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Norbert Weigelt bei der Infoveranstaltung zum Projekt »Jugend in die Wahllokale«.

Leuchtturmprojekt zieht weitere Kreise

  • vonVolker Heller
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Buseck (vh). Die Gemeinde Buseck hat für den Landkreis Gießen ein Leuchtturmprojekt erschaffen und vielleicht auch einen schlafenden Riesen zum Leben erweckt. Landauf, landab fragen sich verantwortungsbewusste Lokalpolitiker schon lange, wie man Jugendliche und junge Erwachsene für den ehrenamtlichen Dienst an der Demokratie gewinnen könne. Im Rahmen einer Online-Informationsveranstaltung wurde das Projekt »Jugend in die Wahllokale« nun vorgestellt.

Auftakt bei Kommunalwahl

Norbert Weigelt, Gemeindevertreter und Jugendbeauftragter des Busecker Parlaments, hat, bezogen auf praktische Jugendpolitik, ganz eigene Ansichten. Seine These: »Die Geburtsstunde des Parlaments ist nicht seine konstituierende Sitzung, sondern die Wahl.« Der Schulleiter im Ruhestand hat den pädagogischen Sachverstand für die unterste Politikebene fruchtbar gemacht, ohne mit Absicht Großartiges im Schilde zu führen. In der Novembersitzung der Busecker Gemeindevertretung wurde beschlossen, Kooperationspartner der Initiative »Jugendgerechte Städte und Gemeinden« mit dem Landkreis Gießen zu werden. Weil die Kommunalwahl im März vor der Tür stand, handelte Weigelt umgehend. Zusammen mit Ilona Schindler - die Busecker Hauptamtsleiterin ist seit über 15 Jahren auch Besondere Wahlleiterin - ersann er das Projekt »Jugend in die Wahllokale«.

Der örtliche Kinder- und Jugendbeirat wurde alsbald über die Absicht informiert, Jung- und Erstwähler durch den Einsatz als Wahl- und »Ersthelfer« in die Geburtsstunde eines Parlaments einzubinden. Zehn Jugendliche sagten sofort zu, weitere 20 folgten fast ausschließlich durch Mundpropaganda. Das Ziel - je zwei Jugendliche in jedem der 15 Wahllokale - wurde auf Anhieb erreicht. Die 18- bis 25-Jährigen machte man in einem Wahlhelfer-Workshop fit.

Ihr Einsatz funktionierte laut Weigelt so reibungslos, dass am 26. September das Projekt fortgesetzt werden soll mit dem ergeizigen Ziel vor Augen, diesmal vier Jugendliche pro Wahllokal aufzubieten. Neben dem Bundestag wählt Buseck dann auch seinen Bürgermeister und die Landrätin oder den Landrat. Bürgermeister Dirk Haas begrüßte die Online-Teilnehmer: »Ich finde es klasse, dass das Beispiel, das wir geben, große Kreise zieht.«

Ingrid Macht, Teamleitung Jugendförderung beim Landkreis, erläuterte, welche Bedeutung für die Sozialisation ein »demokratisches Lernfeld« habe: Es führe zur Identifikation der jungen Menschen mit ihrem Heimatort. Mithin werde das Einbeziehen Jugendlicher zum »wichtigen Standortfaktor«. Schindler informierte, die neuen Wahlhelfer seien durch ihre aktuelle Schulung nun womöglich sogar besser aufgestellt als die Altgedienten. Sie hätten am Wahlabend bis Mitternacht beim Auszählen der Stimmen geholfen - ohne zu Murren. Doreen Haupt und Angelina Böhmer, zwei der Wahlhelferinnen, bekundeten, der Dienst sei »nicht zu viel« gewesen. Haupt konnte dem Auszählverfahren gar eine gewisse Spannung abgewinnen. Lustige Dinge seien auch passiert: Haupt berichtete, jemand habe seinen Musterzettel ausgefüllt als »Spickzettel« mitgenommen und diesen versehentlich mit abgegeben. Böhmer erinnerte sich an eine Person, die im Wahllokal erstmal fragte, was denn hier zu wählen sei.

Etwa Ende August soll erneut ein dreistündiger Workshop für die Wahlhelfer am 26. September angeboten werden. Macht schlug den »einfachsten Weg der Werbung« vor: »Jeder Parlamentarier möge einen Jugendlichen werben.« Eine der Gelingensbedingungen sei das Zugehen auf junge Menschen mit der Absicht, ihnen mitzuteilen, ihre Mitarbeit sei ausdrücklich erwünscht. Pohlheim, Laubach und Rabenau wollen das Projekt übernehmen. Die E-Mail-Kontakte der Ansprechpartner: norbert.weigelt@gmx.de, ingrid.macht@lkgi.de und ilona.schindler@buseck.de .

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