröffnen.

Seine Liebe zum Skifahren ist der Hauptgrund dafür, dass Christopher Eichhorn heute in Österreich lebt. Entdeckt hat er sie erst auf den zweiten Blick. "Mein Vater hat mir sie quasi in die Wiege gelegt", erzählt Eichhorn. Allerdings habe er anfangs nichts damit anfangen können. Erst später, als er regelmäßig mit dem Busecker Skiclub Ferien machte, fing er Feuer. Vor 13 Jahren war Eichhorn dann zum ersten Mal im Montafon. Dort lernte er einen Darmstädter kennen, der gerade sein eigenes Hotel eröffnet hatte. Eichhorn heuerte bei ihm als Tellerwäscher an. Doch die beiden Hessen verstanden sich so gut, dass der Busecker fortan regelmäßig kam. Außerdem begann er ein BWL-Studium mit Schwerpunkt Hotel und Tourismus und dem Darmstädter als seinem Mentor. Noch während der Hochschulausbildung machte Eichhorn sich selbstständig, gründete eine Reiseveranstaltungsfirma mit dem Namen Goskiing.

2017 übernahm er im Montafon das Gruppenhaus Reinhilde, das einzige für Selbstversorger in der Gegend. Ein Jahr wohnte Eichhorn selbst dort, dann kaufte er sich ein Haus. Doch auch dort ist während der Saison ein ständiges Kommen und Gehen. Denn das Hideout bietet in fünf Doppelzimmern und einem Apartment Bed and Breakfast für Outdoorsportbegeisterte. Damit nicht genug. Ab Juni 2020 hat er ein weiteres touristisches Angebot im Programm: Cabinski Montafon.

Die Idee dazu kam Eichhorn und Suske, die sich - obwohl in Großen-Buseck unweit voneinander aufgewachsen - erst vor sechs Jahren bei einem Skiurlaub richtig kennengelernt hatten, "bei einer witzigen Bierrunde", erzählt Eichhorn. Anlass war die Pachtoption für eine 2500 Quadratmeter große Wiese neben dem Gruppenhaus Reinhilde. "Wir haben überlegt, was wir damit machen können", erinnert er sich. Weil die Pachtdauer auf 25 Jahre begrenzt ist, ließen sich klassische Bauten nicht realisieren. Aus dem Anspruch heraus, etwas für mehr Nachhaltigkeit im Alpentourismus zu unternehmen und der Recherche, wie nachhaltiges Wohnen aussehen kann, reifte die Idee, eine Art Pop-up-Hotel zu schaffen. Suske, der in Konstanz lebt, entwickelte 2017 im Rahmen seiner Masterthesis ein Geschäftskonzept und erstellte einen Businessplan. Im Jahr darauf ging das Projekt in die konkrete Umsetzung. Seit Freitag kann bereits ein Cabinski in St. Gallenkirch besichtigt werden.

Bei einer Länge von zehn und einer Breite von dreieinhalb Metern bieten die Minimalhäuser den Urlaubern eine Nettowohnfläche von knapp 27 Quadratmetern. Bei der Herstellung der sogenannten Cabins setzen die Macher nicht nur auf Nachhaltigkeit, sondern auch auf Qualität und Regionalität. "Wir verwenden nur hochwertige Materialien", sagt Eichhorn. Alles ist aus Holz oder Glas, Plastik findet sich nicht. Hergestellt werden die Module von einem Unternehmen aus Berlin, bei der Umsetzung vor Ort setzen Eichhorn und Suske auf Firmen aus der Region. Wichtig ist den beiden auch die Reversibilität. Eichhorn: "Wenn die Pacht ausgelaufen ist, können wir das Grundstück wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzen."

1,4 Millionen Euro Investition

Auf 1,4 Millionen Euro belaufen sich die Investionskosten für das Projekt, dessen Realisierung im Montafon nur der Anfang sein soll. Eichhorn kann sich die Cabins auch an anderen Urlaubsorten oder in größeren Städten vorstellen - Nachverdichtung statt Flächenfraß eben.

Ob er irgendwann wieder zurück nach Hessen kommt? Aktuell kann sich der Wahl-Österreicher das nicht vorstellen, auch wenn das Leben im Montafon nicht nur Vorteile hat. Die Küche sei zwar gut, aber nicht vielfältig, und mal schnell zum Shoppen in die City wie von Buseck nach Gießen oder Frankfurt, das geht im Vorarlberg nicht. Um die nächste Kleinstadt zu erreichen muss Eichhorn sich erst einmal 25 Kilometer aus dem Tal heraus schlängeln. Doch die Abgeschiedenheit bringt natürlich auch Vorteile mit sich. "Hier setzte ich mich früh morgens ins Auto und fahre auf den Berg, um meine erste Tour zu machen, bevor ich mit der Arbeit beginne." Abseits der Pisten sucht er die Erholung, Freiheit und den perfekten Schnee. Eichhorn: "Das ist eine Work-Life-Balance, die in Großen-Buseck schwierig ist."

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